Posts Tagged ‘Vogelsberg’

04.11.2010 von Schröder & Kalender
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Eine alte Schachtel

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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In unserem letzten Begleitschreiben zur üblichen Rechnung erzählten wir den Subskribenten von ›Schröder erzählt‹, dass wir nun seit dreißig Jahren zusammen leben und arbeiten. Jetzt schickte uns der Künstler und Architekt Michael Ruhl, ein Sammler von Objets trouvés aus Herbstein im Vogelsberg, zu diesem Anlass ein Schächtelchen des Winterhilfswerks mit verblichener Abrechnung auf dem Deckel. Für 241,90 Reichsmark hatte die arme Vogelsbergerin Kunstharzblumen für das Winterhilfswerk 1938 verkauft und natürlich auf Heller und Pfennig abgeliefert.

So stolz war sie auf ihre Sammlung, dass sie die leere Schachtel aufhob und als Schatulle für ihren kärglichen Schmuck benutzte: Zwei Stoffblumen, die sie jeden Sonntag im Wechsel an ihr gutes Kleid steckte, wenn sie zur Kirche ging, … weiter lesen

08.01.2009 von Schröder & Kalender
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Einkommenssteuer

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen also nicht, wie der Bär flattert.
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Selbst wenn man kaum eins hat, muß man doch Jahr um Jahr sein Einkommen deklarieren. Gerade haben wir unsere Erklärungen abgegeben – fast fristgemäß –, dabei ist uns ein Steuerberater im roten Tanga eingefallen, der im sehr kühlen Vogelsberger Klima die biedere Landbevölkerung erschreckte. Näheres wie immer am Freitag in unserer Kolumne.

(BK / JS)

02.12.2008 von Schröder & Kalender
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Wie wir uns einmal selbst begeisterten (2)

von Schröder & Kalender

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Es ist neblig, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Freitag, den 5. Dezember 2008, um 20:30 Uhr, NBI Club, (Kulturbrauerei), Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin. satt.org und SuKuLTuR präsentieren: DIE BEGEISTERUNGS-SHOW 9 mit alle 3, Barbara Kalender, Jörg Schröder, Tobias Lehmkuhl, Robert Mießner, Christina Mohr und vielen Gästen. Wir lesen aus ›Schröder erzählt‹.

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Da am Freitag bei der Show unsere literarische und verlegerische Arbeit Zielobjekte der Begeisterug sein sollen – was uns sehr freut! –, brachte uns dies auf die Idee zu erzählen, wie wir uns einmal selbst begeisterten:

Wir redigierten Tag und Nacht, die fertigen Manuskripte gingen zur Vorauskorrektur, dann fuhren wir meist noch nachts zur Setzerei Mitterweger nach Mannheim. Es war ein Glück, daß die Beltzsche Druckerei eine Lohnsetzerei einsetzte, die in drei Schichten, also rund um die Uhr, mit guten Setzern arbeitete. Die Wahl der Setzerei war eigentlich ein Zufall gewesen, sie hatte als einzige im Rhein-Neckar-Raum die Walbaum-Schrift, und  ›März-Texte 1‹, die ja im ersten Teil des ›Mammut‹ nachgedruckt werden sollten, waren in der Walbaum gesetzt. Und ich konnte mich auf einen qualifizierten Korrektor verlassen, unseren Freund Manfred Vogel in Fulda, der noch einen Lehrmeister der alten Leipziger Schule hatte. Ohne die Setzer und den Korrektor hätte ich den Irrentermin vergessen können, so aber wurden täglich fünfzig Seiten fertig, dazu mußten noch Texte übersetzt werden, Helma Schleif übernahm eine schwierige Passage aus Hertha von Dechends ›Hamlets Mühle‹, Marc Adrian einige Patchen-Gedichte, den Warhol-Text diktierte ich Barbara in die Maschine.

