Posts Tagged ‘Uve Schmidt’

23.05.2009 von Schröder & Kalender
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Ende einer Ehe

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Nach fünfzehnjähriger Gemeinschaft (2 Kinder), eröffnet eine Frau (37) ihrem Mann (38) das Ende ihrer Liebe und Ehe. Der Mann beginnt mit der Aufzeichnung der Ereignisse, seiner Empfindungen, Erwartungen und Befürchtungen; unter dem Eindruck der Zerstörung einer scheinbar gefestigten Beziehung. Es sind die ungeschönten Dokumente einer Katastrophe. Die Gedanken des Autors sind nicht nur auf sich gerichtet, sondern gleichermaßen auf die neue Beziehung seiner Frau.

In zehn erzählerischen Episoden, die in die Chronik dieses »Endens einer Ehe« eingebettet sind, macht Uve Schmidt sich ein Bild davon, »wie es zwischen ihr und dem anderen ist.« In diesen gegen sich und »sie« mitleidlosen Szenen offenbaren sich Sinn und Sein dieser privaten banalen Tragödie als Psychodrama. Es ist ein Buch von der vergeblichen Liebesmühe eines Mannes, dem am Ende nur bleibt, »sich in einen tragischen Punk zu verwandeln.«

Uve Schmidt ist in seiner Lage ehrlich bis zur Selbstentblößung: Er ist verwirrt, wütend, trotzig, verzweifelt, rachsüchtig und selbstgerecht, voller Selbstmitleid, Zweifel, Ängste und Phantasien.  Er erlebt, was längst zu einem exemplarischen Fall geworden ist: Die Bedrohung durch eine Frau, die gegen Regeln und Rollen kämpft. Und er beschreibt, wie wenig die Betroffenen in der Lage sind, die sich daraus ergebenden seelischen Verwicklungen zu lösen.


Schmidt, Uve: ›Ende einer Ehe‹. Leinen, 160 Seiten, (8°). Umschlaggestaltung: Typographie von Jörg Schröder mit einem Foto von Gunter Rambow. März Verlag, Jossa 1978

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23.09.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (13)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert immer noch auf halbmast in nördlicher Richtung.

Ab 10 Uhr wieder auf Topp.

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Und so geht’s weiter mit der schwierigen Suche nach Darstellern für den Pornofilm ›Colt & Köcher‹: Das Kopierwerk Atlantik-Film akzeptierte das Brocksche Gutachten, ›Die Schüler‹ waren bereits in Arbeit, ein Prospekt wurde gedruckt. Die Kameraleute Boldt und Hehn begannen über weitergehende Beteiligungen an den Verkaufserlösen nachzudenken, wollten in meinem Pornokonzern die erste Filmgeige spielen, aber keiner wollte sich natürlich namentlich nennen lassen. Es gab dann Versuche der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die Produktion zu stoppen, es gab Strafanträge, dem allem entzogen wir uns mit List, ›Die Schüler‹ liefen blendend. ›Sexokratie‹, so bemüht das auch daherkam, wurde genauso gut verkauft. Es kam nur darauf an, daß alle Varianten darin vorkamen. Ich bemühte mich ständig, den Standard zu erhöhen, mein nächster Plan sah vor, einen Film außen zu drehen, ich wollte den Vogel abschießen mit diesem Film, der dann auch im Vogelsberg gedreht wurde. Uve Schmidt und ich entwickelten ein Szenario, das ›Colt und Köcher‹ hieß, die Message bestand darin, daß ein Trapperpärchen ein Indianerpärchen ausbeutet: ›Colt und Köcher oder Die Ausbeutung‹. Mit den einfachen dramaturgischen Mitteln des Stummfilms sollten höchste Handlungsdichte und erotische Faszination erreicht werden, der Trapper greift nach seinem Colt, der Indianer hebt den Schild vom Boden auf, die Indianerin schnürt das Mieder der Trapperin, wie es von Lessing im ›Laokoon‹ gewünscht ist.

