Archive for August, 2006

29.08.2006 von Schröder & Kalender
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Lenin zum Schaden der Bundespost

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Bei einem seiner Besuche meinte Otto Jägersberg, damals noch auf DKP-Linie: »Am 22. April ist Lenins hundertster Geburtstag. Der Weltpostverein hat seinen Mitgliedern die Herausgabe einer Gedenkmarke empfohlen. Frankreich, Holland, Italien und die sozialistischen Staaten machen das. Die Bundesrepublik weigert sich natürlich. Wollen wir nicht eine drucken lassen? Wäre doch eine wunderbare politische Aktion, und bedenke mal den astronomischen Sammlerwert!« Die Idee fand ich gut, weil ich ja auch immer für Putz zu haben bin. Also geheime Kommandosache: Uve Schmidt weihte den ehemaligen Banknotenfälscher Horst Baerenz ein, der inzwischen bei ›Pardon‹ arbeitete. Baerenz stellte die Reinzeichnung her: eine rote Zwanziger mit Lenin-Kopf in Kupferstichmanier, links daneben: Deutsche Bundespost. Das sah sehr offiziell aus. Jedoch, wer sollte uns das drucken? Zunächst war kein Drucker bereit, die paar Blatt durchzunudeln, aber schließlich ließ sich die DKP-Druckerei in Frankfurt breitschlagen. Unter verschwörerischer Vergatterung druckte und perforierte sie die Bogen. Als die Auflage fertig war, stellte sich heraus, daß der Fälscher das falsche Geburtsdatum in die Reinzeichnung gesetzt hatte, statt 22. stand da 11. April 1970. Also mußte die Marke noch mal durch die Presse.

Lenin-Marke-gut.jpg

Und als sie endlich fertig war, entwarfen Uve Schmidt und ich einen Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, der mit dem Satz endete: »Kein unschuldiges Kuvert muß rot werden, … weiter lesen

28.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (8)

von Schröder & Kalender

Wir sind unterwegs und wissen nicht wie der Bär flattert.

Und so geht’s weiter: Bedrohlich nahte der Termin der Pressekonferenz in Kranichstein, für die ich die ersten drei Filme angekündigt hatte. Ich zahlte den Steglitzer Kopierer, die Sechzehn-Millimeter-Rollen kamen in Frankfurt an. Wieder das Problem: Wer führt uns die Dinger vor? Du mußt bedenken, das war wie ein Kilo Koks, das du mit dir rumschleppst, diese blöden Pornofilme. Du konntest nicht einfach in einen Schneideraum gehen und sagen: »Hier, hallo, ein Hunni, und laß das mal laufen.« Es wäre schon gegangen, aber wir hatten Schiß und machten uns die Sache damit unnötig schwer. Schließlich, auf tastenden Umwegen, fanden wir einen Typen im Taunus, der in einer aufgelassenen Zwergschule in Neu-Anspach eine Trickfilm- und Filmerwerkstatt betrieb, Siegfried Claudé. Weil Claudé in Ratibor geboren wurde, einer Stadt in Oberschlesien, gaben wir ihm den Decknamen Ratibor. In Terminkalendern, Vertragsentwürfen, Telefongesprächen und dergleichen wurde einzig der Name Ratibor benutzt, du siehst also, wir haben uns für unsere Aktivitäten durchaus geheimdienstlicher Mittel bedient.

Zu Ratibor in seiner Schule gleich hinter der Saalburg am Limes fuhren wir, er spielte uns gegen ein gesalzenes Honorar die Berliner Filme ab. Da saßen wir, im voraus bereit zu jeglicher Verteidigung unseres Produktes: »Nööö, ist doch eigentlich ganz gut.« Aber es blieb uns nur zu sagen: »Ach du Scheiße, das ist nicht zu glauben!« Es war in jeder Hinsicht schlecht, auch technisch, hoppelige Bilder. Diese Typen hatten in ihrem bekifften Dilettantismus meist mit der Handkamera rumgewackelt, und wenn die Kamera glücklich mal stand, blieb sie quälend drauf auf einer ebenfalls bekifften, unendlich langsamen Vögelei zweier Berliner Blumenkinder, die sich volldoof gegenseitig anlächelten. … weiter lesen

27.08.2006 von Schröder & Kalender
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Badischer Aktenknoten

von Schröder & Kalender

Wir sind unterwegs und wissen nicht wie der Bär flattert.

