27.08.2007 von Wolfgang Koch
Wir betreten die zweite historischen Periode der Stadt. Zur Erinnerung: Ich versuche hier die metropolitane Vergangenheit Wiens neu zu periodisieren und teile das politische Gestern in vier markante Epochen ein:
a/ das Schwarze Wien der Habsburger
b/ das Weisse Wien der klassischen Moderne, mit einer liberalen und einer christlichsozialen Phase
c/ der Aufbruch des Roten Wien bis zur doppelten Niederlage in der Austrodiktatur und gegen den braunen Faschismus
d/ und schliesslich der Weg des Grünen Wien von seinen Wurzeln im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Diese Woche sind wir im Weissen Wien angelangt. Warum weiss? Etwa, weil das Licht der Aufklärung dem Schwarzen Wien heimzuleuchten beginnt?
Das auch; vor allem aber weil Gustav Klimt im Symbolgebäude der Secession ein Fries anfertigt, in dessen Zentrum der Weisse Ritter steht. Diese Gestalt ist die überragende Ikone der Wiener Moderne, ihre Botschaft in der Kunst-Katakombe besagt folgendes: »Das Wahre, Gute und… weiter lesen
23.08.2007 von Wolfgang Koch
Der Wiener Neomythologe Christian ZILLNER ist ein Endvierziger mit langem Haar. Er zeichnet mit Buchstaben, malt mit Strichen und formuliert in pastosem Farbenauftrag. Dabei schliesst sein Werk weder an die berühmte Kosmische Runde im München der Zwanzigerjahre an, noch an diverse esoterische Modelehren. Zillner bebrütet sein dotterloses Hahnenei durch die umgebende Wärme in eigenen Mist.
Christian Zillner ist ein ausgebildeter Philosoph, aber er werkt, weil man davon schlecht leben kann, als Blattmacher im Corporate Pubishing-Bereich eines Wiener Verlagshauses. Quasi als Ausgleich zur nervenaufreibenden Berufstätigkeit formt und formuliert das Doppeltalent in seiner Freizeit an gross angelegten Werkserien, von denen besonders das Schreibprojekt Spiegelfeld für lokale Verhältnisse ungewöhnliche Dimensionen anstrebt.
Denn Wien, müssen Sie wissen, ist berühmt für seine Meister der kleinen Form: für das Feuilleton, den Aphorismus, das Kabarett, das Sichverlieren im Fragmentarischen. In jedem Kaffeehaus produziert mindestens einer an einer losen Blattsammlung; beim Friseur Er-Ich in der Griechengasse trifft man… weiter lesen
20.08.2007 von Wolfgang Koch
Die Phase des »Neoabsolutismus« – auf diesen Begriff haben sich die Historiker für die bürokratische Ära vor dem nächsten und entgültigen Aufschwung des Liberalismus im 19. Jahrhundert geeinigt. Es ist die grosse Epoche der aufstrebenden Presse, der kämpferischen Glossisten und der bissigen Satiriker. Das Wiener Gemeindeleben wird zum Übungsplatz einer energischen Schreibweise, weil sich das Bürgertum an die grossen Probleme der österreichischen Innenpolitik direkt noch nicht herantraut.
In der Epoche des Neoliberalismus kursieren eine Unmenge Gerüchte. Der Adel will angeblich im Staatsgefüge der Monarchie die Selbstverwaltung wiedererlangen, und das stimmt auch. Man schmiedet Pläne, feilt an Konzepten.
Dem Deutschen Rudolf GNEIST und dem Schriftsteller und Diplomaten Leopold ANDRIAN schwebt ein Self-Gouvernement nach englischem Muster vor. Gneist, politischer Jurist in der Bismarck-Zeit und Lehrer von Max WEBER favorisiert die Stadtverwaltung der City of London, weiters einen nachvollziehbaren Rechtsstaat und Verwaltungsgerichte. Gneist versteht Recht dabei als objektive Ordnung und das Beschwerderechte… weiter lesen
16.08.2007 von Wolfgang Koch
Wieso hält sich das Schwarze Wien so lange an der Macht? Kennen die Habsburger ein Herrschaftsrezept, lesen die Kaiser und ihre Minister in einem geheimen Brevier, das ihren Gegnern verborgen bleibt?
Tatsächlich unterscheidet sich das habsburgische Diktat ja wesentlich von dem der Babenberger und anderer Familien, die ihren Fuss nach Wien gesetzt haben. Das Neue ist: Jeder Untertan der Donaumonarchie kann mit mehreren Instanzen der Obrigkeit in Konflikt geraten. Entsprechend sympathisiert er immer mit einer Seite der herrschenden Macht gegen eine andere.
Beispiel Wien: Die Städter zersprageln sich zwischen Landesfürsten und Kaisertum, lehnten sich mal auf die eine Seite, mal auf die andere, um mehr Freiheiten herauszuschinden. Am Ende aber tun sich die erlauchten Majestäten und Herzöge wieder brav zusammen, und alles bleibt beim Alten.
Divide et impera! – So lautet die wichtigste Regierungsformel bei Hof; und sie ist auch das einzige Römische am »Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation«,… weiter lesen
13.08.2007 von Wolfgang Koch
Die Sperrfrist des Verlages ist dazu da, ignoriert werden. So jedenfalls denken die Redaktion der österreichische Tageszeitung Der Standard und Die Presse. Das rosa Blatt lobte Robert Menasses neues Buch bereits vor zehn Tage als »grossartigen Bildungsroman einer Generation«. Ein Hundfott, der hier den Versuch unterstellt, die Meinungen seriös arbeitender Kollegen positiv stimmen zu wollen.