coltundköcher2.jpg

Dazu mußten wir uns auf vier Spieler beschränken. Bazon Brock konnte noch aus dem vollen schöpfen mit drei Pärchen und einer Lehrerin. … weiter lesen

20.09.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (12)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit den klandestinen Dreharbeiten zum Pornofilm ›Sexokratie‹: Ob Svensson uns nachsetzte? Er löste sich auf geheimnisvolle Weise in Luft auf, dachte ich damals. Erst ein paar Jahre später wurde mir klarer, was es mit der Food-Schiene auf sich hatte, als Werner Klemming beschloß, sich nach Norditalien zu verkriechen, und mir vorher seine Malik-Sammlung verkaufen wollte. Beiläufig erzählte er mir von seiner Lehrzeit in Bechers Nachkriegs-Weizenkontor. Aber erst nachdem Hans Dieter Heilmann den Bericht des ollen Biss über die Budapester Verhandlungen neu herausgab, über Kastner, Eichmann, Becher, 1985, und da auch erst zwei Jahre später, dämmerte es mir endlich, mit welchem Netzwerk diese Hilfsorganisation auf Gegenseitigkeit die zweite Republik überzogen hatte. Da paßt mal ›Netzwerk‹, die neudeutsche Metapher für jedwede Gruppengemeinheit und lobbyistische Abstauberei. Ja, warte doch ab! Es verknüpft sich schon noch.

Erst mal waren wir wieder in Frankfurt, Beitlichs Nase wurde bald rosiger, aber er machte mich noch wochenlang verrückt mit seiner Schwedenparanoia. Ich dachte mir, die können mich mal, beauftragte Rechtsanwalt Riemann, einen Brief zu schreiben, daß ich als linker Verleger wegen der ungewöhnlichen Geschäfte, die Svensson und seine Geschäftspartner angedeutet hätten, von der Gründung der projektierten Aktiengesellschaft absehen müsse. Nach diesem Brief habe ich von den Typen direkt nichts mehr gehört. Was die Filmkopien anging, war ich so klug als wie zuvor. Da, gänzlich überraschend, meldete sich das Atlantik-Filmkopierwerk aus Hamburg, sie seien nun möglicherweise doch bereit, erotische Filme zu kopieren, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß ihnen ein Gutachten vorgelegt würde, welches sie juristisch freistellt, ein Gutachten von ausgewiesenen Wissenschaftlern, daß es sich bei unseren Filmen nicht um strafwürdige Pornographie handelt. Ein ungewöhnliches Zusammentreffen, diese plötzliche Bereitschaft von Atlantik-Film nach unserem Schwedenabenteuer, kann aber auch Zufall gewesen sein.

Nun ging die wunderbare Geschichte mit Konsul Breckwoldt los. Der erste Film war gedreht, das Gutachten für seinen ›Schüler‹-Film hatte sich Bazon Brock selbst geschrieben. Ich konnte also darangehen, das nächste Œuvre vorzubereiten. Es sollte eine Eigenproduktion von Uve Schmidt und mir werden, Rainer Boldt hatte seinen Freund Roland Hehn als Kameramann empfohlen. Der Film trug den Titel ›Sexokratie‹, ein Lehrfilm, in dem die Grundrechte des Grundgesetzes mittels erotischer Metaphern erklärt wurden: »Die Würde des Menschen ist unantastbar« oder »Die Kunst ist frei«. Jeder dieser Leitsätze – ja, stimmt schon, dumpf – wurde in einer Szene ausgespielt, ein erotischer Vulgär-Stanislawski, dafür mußten vier Leute gefunden werden.

sexokratie2.jpg

Rosi hatte bereits zugesagt, eine vollbusige Frau mit dunkelbraunen Haaren, der wir aber stets eine lockige blonde Mittellanghaarperücke nach Landfrauenart verpaßten. … weiter lesen

09.09.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (10): Prof. Bazon Brock dreht einen Pornofilm

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert leicht in östlicher Richtung.

