“Innenansichten einer getriebenen Gesellschaft” wurden neulich im Rahmen der Römerberggespräche in Frankfurt (Main) präsentiert: Stress all over! Es wird eng, die Farben, das Lachen gehen verloren, Depression gerät zur “Volkskrankheit”, …die indes mehr Ausdruck nötig hat als nur wohlfeile Schlagzeilen und die nächste Titelgeschichte. Die ständige Überforderung, die existentielle Angst brauchen einen Soundtrack, irgendetwas, das schreit, wenn es eng wird, das widersteht, sich nicht klein machen lässt. Das kalte Primat der Ökonomie braucht die Gegenrede. So wie in Biberach an der Riß. Ausgerechnet. … weiter lesen
Archive for Oktober, 2012
“Wenn jedes Volkes eigenthümliche Sprache der Stamm ist, an dem alle seine innersten Kennzeichen sich darthun und entfalten, so geht ihm erst in der Dichtung die Blüte seines Wachsthums und Gedeihens auf. Poesie ist das, wodurch uns unsere Sprache nicht nur lieb und theuer, sondern woran sie uns auch fein und zart wird., ein sich auf sie nieder setzender geistiger Duft.” (Jacob Grimm, Rede auf Schiller)
Der “Verein für Deutsche Sprache” verleiht, so lese ich gerade, auch den Preis “Sprachpantscher des Jahres” für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache”, an Fritz Pleitgen etwa, an Hartmut Mehdorn oder Klaus Wowereit. Warum auch nicht? Der Verein steht eben ein für “Sprachloyalität” und steht auf gegen den Trend zum babylonischen “Denglisch”. Hört sich vielleicht witzig an, ist es aber nicht. Yo, Man!, wer Radio hört, braucht mitunter nur ein paar Minuten, um zu merken, daß der Trend tatsächlich zum “Pantschen” geht. Soll er doch. Meinetwegen. Solange es Zeilen wie diese gibt, ist noch nichts verloren: … weiter lesen
“…In Gorleben wird darüber entschieden, ob die Bundesrepublik in einen Atomstaat umgewandelt werden soll, in dem zusammen mit den letzten Rückzugsgebieten der Natur auch der letzte noch verbliebene Rest von Lebensqualität beseitigt werden soll. Die Atommächtigen haben Gorleben zum Schauplatz ausersehen für die größte Kraftprobe zwischen Gegnern der Kernenergie und der geballten Macht von Staat und Industrie, welche die Bundesrepublik, nach Wyhl, Brokdorf und Grohnde, bisher erlebt hat.
Als das Kind Kind war und noch kein Handke in Sicht, hat es im Herbst Kastanien gesammelt. Immer im Herbst. Braune glänzende Früchte. Sammelte auf dem Bürgersteig, auf der Straße, in den Vorgärten der Häuser, in denen die reichen Leute wohnten. Die schimpften „Rotzgören“ und drohten mächtig, wenn das Kind, gemeinsam mit anderen Kindern, ihren Garten stürmte und blitzschnell nach den herumliegenden Kastanien griff. Doch niemand erwischte sie. Und irgendwann war ein richtiger Sack voll. … weiter lesen
Es war Walter Benjamin, dem es in seiner „Einbahnstraße“ nicht anders ging als mir an einem dieser sonnendurchtränkten Herbstmorgen: „Als ein geschätzter, kultivierter und eleganter Freund mir sein neues Buch übersandte, überraschte ich mich dabei, wie ich, im Begriff es zu öffnen, meine Krawatte zurecht rückte.“ Genau so war es, als Uwe Zellmer mir seinen neuen Roman „ Himmelsberg, Engelswies“ schickte. Nur daß ich keine Krawatte trage. Trotzdem rückte ich mich zurecht, erinnerte mich, wie wir in den letzten Monaten oft genug über sein Manuskript sprachen, oben in Melchingen auf der schwäbischen Alb. Unweit des leuchtenden Kornbühl. … weiter lesen