Nun: die erotischen Abenteuer von Menasses Don Juan sind sehr gelungene Unterhaltung. Der 53jährige österreichische Romancier legt eine Prosa vor, die lächelt. Menasse fährt darin mit dem Mythen von der befreiten Sexualität der Siebzigerjahre Schlitten. Sein Held Nathan hat in der Jugend nicht nur zuviel Karl Marx, sondern auch zuviel Wilhelm Reich gelesen.
Nathan ist mittlerweile solide verheiratet, wie auch seine Geliebte Christa. Er leitet das Ressort »Leben« in einer Tageszeitung, Beruf und Sprache für diese Arbeit hat er von seinem Vater, einem Klatschreporter, übernommen. Nathans Vater hat dem Knaben sechs gute Ratschläge mit auf… weiter lesen
09.08.2007 von Wolfgang Koch
Off-Festivals sind in Wien so selten wie bengalische Tiger. Denn fehlt hier Kultur oder Wissenschaft das offizielle Mascherl, fallen ihre Produkte sofort unter den Generalverdacht unbrauchbar zu sein.
»Soho in Ottakring« [www.sohoinottakring.at] ist eine Ausnahme von dieser Regel, und der Wienblog hat rechtzeitig auf die besten Veranstaltungen rund um den Brunnenmarkt aufmerksam gemacht. Das »Festival der Verweigerung«, eine gewitzte Idee des Wiener Schriftstellers Peter A. Krobath und seines ominösen Kusserutzky-Klans, präsentierte bei Soho 07 die Vortragsreihe »Wellness für Loser«.
Die beiden denkwürdigsten Beiträge aus dieser Reihe will ich dem Publikum der taz nicht vorenthalten. Diesmal die Geschichte des Vibrators von Dr. Birgit Beermann, Journalistin bei den Medizin Medien Austria (CliniCum, Geriatrie Praxis, krebs:hilfe!). Vielen Dank der Autorin!
© Wolfgang Koch 2007
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Good Vibrations: Wellness durch Orgasmen
Jahrhundertelang waren Frauen von einer chronischen Krankheit geplagt, für die es keine Heilung gab – nur kurzfristige Linderung durch gezielte… weiter lesen
06.08.2007 von Wolfgang Koch
Off-Festivals sind in Wien so selten wie bengalische Tiger. Denn fehlt hier Kultur oder Wissenschaft das offizielle Mascherl, fallen ihre Produkte sofort unter den Generalverdacht unbrauchbar zu sein.
»Soho in Ottakring« [www.sohoinottakring.at] ist eine Ausnahme von dieser Regel, und der Wienblog hat rechtzeitig auf die besten Veranstaltungen rund um den Brunnenmarkt aufmerksam gemacht. Das »Festival der Verweigerung«, eine gewitzte Idee des Wiener Schriftstellers Peter A. Krobath und seines ominösen Kusserutzky-Klans, präsentierte bei Soho 07 die Vortragsreihe »Wellness für Loser«.
Die beiden denkwürdigsten Beiträge aus dieser Reihe will ich dem Publikum der taz nicht vorenthalten. Zunächst »Paradise – Now!« von Mag. Dr. Elisabeth Mixa. Sie ist Soziologin, lehrt und forscht zu den Schwerpunkten Medizin- und Gesundheitssoziologie, Körper, Geschlecht und Gesellschaft.
© Wolfgang Koch 2007
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Paradise – Now!
Von Wellness-Wellen und Wasser-Nixen. Ein Anti-Ratgeber für Wellnes-User und -Loser in zehn Thesen und Geboten.
Von DR. ELISABETH MIXA
Achtung!… weiter lesen
02.08.2007 von Wolfgang Koch
Das Forum Experimentelle Architektur (fea) ist ein kleiner, aber lauter Verein mit Sitz im Wiener Museumsquartier. Dieses Forum versammelt Architekturbegeisterten und urbane Intelligenzler beiderlei Geschlechts rund um den Wiener Baukritiker Jan Tabor (ehemals Tageszeitung ›Kurier‹, heute Stadtzeitung ›Falter‹).
Zu den Höhepunkten der fea-Aktivitäten 2007 zählt ein Sommersymposion in Drosendorf an der Thaya, heuer dem gschmackigen Thema »Fluss« gewidmet. Zu dieser Veranstaltung reisen zahlreiche Vertreter der österreichischen Architekturszene aus Wien an.
Im folgenden Tabors reichlich kuriose Einladung im Orginal. Wer über die helle Aufgeregtheit und eine gewisse Aufgeblasenheit der Veranstalter hinwegsehen kann, wird seine Freude im Strandbad hart an der tschechischen Grenze haben.
© Wolfgang Koch 2007
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HOCH DIE SYMPOSIONISTISCHE INTERNATIONALE!
HOCH DER HOCHSOMMER!
auf leute! auf!
auf zum fluss!
wasser und wissen fliessen zusammen
sommerfrische und symposion*) vereint
eine woche (6.-12.8.) und
zwei naechte (10. und 11.8.) lang
auf zum FLUSSFEST!
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