Und so geht’s weiter: Wir saßen da und stützten die Köpfe, Uve Schmidt und ich. Zu dieser Zeit, Ende 1969/Anfang 1970, war Bazon Brock noch eine gerngesehene Person im Hause März. In jeder März-Programm-Vorschau stand damals seine ›Revolution des Ja‹, die ich bereits zwei Jahre vorher im Melzer Verlag angekündigt hatte. Mit Bazon Brock sprach ich über die Schwierigkeiten der Pornofilmproduktion, und er: »Kein Problem, den Film mache ich.« Er übernehme die gesamte Produktion, er kenne da einen jungen Absolventen der Münchner Filmhochschule. »Au weh, schon wieder ein Absolvent.« »Doch, das ist ein guter Mann.« Also, er realisiert das mit dem guten Mann und seiner Klasse an der Hochschule für Gestaltung in Hamburg, »da kann nichts schiefgehen«. Ich, vorsichtig geworden, zahlte erst mal nur das Filmmaterial. Vor Drehbeginn wurde das Verteidigungskonzept festgelegt, wir durften ja nur Filme machen, die von vornherein so konzipiert… weiter lesen

29.08.2006 von Schröder & Kalender
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Lenin zum Schaden der Bundespost

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Bei einem seiner Besuche meinte Otto Jägersberg, damals noch auf DKP-Linie: »Am 22. April ist Lenins hundertster Geburtstag. Der Weltpostverein hat seinen Mitgliedern die Herausgabe einer Gedenkmarke empfohlen. Frankreich, Holland, Italien und die sozialistischen Staaten machen das. Die Bundesrepublik weigert sich natürlich. Wollen wir nicht eine drucken lassen? Wäre doch eine wunderbare politische Aktion, und bedenke mal den astronomischen Sammlerwert!« Die Idee fand ich gut, weil ich ja auch immer für Putz zu haben bin. Also geheime Kommandosache: Uve Schmidt weihte den ehemaligen Banknotenfälscher Horst Baerenz ein, der inzwischen bei ›Pardon‹ arbeitete. Baerenz stellte die Reinzeichnung her: eine rote Zwanziger mit Lenin-Kopf in Kupferstichmanier, links daneben: Deutsche Bundespost. Das sah sehr offiziell aus. Jedoch, wer sollte uns das drucken? Zunächst war kein Drucker bereit, die paar Blatt durchzunudeln, aber schließlich ließ sich die DKP-Druckerei in Frankfurt breitschlagen. Unter verschwörerischer Vergatterung druckte und perforierte sie die Bogen. Als die Auflage fertig war, stellte sich heraus, daß der Fälscher das falsche Geburtsdatum in die Reinzeichnung gesetzt hatte, statt 22. stand da 11. April 1970. Also mußte die Marke noch mal durch die Presse.

Lenin-Marke-gut.jpg

Und als sie endlich fertig war, entwarfen Uve Schmidt und ich einen Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, der mit dem Satz endete: »Kein unschuldiges Kuvert muß rot werden, … weiter lesen

24.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (7)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit der Planung der Olympia-Pornofilme im Jahr 1969: Die Darmstädter Staatsanwälte begannen das ›Barbara‹-Buch zu verfolgen – ein Musterprozeß, um mich und die Olympia Press wegzufegen. Es setzte das lange Gerede in der Presse über Pornographie ein. Nachdem man sich drei Monate überschlagen hatte, erlahmte langsam die Lust, darüber zu schreiben, etwas Neues mußte her. Das ergab übrigens immer die besten Realisate hinterher, einfach etwas anzukündigen, von dem ich noch nicht wußte, wie es aussehen sollte, beispielsweise das ›Mammut‹. Wie stellt man sich das Buch vor und: »Wie soll es heißen?« Eine Planung, wie sie beim Kinderzeugen nicht möglich ist, man kann sich ja nicht vornehmen: »Das Kind soll Almut oder Hartmut heißen. Jetzt fangen wir mal an zu ficken.« So wird gewöhnlich ein Kind nicht produziert, aber im kreativen Bereich geht das. »Der Film heißt Pornofilm, ich bringe mir jetzt bei, einen Pornofilm zu drehen.« So wie Dominique, als ich noch nicht wußte, wer Dominique ist, mir nur dachte, das muß eine Frau mit einem Kopfschuß sein, weil mir Yvonne Menne mit hochgedünkelter Nase sagte: »Eh, kennst du Dominique?« »Nö, kenne ich nicht.« »Also die macht jetzt im Vogelsberg, bei Birstein, eine Brotbackschule auf.« »Wieso, ist sie Bäckerin?« »Nein! Sie macht doch in der Jazzgass die ›Dominique‹. Sie hat aber im Vogelsberg ein Haus gekauft und wird den Frankfurtern das Brotbacken beibringen.« Wo wir doch alle wissen, daß Dominique noch nicht mal eine Ente braten kann, obwohl sie schon dreihundert gebraten hat in ihrem Leben. Sie kauft immer zwei Enten, schiebt sie rein, und jeder sitzt später da und lutscht wie in diesem Märchen an den Knochen, denkt sich: na ja, lustige Unterhaltungen, es ist eben schön, nur die Ente ist trocken und kalt. … weiter lesen

