Nichts ist tückischer als die Topographie der weiblichen Strassennamen in Wien. Es gibt Dinge, die es gar nicht gibt, und andere, die es eigentlich geben sollte.
Im 17. Bezirk, Hernals, zum Beispiel gibt es eine Frauengasse. Kein Mensch und kein Lexikon kann mehr Ursache und Datum dieser Bezeichnung nennen. Man wird mit einiger Berechtigung behaupten dürfen, dass in der Frauengasse einmal Frauen gewohnt haben, wie in anderen Strassen Wiens auch. Doch der Wiener Stadtplan ist nun mal männlich, und die Frau dem Mann bekanntlich ein ewiges Rätsel …
Wahrscheinlich ist die Amnesie hinsichtlich der Frauengasse ein allgemeines Schicksal einer jeden Kulturstadt: vor lauter Kulturzeugnissen verlieren die Bewohner zwischen den Hausfassaden den Überblick. Im Fall der grossen österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann freilich, da ist es Ignoranz, im Fall unserer hervorragenden Frauenrechtlerin Rosa Mayreder ebenfalls. Diese Damen wird der Wien-Liebhaber im repräsentativen Zentrum der Stadt vergeblich suchen! Die honorige Strassenbenennungskommission… weiter lesen
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13.11.2006 von Wolfgang Koch