29.01.2010 von Detlef Berentzen

Dass er bleibt, auch mit 65 Jahren und nach wie vor eigensinnig – das ist eine verdammt gute Nachricht. “Nein, Sie werden mich nicht los!”, rief er munter in die Runde, die ihm neulich im Kinosaal des Berliner Gropiusbaus Festschrift, Laudatio und jede Menge gute Wünsche überreichte. Der Historiker Wolfgang Wippermann bleibt also der quicklebendige “Kauz”, der “einsame Wolf”, als den ihn der Freund und Kollege Roger Griffin (Oxford Brooks University) in seiner ungewöhnlich fröhlichen Festrede umarmte: “WolfGang”, den Streitbaren, dem sie einst die ordentliche Professur verweigerten und der trotzdem einfach weitermachte, …dann eben als als Außerdordentlicher, als “Außerplanmäßiger”(!) am Friedrich-Meinecke-Institut der FU. Nie hat er aufgehört, sich schreibend mit seiner Zunft zu streiten – ob in Sachen Goldhagen, Faschismustheorien oder DDR-Vergangenheit. Kurzum: er bleibt auch mit 65 Jahren ein Unbequemer, einer der querdenkt. Und gern auch ungewöhnliche Wege geht.
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26.01.2010 von Detlef Berentzen

“Und nun fragen Sie sich natürlich, was sind das für Beweggründe, die einen jungen Mann, der das erforderliche Wahlalter gerade mal so erreicht hat, dazu bewegen, sich bei der Oberbürgermeisterwahl der Stadt Biberach zu stellen….” Eigentlich frage ich mich das nicht. Es war immerhin bitter nötig, daß jemand im Fürstentum Oberschwaben gegen den bislang amtierenden Maitre Fettback antritt. Beinahe hätte man ihn locker durchgewunken. Ohne, daß die fürstlich-schwarze Presse ( mit Namen “Schwäbische Zeitung”) sich gerührt hätte. Ohne, daß die etablierten Parteien nur einen Gegenkandidaten aufgestellt hätten. Aber jetzt: Gleich zwei Kandidaten treten an, durchaus parteilos. Mitte 20 der eine, Mitte 40 der andere, beide Beleg dafür, daß auch in Biberach Demokratie möglich ist. Manchmal.
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21.01.2010 von Detlef Berentzen

Dunkle, schwarzgelbe Tage, an denen niemand ein Licht anzündet. Überall nur Jammer, Narkose und Januar. Ich habe mir eine Rose gekauft. Als Stütze.
18.01.2010 von Detlef Berentzen

Mag sie auch oft genug in prekärer Düsternis liegen, irgendwo in Neukölln gibt es sie dennoch: Zukunft. Dazu noch ein paar Lichter. Und alles ganz einfach, nur Handarbeit: Akustik-Pop nennt man das heute. Mich erinnern die sounds, die Sebastian Zukunft und seine Combo, eben “Zukunft und die Lichter”, zu Gehör bringen, durchaus an “Teller Bunter Knete”, jene munteren Barden, die in den 70er-Jahren ganz ohne Verstärker von Straßenfest zu Hinterhofparty zogen und “natural german kiezpop” verbreiteten. Ein bisschen verträumt, voller Sehnsucht, immer wieder “Stadtmensch” und genau wie Sebastian samt seinen Lichtern auf der Suche – Bongo, Mundharmonika, Gitarre, Schlagwerk und dies oder auch das. Keine extrem musikalischen Highlights, aber so radikal einfach und herzhaft poetisch genug, daß es schon wieder verdammten Spaß macht. Demnächst haben sie sogar einen “Mann im Mond” dabei.
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12.01.2010 von Detlef Berentzen

Hört man den Begriff “Tribunal”, scheinen historisch zunächst die Kriegsverbrecherprozesse von “Nürnberg” auf, später aber auch London, Stockholm, Kopenhagen mit Jean-Paul Sartre, Günther Anders, James Baldwin, Peter Weiss, Isaac Deutscher und deren Teilnahme am “Russell-Tribunal” (1966/67), das die Kriegverbrechen der USA im Vietnamkrieg untersuchte – freilich parteilich, mit Repräsentanten aus 18 Ländern, allesamt kritische Intelektuelle, Oppositionelle, Engagierte, die der bis dato verbreiteten Wahrheit der Herrschaften, eine andere, die eigene, entgegensetzen wollten. Ein durchaus legitimes Anliegen also. Allemal einen Versuch Wert. Und immer wieder einen Versuch wert. Auch heute. Also wollen die Damen und Herren von “Attac” ein eigenes Tribunal zu Ursachen und Folgen der “Bankenkrise” organisieren, das der vielzitierten Wahrheitsfindung dient. Wobei zu bedenken ist, daß es immer mehr als eine Wahrheit gibt.
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06.01.2010 von Detlef Berentzen

Es waren einmal vier Mädchen. Hinter dem Eisernen Vorhang. Drüben in der Sowjetunion. In Moskau. Lena, Oxana, Valentina und Alla. Die waren schwer verliebt. In Afrikaner. Studenten. Praktizierte Völkerfreundschaft also. Aber von wegen! Eines Tages finden sich die vier Sowjetmädchen in Afrika wieder. Fern der kommunistischen Heimat: “Der lange Weg der Sowjetmädchen von Moskau nach Bamako”.
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04.01.2010 von Detlef Berentzen

“Ich bin immer noch im roten Bereich!” Karl ist ein wenig irritiert, pegelt sich allmählich ein, dann beginnt er in der Sendung “Vanille Club” seinen Bocksgesang zur “anschwellenden Krise” – ganz und gar live, komplett improvisiert und vollkommen allein im Studio. Karl heisst Schumacher, hat Gitarre, BluesHarp und Tamburin mitgebracht und singt davon, daß der “Kapitalismus am Ende” ist, vom “Leute verarschen bei Opel” und überhaupt. Man kann ihn anrufen, ein paar Takte mit Karl quatschen, dann ein Thema vorgeben, …wie Margrit, die nur eines will: “Spiel doch mal ein Lied für die arme Amy!” Karl schnappt sich also wieder seine Klampfe: “Ein Blues für die Winehouse…”. Klar doch. Alles ist möglich. Ganze Bands, auch DJs, Theaterleute, Filmschaffende, Kinderfunker können hierher kommen, moderieren, musizieren und inszenieren:
“radio X” macht’s möglich.
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