Alle Mitarbeiter zogen mit ohne Murren und Zicken, es gab keine Komplikationen, ein Wunder! Du hast doch sonst unendliche Schwierigkeiten mit Übersetzern und Ablieferungsterminen, diesmal hielt jeder seine Zusage, gab sein Bestes, sogar Leute, die sonst saumselig sind, … weiter lesen

19.07.2008 von Schröder & Kalender
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Out of Vogelsberg

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Das konnte ja interessant werden! Auf der Eingangsmauer zu den Neuen Kammern im Park Sanssouci begrüßte uns eine halbwilde Füchsin.

Wir fotografierten Frau Ermelyn, eine andere Besucherin tat es uns nach. Später stellte sich heraus, daß es Martina Winkel war, eine Studienfreundin von Josef Michael Ruhl, der uns eingeladen hatte. … weiter lesen

10.06.2008 von Schröder & Kalender
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Gute Kunst

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in westlicher Richtung.

Ende vorigen Jahres hatte uns Mike Hentz zur Finissage seiner Ausstellung eingeladen. Mike hatte seinerzeit im Vogelsberg einen Film über uns gedreht, den er auf der ARS Electronica in Linz zeigte. Wie das so seine Art ist, war Mike im Kunstpunkt nicht anzutreffen, sondern nach Wien, Riga oder anderswohin abgerauscht.

Das war aber weiter nicht schlimm, denn so entdeckten wir in Heinz Günter Herpels Galerie die erstaunlichen bewegten Objekte von Johanna Smiatek. Wenn man sich den roten Silikonschuhen auf der Rampe näherte, zitterten sie zunächst unmerklich und dann wie Götterspeise. Eine kontemplative Irritation. Daß solches möglich ist, macht gute Kunst aus.

schuhe-3.jpg

Johanna Smiateks neue Einzelausstellung im Kunstpunkt mit dem ironischen Titel aus der Welt des Luxus und der Moden: ›Nur für Sie gemacht‹ präsentiert neue kinetische Sensationen:

Ein Bar-Triptychon, dessen Gläserreihen bei Annäherung zu zittern beginnen. Also… weiter lesen

23.09.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (13)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert immer noch auf halbmast in nördlicher Richtung.

Ab 10 Uhr wieder auf Topp.

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Und so geht’s weiter mit der schwierigen Suche nach Darstellern für den Pornofilm ›Colt & Köcher‹: Das Kopierwerk Atlantik-Film akzeptierte das Brocksche Gutachten, ›Die Schüler‹ waren bereits in Arbeit, ein Prospekt wurde gedruckt. Die Kameraleute Boldt und Hehn begannen über weitergehende Beteiligungen an den Verkaufserlösen nachzudenken, wollten in meinem Pornokonzern die erste Filmgeige spielen, aber keiner wollte sich natürlich namentlich nennen lassen. Es gab dann Versuche der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die Produktion zu stoppen, es gab Strafanträge, dem allem entzogen wir uns mit List, ›Die Schüler‹ liefen blendend. ›Sexokratie‹, so bemüht das auch daherkam, wurde genauso gut verkauft. Es kam nur darauf an, daß alle Varianten darin vorkamen. Ich bemühte mich ständig, den Standard zu erhöhen, mein nächster Plan sah vor, einen Film außen zu drehen, ich wollte den Vogel abschießen mit diesem Film, der dann auch im Vogelsberg gedreht wurde. Uve Schmidt und ich entwickelten ein Szenario, das ›Colt und Köcher‹ hieß, die Message bestand darin, daß ein Trapperpärchen ein Indianerpärchen ausbeutet: ›Colt und Köcher oder Die Ausbeutung‹. Mit den einfachen dramaturgischen Mitteln des Stummfilms sollten höchste Handlungsdichte und erotische Faszination erreicht werden, der Trapper greift nach seinem Colt, der Indianer hebt den Schild vom Boden auf, die Indianerin schnürt das Mieder der Trapperin, wie es von Lessing im ›Laokoon‹ gewünscht ist.

coltundköcher2.jpg

Dazu mußten wir uns auf vier Spieler beschränken. Bazon Brock konnte noch aus dem vollen schöpfen mit drei Pärchen und einer Lehrerin. … weiter lesen

