vonSchröder & Kalender 10.02.2018

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Der Bär flattert  in westlicher Richtung.
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Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Für Maurice Girodias war das Rettende ein gewisser Jörg Schröder in Germany, der sich in den Kopf gesetzt hatte, in Deutschland pornografische Bücher auf den Markt zu bringen, trotz der geltenden Zensurgesetze. Ich kaschierte dieses waghalsige Projekt mit der literarischen Fama der berühmten alten Olympia Press, hier waren schließlich so große Autoren wie Samuel Beckett, Henry Miller und Vladimir Nabokov erschienen. Die nannte ich in meinem Werbetext und entwarf eine große Wimmelanzeige mit der Headline ›Das farbige Banner der Pornografie‹. Die Anzeige im ›Spiegel‹ verursachte einen riesigen Wirbel. Wie sich dieses Making of Pornography abspielte, wie meine Partnerschaft mit Maurice endete, haben wir in den zurückliegenden Folgen von ›Schröder erzählt‹ veröffentlicht. Jedoch ein wichtiges Glied in der Lebens- und Verlegergeschichte dieses Mannes fehlte bisher. Darüber hatte Girodias zu meiner Zeit nie etwas verlauten lassen, mit gutem Grund.

 

Sein Appetit auf immer neues Geld war unstillbar, ich hatte dies lange seinem aufwendigen Lebensstil zugerechnet, seinen ständigen Reisen in alle Welt mit dem Ziel, ein gigantisches Pornoimperium zu gründen, und den Aufenthalten in den entsprechenden Grand Hotels. Erst nachdem ich ›Venus Bound. The Erotic Voyage of the Olympia Press and its Writers‹ von John de St. Jorres gelesen hatte, wusste ich mehr. Die deutsche Olympia Press war nämlich Girodias’ einzige große Einnahmequelle, und er hatte nicht aufgehört, von James Patrick Donleavy seinen Anteil an den Weltrechten von ›The Ginger Man‹ einzuklagen.

Mein schönes Geld floss in diesen höchst abenteuerlichen, wenn auch nicht ganz aussichtslosen Prozess. James Patrick Donleavy lebte inzwischen auf großem Fuß in Dublin, besaß eine prunkvolle Villa mit fünfzehn Zimmern und Swimming Pool. Maurice forderte von ihm die Hälfte der Tantiemen der letzten acht Jahre plus Zinsen, er hatte die fixe Idee, dieses Vermögen würde alle seine finanziellen Probleme lösen. In erster Instanz hatte ein Pariser Gericht ihm tatsächlich Recht gegeben, natürlich legte Donleavys Anwalt Berufung ein. Girodias blieb siegessicher, doch um seine Ansprüche in der Revision durchsetzen zu können, musste er die bankrotte Pariser Olympia Press wieder in seinen Besitz bringen. Er bestach den Konkursverwalter – dies gibt er in seinen Memoiren unumwunden zu –, Stillschweigen zu bewahren, wenn die Olympia Press versteigert werden soll. Girodias wollte der einzige Bieter bleiben.

Diese Erzählung wird demnächst fortgesetzt

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