Zu unserer Klage über den von der Post nicht mehr zugelassenen ›Buchhändlerknoten‹ schrieb unser Freund, der Freiburger Medienanwalt Albrecht Götz von Olenhusen: »Schade um die Schnüre! So kommt alles abhanden – vor Jahren haben wir den Hingang des Badischen Aktenknotens beklagen müssen – die erste Errungenschaft meiner juristischen Ausbildung beim Amtsgericht Emmendingen durch den Gerichtsamtmann Ernst, der,  nachdem er mich in der richtigen Knotung unterwiesen,  einige Zeit später, nicht wegen des Knotens, nach Offenburg strafversetzt wurde an die dortige Staatsanwaltschaft, wo er unter dem Oberstaatsanwalt Dr. Wielsch Dienst tat, der  während  der 1000jährigen Reichszeit im Elsass seine Grundausbildung an einem Sondergericht vervollkommen konnte. Dort war ich selbst einige Monate zur Ausbildung – in Offenburg wohlgemerkt – und drei Monate kommissarischer Staatsanwalt – eine Zeit, die ich nutzen konnte, um Verfahren gegen die berühmten, traditionellen und hervorragenden Schwarzbrenner  in den Tälern… weiter lesen

26.08.2006 von Schröder & Kalender
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Geschichte der O · La seconde fois

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heute mittag in östlicher Richtung.

Wie sich die Zeiten wandeln! Die Zeitschrift BuchMarkt berichtet über unsere Blog-Serie The Making of Pornography und über ein gemeinsames Sommerprojekt von Bertelsmanns Verlagsgruppe Random House und BILD: Die BILD-Erotik-Bibliothek, welche neun Pornos enthalten soll. Darunter auch die Geschichte der O. Da werden bestimmt Liz Mohn und Friede Springer vor Entrüstung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen!

(BK / JS)

25.08.2006 von Schröder & Kalender
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K. G. Saur oder Die Rache der Chromosomen

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.

Nun ist zu berichten von Prof. Dr. h.c. mult. Klaus G. Saur, einem unserer Lieblingsfeinde. Soeben kaufte er als geschäftsführender Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsleitung des Walter de Gruyter Verlags den Verlag K. G. Saur zurück, welchen er vor Jahren gegründet und dann verkauft hatte. Damit entsteht der größte geisteswissenschaftliche Verlag Kontinentaleuropas (http://www.buchmarkt.de/index.php?mod=news&page=22812) Wessen Geistes Kind dieser Herr Saur war und vermutlich noch immer ist, steht in der 2. Folge der Schwarzen Serie von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel: ›Ratten und Römer‹.

Hauptverantwortlich für das Projekt ›Ringeltaube‹ war der Ingenieur Karl-Otto Saur. Nach den schweren Verlusten durch alliierte Bomberangriffe an zahlreichen Orten des Reiches hatte Hitler 1944 die Verlegung der gesamten Rüstungsindustrie unter die Erde angeordnet. Zum technischen Leiter des mit diesem Vorhaben betrauten ›Jägerstabs‹ ernannte er Karl-Otto Saur, der seit 1937 im Rüstungsministerium unter Speer arbeitete. Hitler sichert Saur zu, daß Himmler ein ausreichendes Kontingent ungarischer Juden für … weiter lesen

24.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (7)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit der Planung der Olympia-Pornofilme im Jahr 1969: Die Darmstädter Staatsanwälte begannen das ›Barbara‹-Buch zu verfolgen – ein Musterprozeß, um mich und die Olympia Press wegzufegen. Es setzte das lange Gerede in der Presse über Pornographie ein. Nachdem man sich drei Monate überschlagen hatte, erlahmte langsam die Lust, darüber zu schreiben, etwas Neues mußte her. Das ergab übrigens immer die besten Realisate hinterher, einfach etwas anzukündigen, von dem ich noch nicht wußte, wie es aussehen sollte, beispielsweise das ›Mammut‹. Wie stellt man sich das Buch vor und: »Wie soll es heißen?« Eine Planung, wie sie beim Kinderzeugen nicht möglich ist, man kann sich ja nicht vornehmen: »Das Kind soll Almut oder Hartmut heißen. Jetzt fangen wir mal an zu ficken.« So wird gewöhnlich ein Kind nicht produziert, aber im kreativen Bereich geht das. »Der Film heißt Pornofilm, ich bringe mir jetzt bei, einen Pornofilm zu drehen.« So wie Dominique, als ich noch nicht wußte, wer Dominique ist, mir nur dachte, das muß eine Frau mit einem Kopfschuß sein, weil mir Yvonne Menne mit hochgedünkelter Nase sagte: »Eh, kennst du Dominique?« »Nö, kenne ich nicht.« »Also die macht jetzt im Vogelsberg, bei Birstein, eine Brotbackschule auf.« »Wieso, ist sie Bäckerin?« »Nein! Sie macht doch in der Jazzgass die ›Dominique‹. Sie hat aber im Vogelsberg ein Haus gekauft und wird den Frankfurtern das Brotbacken beibringen.« Wo wir doch alle wissen, daß Dominique noch nicht mal eine Ente braten kann, obwohl sie schon dreihundert gebraten hat in ihrem Leben. Sie kauft immer zwei Enten, schiebt sie rein, und jeder sitzt später da und lutscht wie in diesem Märchen an den Knochen, denkt sich: na ja, lustige Unterhaltungen, es ist eben schön, nur die Ente ist trocken und kalt. … weiter lesen

23.08.2006 von Schröder & Kalender
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Was ist ein Buchhändlerknoten

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.