12.09.2006 von Schröder & Kalender
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Elfenfotos

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Am Samstag besuchten uns Heike und Peter Oeltze von Lobenthal, alte Freunde, die wir seit unserer Vogelsbergzeit kennen, also jetzt 26 Jahre. Sie brachten aus ihrem Garten in Caputh Blumen, Himbeeren, Erdbeeren, Tomaten und einen Kürbis mit. Wir tranken einen Absinth, Povl erzählte von seiner Moskau-Reise. Er war fasziniert von der Stadt und schockiert von den dortigen Preisen. Kurz vor acht fuhren wir ins Gnadenbrot. Wolfgang Müller (Die tödliche Doris) sprach und speiste mit Stefán Júlíusson, einem Hochseefischer aus Island.

Wir gehen gern zu Müllers Tischgesprächen ins Gnadenbrot. Das ist immer amüsant und das Essen gut, aber nicht teuer. Der andere Stefan, der Koch, bereitet regionale Spezialitäten zu, passend zur Herkunft des Interviewpartners, dieses Mal eben isländische Gerichte. Wir nahmen Kürbisgnocci mit Steinpilzen, Heilbutt und geräuchertes, isländisches Lamm. Auf den Tischen standen Schalen mit getrockneten Algen, die die Isländer knabbern, sowie Trockenfisch, den man mit etwas Butter ißt. Wolfgang Müller sprach mit Stefán Júlíusson über dessen Arbeit als Hochseefischer im Atlantik, dazu wurden Fotos an die Wand projiziert. Müller mußte dem Fisherman jedes Wort aus der Nase ziehen.

Jetzt kam der taz-Hilfshausmeister Helmut Höge herein, neuerdings auch Islandfahrer, und als Bremer Fischkopp schon immer an der Fischerei interessiert. … weiter lesen

24.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (7)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit der Planung der Olympia-Pornofilme im Jahr 1969: Die Darmstädter Staatsanwälte begannen das ›Barbara‹-Buch zu verfolgen – ein Musterprozeß, um mich und die Olympia Press wegzufegen. Es setzte das lange Gerede in der Presse über Pornographie ein. Nachdem man sich drei Monate überschlagen hatte, erlahmte langsam die Lust, darüber zu schreiben, etwas Neues mußte her. Das ergab übrigens immer die besten Realisate hinterher, einfach etwas anzukündigen, von dem ich noch nicht wußte, wie es aussehen sollte, beispielsweise das ›Mammut‹. Wie stellt man sich das Buch vor und: »Wie soll es heißen?« Eine Planung, wie sie beim Kinderzeugen nicht möglich ist, man kann sich ja nicht vornehmen: »Das Kind soll Almut oder Hartmut heißen. Jetzt fangen wir mal an zu ficken.« So wird gewöhnlich ein Kind nicht produziert, aber im kreativen Bereich geht das. »Der Film heißt Pornofilm, ich bringe mir jetzt bei, einen Pornofilm zu drehen.« So wie Dominique, als ich noch nicht wußte, wer Dominique ist, mir nur dachte, das muß eine Frau mit einem Kopfschuß sein, weil mir Yvonne Menne mit hochgedünkelter Nase sagte: »Eh, kennst du Dominique?« »Nö, kenne ich nicht.« »Also die macht jetzt im Vogelsberg, bei Birstein, eine Brotbackschule auf.« »Wieso, ist sie Bäckerin?« »Nein! Sie macht doch in der Jazzgass die ›Dominique‹. Sie hat aber im Vogelsberg ein Haus gekauft und wird den Frankfurtern das Brotbacken beibringen.« Wo wir doch alle wissen, daß Dominique noch nicht mal eine Ente braten kann, obwohl sie schon dreihundert gebraten hat in ihrem Leben. Sie kauft immer zwei Enten, schiebt sie rein, und jeder sitzt später da und lutscht wie in diesem Märchen an den Knochen, denkt sich: na ja, lustige Unterhaltungen, es ist eben schön, nur die Ente ist trocken und kalt. … weiter lesen