30.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Unsere Leser wissen es, seit das tazblog erscheint, haben wir täglich einen Beitrag geliefert, bis heute sind so 339 zusammengekommen. Die Arbeit hat uns großen Spaß gemacht, viel Applaus und Hits eingebracht, aber auch Zeit gekostet. Eine überschlägige Rechnung hat ergeben: Pro Autor wurde täglich eine Stunde mal 339, also insgesamt 678 Stunden aufgewendet. Das macht viereinhalb Monate unentgeltliche Arbeit. Solche Großzügigkeit können wir uns als freie Schriftsteller nun nicht mehr leisten. Wir werden uns daher wieder auf unser eigentliches Projekt – die Arbeit an ›Schröder erzählt‹ – konzentrieren. Daher können wir uns nur noch sporadisch im tazblog zu Wort melden, wie dies im übrigen ja auch andere Blogger tun.
Die Aficionados bitten wir um Nachsicht und Verständnis. Für die vielen Kommentare, Briefe, Mails sowie mündliches Lob danken wir herzlich. Solche Akklamationen werden uns fehlen. Aber Geltung haben wir fürs erste genug angehäuft. Wir… weiter lesen
29.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in westlicher Richtung.
Joachim Lottmann hatte uns einmal besucht, als wir noch in der Villa in Leeder wohnten, um für den ›Spiegel‹ eine Story über ›Schröder erzählt‹ zu schreiben. Daraus wurde nichts. Hellmuth Karasek war die Geschichte zu positiv. Das also sei vorausgeschickt: Wir haben uns über zu wenig Lob und Hudel von Joachim Lottmann nicht zu beklagen. Es war eher zu viel Sülze – obwohl man doch eigentlich bei Lob unersättlich ist.
Jedenfalls waren wir neugierig, was Lottmann wohl für Geschichten aus Berlin-Mitte zu erzählen hat, nachdem ihn der ›Spiegel‹ wegen galoppierender Großmannsucht geschasst hatte. Und welche Überraschung! Na, eher keine, denn schon damals am Lech ließ Lottmann noch mächtig verklausuliert reaktionäre Töne anklingen. Er arbeitete damals als Redenschreiber für einen neo-konservativen FDP-Bundestagsabgeortneten aus Hoyerswerda.
Mit zunehmendem Alter wird solche Hinstimmung gewöhnlich leider nicht besser. Und jetzt zeigt Joachim Lottmann das braune Vollbild. In seinem tazblog… weiter lesen
29.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in südwestlicher Richtung.
Melzers Abmahnung datierte vom »Donnerstag, den 6. März«. Am Montag diktierte ich eine Antwort, darin skizzierte ich meine Arbeit im Verlag von 1965 an, erklärte ihm, daß das von mir vorgelegte Programm – an dessen Art, Umfang, Qualität und Zustandekommen er keinen Anteil habe – gefährdet sei, wenn mir die Lektoratsautonomie entzogen würde. Außerdem wies ich den Verleger auf die Existenz einer Buchhaltung hin, deren Studium seine Fragen zu den Finanzen jederzeit beantworten könne. Schließlich erinnerte ich erneut an die Erfüllung der mündlichen Vereinbarungen bezüglich des Mitarbeiterbeteiligungsmodells, nannte ihm als Termin für eine Stellungnahme den 15. März. Diesen Brief unterzeichneten auch Peter Beitlich, Traudel Brand, Anne Hansal und Adolf Heinzlmeier. Ich befahl es den anderen schlicht: »Keine Diskussion, ohne Vertrag wird keine Olympia Press gegründet! Wir warten so lange mit der Auslieferung, bis Melzer zur Vernunft kommt.« Klar war das meine Dominanz! Die vier… weiter lesen
28.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in südlicher Richtung.
Die ›Making of Pornography‹-Folge endete mit dem Wort ›Lucys Lustbuch‹. Diesen Comic von Alfred Demarc (d.i. Alfred von Meysenbug) ließ der Frankfurter Generalstaatsanwalt 1971 bei unserer damaligen Auslieferung Franz Müller-Rodenberger in der Goethestraße beschlagnahmen, da sich Personen aus Politik, Presse, Gesellschaft und Sangesleben wiedererkannt hatten. Wie die Staatsanwaltschaft so schnell von dieser Buchuntat Wind bekommen hatte, weiß ich nicht, mein Verteidiger durfte »wegen Gefahr im Verzuge« die Akten nicht einsehen. Die gesamte Auflage von zehntausend Exemplaren wurde dann nach einem späteren Verfahren eingestampft. Es handelte sich um einen Deal. Meine Zustimmung zur Makulierung wurde mit der Einstellung aller laufenden Strafprozesse wegen »Verbreitung unzüchtiger Schriften« belohnt. Es waren zwanzig Verfahren.
Das bedeutet aber auch: Es gibt von diesem März-Titel nur zwanzig Exemplare bei Sammlern und im Antiquariat. Entsprechend teuer ist das Buch, je nach Zustand wird Lucys Lustbuch für 600 bis 800 Euro gehandelt. Da Blogger aber alles umsonst tun und bekommen, stellen wir nun diesen lustigen skankalösen Comic aus dem Jahr 1971 in Fortsetzungen komplett ins Netz.
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26.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.
Kein Alkohol, keine Musik, keine Zigaretten, keine Drogen, kein Essen, keine Liebe, kein Gerede …