Zum Thema Buchhändlerknoten hätten wir Matthias Damm gern geantwortet, er schreibt: »Da ich aussterbende Techniken schätze und für bewahrenswert halte, würde ich gerne erfahren, wie ein Buchhändlerknoten ausgeführt wird. Kann mir jemand einen Tip geben?«

http://groups.google.com/group/de.rec.buecher/browse_thread/thread/586719297d9e8db3/d20e61923e904d98#d20e61923e904d98

Wir würden gern, aber es klappt nicht, denn wenn man auf »Antworten« klickt, kommen Zahlenkolonnen. Also, falls sich auch noch andere dafür interessieren, was ein Buchhändlerknoten ist: Er ist identisch mit dem nautischen Slipsteg:

YouTube Preview Image

(BK / JS)

23.08.2006 von Schröder & Kalender
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Diebstahl postmodern

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Gestern Abend stellte der Verbrecher Verlag im Festsaal Kreuzberg seine Anthologie ›Das Buch vom Klauen‹ vor. Darin steht auch eine Geschichte aus der 21. Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Stille Verbraucher‹. Für alle, die nicht zur Lesung kommen konnten, bringen wir hier den Text:

›Konzerne klauen im Großen und Kleinen‹ so lautet das vulgär-marxistische Axiom Nummer eins, sie handeln wie der Besenbinder aus den ›zwei honetten Kaufleuten‹ des Johann Peter Hebel. Und damit so was nicht im Ungefähren bleibt, müssen Geschichten wie diese immer mal wieder erzählt werden. Wenn wir nämlich davon ausgehen, daß es in zweihundert Jahren noch Menschen gibt, die sich für unsere Zeit interessieren, dann sollen sie wissen: Die Holtzbrinck-Gruppe und ihre Manager betrieben einen Gaunerkonzern.

Zunächst einmal stellt sich die Frage: Geld wird geklaut aus Habsucht und Gier, aber warum bereichern sich Leute an der Lebensleistung… weiter lesen

22.08.2006 von Schröder & Kalender
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Otto Beisheim kündigt immer fristlos

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Zu der Meldung, daß der Metro-Gründer und Multimilliardär Otto Beisheim nach Kritik an seiner SS-Vergangenheit die Zehn-Millionen-Stiftung für das Tegernseer Gymnasium auflösen will, hier eine Episode aus dem Jahr 1997. Der Herr reagiert bei Kritik immer mit fristloser Kündigung:

Na ja, anderen Leuten sind eben andere Sachen peinlich. Zum Beispiel meine Argumente einem Hans Werner Richter, der in seiner Grunewaldvilla auf Fernseh- und Senatskosten literarische Live-Sendungen fürs ZDF moderierte. Eingeladen waren außerdem die Verlegerin Renate Gerhardt und Maurice Girodias, der Gründer der Olympia Press, dem wiederum war es peinlich, daß sich in der Nacht zuvor eine Schneidezahnkrone gelöst hatte. Sein notdürftig geklebtes Provisorium fiel ihm während der Sendung mehrfach heraus. Es wurde zum fünfunddreißigsten Mal diskutiert: Pornographie und Literatur – Zensur und Kunstvorbehalte. Meine Beiträge waren inkompatibel mit dem silberzüngigen Sprechen des Mannes mit dem kleinen Hut. Seine Gruppe-47-Suada, die ollen Literaturbegriffe paßten nicht… weiter lesen

20.08.2006 von Schröder & Kalender
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Grass schreibt ab

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

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In der Diskussion um den jungen SS-Landsknecht Günter Grass wird ständig die Integrität und der Anstand des ›Schriftstellers Grass‹ gelobt. So weit ist es damit aber nicht her! Auch Grass schreibt ab wie die meisten Autoren. Im April 2002 haben wir in der ›Schröder erzählt‹-Folge ›Ausländer, Behinderte, Andersdenkende‹ dazu ein Beispiel gebracht:

Und gleich noch eine Abschweifung von der Abschweifung zum Thema Web und zur Trittbrettfahrerei. Ich rede von unserem größten Anstandsdarsteller Günter Grass und seinem neuen Internet-Roman ›Krebsgang.de‹. Der ist auf unfreiwillige Weise saukomisch, weil ein alter Zausel, der vom Internetzl nun wirklich keinen blassen Schimmer hat, sich von seinem Rechercheur Olaf Mischer ein xxx.de für ein uuu.de vormachen ließ. Du meinst, Grass hat eigenhändig geklaut? … weiter lesen