Bienen und Bayer

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Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Die Leserinnen und Leser unseres Blogs wissen, dass wir seit 2008 über das Bienensterben und den Chemiegiganten Bayer berichten.

Biene, tazblog Schröder und Kalender

Heute startet Avaaz eine Unterschriftenaktion: »Weltweit sterben Bienenvölker aus und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat nun bekanntgegeben, dass bestimmte Pestizide teils dafür verantwortlich sind. Uns bleiben noch 48 Stunden bis zu den ausschlaggebenden Sitzungen — lassen Sie uns einen Schwarm von 2 Millionen Unterschriften sammeln, um die Bienen zu retten. Machen Sie jetzt mit!

Wenn wir uns nicht wehren, ist eine seit dem 7. Jahrtausend vor Christi gewachsene Kultur dem Untergang geweiht. Der Säugling Zeus in seiner kretischen Grotte wurde ernährt von der Ziege Amaltheia und der Biene Melissa – »Gleich dem dichten Schwarme des emsigen Bienengeschlechtes, / Welche sich immer erneuernd der Höhlung des Felsen entsummen, / Bald wie Beeren hangender Trauben zusammen sich häufen, / Bald auseinander fliegend die Blumen des Lenzes umschwärmen.« So haben wir es gelernt, das ist unsere Tradition.

Weil skrupellose Chemiker und Manager jährlich 600 Millionen Euro Umsatz machen wollen, sterben die Bienenvölker dahin. Denn mit dem systemischen Insektizid wird das Saatgut von Raps, Sonnenblumen und Mais weltweit gebeizt – bis auf ein paar Länder wie z. B. Frankreich, wo diese Präparate bereits verboten sind.
Keine Befürchtung, verteidigt sich das Chemiker-Kroppzeug, wir sind bereits dabei eine Notlösung zu finden, wenn wir die Honigbiene ausgerottet haben, entwickeln wir chemische Hormone. Solche Hormone gaukeln der Blüte vor, bestäubt worden zu sein. Diese »Jungfernfrüchtigkeit« erzeugt dann Früchte ohne Samen – wie wir sie bereits bei Discountern finden. Bei Äpfeln, Birnen und Melonen ist das schon gelungen, Versuche mit Tomaten laufen.

Wer möchte solche Früchte essen? Wer möchte Parteien wählen, die aus Angst vor der Chemie-Physiker-Lobby in Parlamenten, Gremien und Kommissionen den Untergang der Bienenkultur abnicken? Joe Cummings, Genetikprofessor an der Universität Ontario, erklärte sich dieses Versagen der Politik so: »Meine Erfahrung mit Bayer CropScience ist, daß sie aggressiv sind und ihre Kritiker mit allen Mitteln bekämpfen.«

Biene, tazblog Schröder und Kalender

(BK / JS)

1 Kommentar

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  1. “Sehr verehrte Honigbienen,
    wir Verbraucher danken Ihnen.”
    (Heinz Erhardt)

    Wenn ich hier von den kretischen Bienen lese, bekomme ich schon wieder Psiloritis. Es sind magische Orte, die Dikti-Höhle und die Idäische Grotte im Psiloritis- oder Ida-Gebirge. Müsste mal wieder hinfahren. Auf der Lasithi-Hochebene tuckern heute leider fast nur noch Dieselmotoren, die statt der typischen kretischen Windmühlen die Pumpen antreiben, mit denen das Wasser für den Gemüseanbau aus den Tiefbrunnen gefördert wird. Die meisten der Windmühlen stehen traurig nur noch als Skelette ohne Bespannung herum.

    Am Samstag kam ich bei einer Winterwanderung an einigen Bienenkästen vorbei und musste an diesen Blogeintrag denken und daran, dass leider auch Amphibien durch Gifte, die von Menschen in die Natur entlassen werden, stark gefährdet sind.

    Viele meiner Reimereien entstehen beim Wandern oder Joggen und so kam es zu einer Fortsetzung der Lurchi-Nonsens-Zeilen. Etwas ernster.

    Die ganze Welt ist durcheinander.
    Wo bleibt nur Lurchi Salamander?
    Wo ist sein Kumpel, Hops der Grüne,
    Aus dem Abenteuer-Magazine
    Wo ist die Kröte Unkerich,
    Die durch die bunten Hefte schlich?

    Die Helden meiner Kinderzeit,
    Sie sind dem Gifttod schon geweiht.
    Auf Feldern und am Ackerrain,
    Setzt Landmann seine Spritze ein.
    Damit kein Unkraut sich verbreitet,
    Wirds Artensterben eingeleitet.