
Der Buchumschlag ist vielfach zerrissen, die Seiten des Buchs voller Notizen, Merkzettel hie und da: Bücher wie dies wollen gebraucht sein, sind Freunde, begleiten mich über Jahrzehnte und wenn sie besonders sind, können sie mich immer wieder und heute noch Staunen machen. Nehmen wir also den Sammelband “Illuminationen” mit Prosastücken von Walter Benjamin. Darunter auch “Haschisch in Marseille”: “Versailles ist dem, der Haschisch gegessen hat, nicht zu groß, und die Ewigkeit dauert ihm nicht zu lange.” Dieser Satz und andere sind mir geblieben, haben immer wieder auf sich aufmerksam gemacht, seit ich damals das Buch kaufte, 1969. Nicht nur “Deutsche, trinkt Deutsches Bier” in Benjamins “Einbahnstraße”, sondern eben auch Haschisch mit seinem “kanonischen Zauber”: “Der Rausch setzt sich in der Nacht mit schönen prismatischen Rändern gegen den Alltag ab”.
Archive for Januar, 2012
Die Qualität eines Radioprogramms wird sich in Zukunft, zumindest für ein bestimmtes Segment von Angeboten, zunehmend über die Merkmale Nischeninteressen, soziale Bindung und Selbstwirksamkeitserfahrung definieren. (Golo Föllmer)
Es hat einmal mehr Spuren hinterlassen, dieses Magazin mit Namen “Mehrspur” (SWR2). Und mal wieder Radio reflektiert. “Mehrspur” ist zwar livehaftig bereits am letzten Sonntag gelaufen, aber das hat ja im Zeitalter von Podcast und Nachhörkultur (just click the link) gar nichts mehr zu sagen. “Alles ist in Bewegung!”, verkündete Redakteur Wolfram Wessels (im Beisein seiner Kollegin Anja Brockert) im sonntäglichen Äther: “Altes bricht zusammen, vor allem aber bricht Neues auf”, was wiederum nichts Neues ist: It’s the end of the world as we know it! Und das schon lange.
Nehmen wir also Golo Föllmer. Der firmiert im Netz und an der Uni Halle als “Onlineradiomaster” und hat für Mehrspur darüber nachgedacht, welche wesentliche Frage die Altvorderen im Radio wohl als nächste zu beantworten haben: “Wie können Radio-Professionals konstruktiv damit umgehen, dass sie in Zukunft nicht mehr allein entscheiden, was die Qualität des Radios ausmacht, sondern zusammen mit ihren Hörern?”…mit denen sie soziale Netzwerke bilden und nächtens in deren Nischen kuscheln. Warum nicht? … weiter lesen
ich kann dem tod gelassen ins auge sehn
ich werd jedenfalls älter als kurt cobain… (gw)
“Ich hoffe, Du kennst Götz Widmann!? Für mich der beste Liedermacher!” Was mir Rastalocke Klaus Burger da aus Baden-Baden mailt, klingt fast wie eine Drohung. Nee, Klaus, den Mann kenne ich aktuell nicht näher, eher Peter Licht und der ist kein Liedermacher. Egal, ich vertraue dem Urteil von Bruder Klaus, allein schon weil mir dessen eigensinnige Musik (Tuba &Co) beim Schreiben immer wieder den Rücken runterläuft – und Eigensinn ist eine verdammt wichtige Tugend. Burgers Soundz (www.klaus-burger.com) empfehle ich also allemal. Habe ich an dieser Stelle auch schon des Öfteren getan.
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“Nach mehr als zehn Jahren Lyrikmail habe ich mich nun entschieden, Lyrikmail nicht mehr fortzuführen. Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber ich schaffe es leider einfach zeitlich nicht mehr, mich um die die tägliche Dosis Poesie zu kümmern.” (Gregor Koall)
Da waren doch eben noch Ringelnatz, Trakl, Rilke, auch Tucholsky und viele andere, handverlesen, jeden Morgen warteten sie auf meinem Schirm und ich las sie bei dampfenden Kaffee und ließ mich noch vor dem ersten eigenen Satz anrühren. Meistens jedenfalls. Und nun kann Meister Koall nicht mehr (.s.o.). Was ich verstehe: du beschenkst, beschickst sie alle mit Worten und Jamben, sie nicken freundlich und alles umsonst. Hat nämlich nichts gekostet, diese Lyrikmail.
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