02.09.2010 von Christian Ihle

Joe Strummer mag der größte Rockstar gewesen sein, den Punk je hervorgebracht hat, aber dennoch irrlichterte Joe zehn Jahre durch die Welt bis er mit den Mescaleros einen späten Frieden fand, dem leider sein allzu früher Tod ein Ende setzte.
Wahrscheinlich wäre es sogar zutreffender, dass Strummer gerade weil er der größte Rockstar war, den Punk je hervorgebracht hat, den Weg in die Wilderness wählte. War Punk doch angetreten, das Prinzip Rockstar zu zerstören; War Punk doch Musik gewordener Ikonoklasmus.
Wie bizarr muss es für Strummer selbst gewirkt haben, nach dem Riesenerfolg des späten Clash-Albums “Combat Rock” (das trotz “Know Your Rights” und “Straight To Hell” mit Sicherheit auch das bis dato schlechteste war) in riesigen US-Stadien aufzutreten, genauso weit entfernt von seinem Publikum wie in den 70ern die Rockstars von Genesis und The Who von dem Ihren!
Man vergleiche nur diesen Auftritt von 1978 in Dunferline….

.
mit einem US-Auftritt drei, vier Jahre später:

.
Nachdem Strummer sich mit Songwriting-Partner Mick Jones über- und Jones aus der Band geworfen hatte, veröffentlichte er mit Paul Simonon als einzig verbliebenem Urmitglied noch das letzte Clash-Album “Cut The Crap”, das eine einzige Schande war, aber immerhin noch das fantastische “This Is England” beinhaltete.
wer in einer kuriosen Szene eines deutschen Tatorts Dietmar Bär als Skin durch Köln laufen sehen will, während Joe Strummer auf der Tonspur “This Is England” singt, der scheue sich nicht, folgendes Video ab Minute 1:47 … weiter lesen
22.12.2009 von Christian Ihle
Punk war mit seiner Affinität zum Leben außerhalb der Regeln und Konventionen der Gesellschaft schon immer dafür prädestiniert, mehr Opfer zu fordern. Kaum ein Punkmusiker aus den 70ern, der Drogen und Alkohol fern geblieben wäre (bis Ian MacKaye in Washington straight edge auf den Plan setzte). So hatte Punk bereits in seiner Hochphase die ersten Verluste zu beklagen, aber es war schon überraschend, wie viele der Heroen von 76/77 (oder die einst dafür die Grundlagen legten) im zu Ende gehenden Jahrzehnt sich verabschiedeten. Die meisten starben übrigens eines “natürlichen Todes”, nur wenige gingen den Rockstarweg. Nur Iggy, der ist immer noch unterwegs.
In diesem Sinne:
I miss you more than all the others /
and I salute you brothers.
2000
Ian Dury (57, Krebs): Ian Dury & The Blockheads.

Sex & Drugs & Rock & Roll
.
2001
Joey Ramone (49, Krebs): The Ramones.

Joey Ramone: What A Wonderful World
.
2002
Joe Strummer (50, Herzfehler): The Clash

The Clash – White Man In Hammersmith Palais
.
Dee Dee Ramone (49, Heroin-Überdosis): The Ramones … weiter lesen
30.12.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
10 Motel (USA, Nimrod Antal)
Wie kaum ein anderes Genre erlebte die Horrorabteilung der Filmindustrie in den letzten Jahren eine neuerliche Blüte. Eine ganze handvoll junger Regisseure schickte sich an, die Gewaltschraube immer und immer weiter zu drehen und sich dabei– zumeist augenzwinkernd – vor den großen Vorbildern aus den 70ern zu verneigen. Der Ungar Nimrod Antal, dessen Erstlingsfilm „Kontrol“ schon zu Recht für einiges Aufsehen sorgte, verweist aber alle Eli Roth und Alexandre Ajas in die zweite Reihe. Mit „Motel“ legt er einen lupenreinen 70er Jahre Horrorfilm vor, der weder durch zu viel Blut noch zu viel Ironie belastet wurde. Das ewig gute Thema des Snuff-Films durchzieht auch „Motel“ und sorgt auch hier für die nötige Würze in einem Standardsetting: ein Paar nächtigt gezwungenermaßen in einem Motel und man verrät nicht zuviel, wenn man andeutet, dass ihr diese Nacht keinen Spaß machen wird. Das behämmerte Ende… weiter lesen