Leuchtreklame eines Bordells in der Martin-Luther-Straße.
(BK / JS)
25.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in westlicher Richtung.
Zurück zu den Versuchen, meine Buchprojekte zu stoppen, die regelmäßig mit Josephs Wutanfällen endeten. Nicht daß du denkst, ich sei nicht mit ihm fertig geworden. Wenn er anfing zu meckern oder zu toben, sagte ich: »Herr Melzer, wieso kümmern Sie sich plötzlich um das Programm? Ich konnte den Laden sanieren, weil Sie sich vier Jahre lang rausgehalten haben. Den Verlag leite ich, so ist es mit Ihnen und der BfG vereinbart, nun lassen Sie mich in Ruhe arbeiten!« Dann redete er drei Tage kein Wort mit mir, doch es war eindeutig, er kehrte immer mehr den Chef heraus, und das war nicht nur unangenehm, sondern absurd. Richtig schlimm wurde es Ende Februar, als der ›Spiegel‹ eine Olympia-Press-Geschichte unter dem Titel ›Sportliches Geschehen‹ brachte. Dazu war es gekommen, weil ich im ›Börsenblatt‹ das Erscheinen der Olympia-Press-Bände für den 1. März angekündigt hatte. Sofort mahnte mich… weiter lesen
24.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Am Sonntag gab uns und einem begeisterten Publikum Wolfgang Müller (Die Tödliche Doris) Musikunterricht in der Akademie der Künste, ergänzt von einem Lehrbeispiel des Performers Namosh. Anschließend sprachen die beiden Herausgeber Barbara Schäfer vom Bayerischen Rundfunk und Wolfgang Müller über ihre Produktion ›Das Dieter Roth oRchester spielt kleine wolken, typische Scheiße und nie gehörte musik‹.
Vor der Akademie: Wolfgang Müller, Namosh und einige seiner Fans










(BK / JS)
23.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Wir haben uns ein morgendliches Aufstehritual angewöhnt: Ich erhebe mich gegen 6:45 Uhr, Barbara bleibt bis 7:00 Uhr liegen, genießt die kostbarsten Minuten des Tages, den warmen Halbdämmer, kurz vor dem Dienst am Blog. Währenddessen setze ich Kaffeewasser auf und wasche mich. Als ich dies vorgestern tat, ging der Wohnungstürgong. Ich griff mir den weißen Bademantel und rannte die 20 Meter nackt durchs Dachstudio, denn Barbara geht nie an die Tür, wenn es morgens klingelt, weil sie vor der ersten Tasse Kaffee noch nicht sprechen kann.
Als ich den Flur erreichte, um den Türöffner zu bedienen und gerade den Bademantel überziehen wollte, stand Barbara mit dem Rücken zu mir in der weit geöffneten Wohnungstür und redete mit einer unbekannten etwa dreißigjährigen Frau. Diese erblickte mich also über Barbaras Schulter, nackt, kurz vor dem Moment des Zuklappens, also in der umgekehrten Aktion des exhibitionistischen Mantelaufklappens.… weiter lesen
22.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
Die ›Making of Pornography‹-Folge endete mit dem Wort ›Lucys Lustbuch‹. Diesen Comic von Alfred Demarc (d.i. Alfred von Meysenbug) ließ der Frankfurter Generalstaatsanwalt 1971 bei unserer damaligen Auslieferung Franz Müller-Rodenberger in der Goethestraße beschlagnahmen, da sich Personen aus Politik, Presse, Gesellschaft und Sangesleben wiedererkannt hatten. Wie die Staatsanwaltschaft so schnell von dieser Buchuntat Wind bekommen hatte, weiß ich nicht, mein Verteidiger durfte »wegen Gefahr im Verzuge« die Akten nicht einsehen. Die gesamte Auflage von zehntausend Exemplaren wurde dann nach einem späteren Verfahren eingestampft. Es handelte sich um einen Deal. Meine Zustimmung zur Makulierung wurde mit der Einstellung aller laufenden Strafprozesse wegen »Verbreitung unzüchtiger Schriften« belohnt. Es waren zwanzig Verfahren.
Das bedeutet aber auch: Es gibt von diesem März-Titel nur zwanzig Exemplare bei Sammlern und im Antiquariat. Entsprechend teuer ist das Buch, je nach Zustand wird Lucys Lustbuch für 600 bis 800 Euro gehandelt. Da Blogger aber alles umsonst tun und bekommen, stellen wir nun diesen lustigen skankalösen Comic aus dem Jahr 1971 in Fortsetzungen komplett ins Netz.
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21.04.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
Als Blallas Buch fertig war, besuchte er uns wieder, brachte die Belegexemplare mit und ein Bild: »Das ist entstanden, bevor ich eure Geschichte kannte, aber jetzt kommt es mir so vor, als hätte ich das Bild speziell für euch gemalt.« Ja, sein ›Friede‹ illustrierte auf schlagende Weise die Idylle, in der wir lebten mit ihren grotesken Unterströmungen. Großzügig, wie er war, schenkte er uns noch eine andere Arbeit: ›Hommage an Vincent und seine vier kleinen Freundinnen Juliette, Yvonne, Marie und Josiane‹. Mit van Gogh hatte er sich beschäftigt, weil auch der bis an die Grenze ging. Inzwischen weiß man ja, daß van Gogh weniger irre war, als es gemeinhin dargestellt wurde. So muß man auch Blalla Hallmann sehen: empfindlich und leicht erregbar, aber nicht psychisch krank.

Ende der Sechziger war er nach San Francisco gegangen, hatte dort Robert Crumb kennengelernt, arbeitete in der… weiter lesen