16.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (6)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Und so geht’s weiter: Den Druckauftrag gab ich an eine Firma, deren Namen ich so erfolgreich vergaß wie Tante Elfis Lakritze. Wegen der Staatsanwälte durfte doch niemand wissen, wo die Liebespositionen hergestellt wurden, nackt auf nackt im Bild war in jenen Zeiten ebenso verpönt wie Sex mit Tieren heute. Erst als der Drucker mich nach dem Impressum fragte, fiel mir siedendheiß ein, daß dieser klandestine Titel ja keinesfalls bei Olympia Press erscheinen durfte, um das Geschäft mit der geschriebenen Pornographie nicht mit nackten Liebespositionen zu belasten, und erst recht war das nichts für März, weil der Avantgardeverlag sonst in die Nähe von Beate Uhse gerückt wäre. Also saß ich wieder einen Abend in meiner Formaldehydkabine und überlegte mir, wie ich denn um alles in der Welt den Verlag für mein ›Einmaleins für Zwei‹ nennen könnte. Weiß der Teufel, wie die Synapsen klickerten, es fiel mir die Porta Westfalica ein. Vielleicht, weil ich in den Wäldern um sie herum meine pubertierende Jugend verbracht und mir als Knabe oft, im Angesicht des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf den Sandsteinklippen des Wesergebirges hockend, einen runtergeholt hatte. … weiter lesen

08.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (5)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.

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Und so geht’s weiter mit dem Foto-Shooting für das Stellungsbuch ›Einmaleins für Zwei. 111 Liebesvariationen‹:

Maurice Girodias kam alle zwei Monate nach Frankfurt, verspürte aber kein Bedürfnis, mich im Darmstädter Keller zu besuchen, saß lieber im ›Intercontinental‹ in einer Suite und berichtete mir dann von weltweiten Olympia-Press-Gründungsplänen. Der Grund seiner häufigen Besuche war vor allem, bei jedem Treffen einen Scheck von dreißig- oder vierzigtausend Mark à conto der Tantiemen entgegenzunehmen. So hatten wir es mündlich vereinbart, denn einen schriftlichen Lizenzvertrag gab es noch nicht. Girodias erhielt, wenn ich einen Titel aus seinem amerikanischen Programm übernahm, einen Vorschuß von tausend Dollar à conto der Autorentantieme von siebeneinhalb Prozent vom Ladenpreis. Zusätzlich war als Abgeltung für die Benutzung des Olympia-Press-Logos eine Lizenzgebühr von sieben Komma fünf Prozent vom Nettoverkaufspreis vereinbart, die für Girodias’ Genfer Holding bestimmt war. Diese trug den seltsamen Namen Euratom SA, hatte also, bevor Maurice sie übernahm, ganz anderen Zwecken gedient.

Girodias wurde zum Kuckuck, der nach immer mehr Geld schrie. Wenn er den Scheck eingelutscht hatte, redete er über neue Buchprojekte. Einer seiner Lieblingspläne war ein Fotopornoroman, Arbeitstitel ›Swedish Family‹. … weiter lesen