Aufbruchstimmung im Fin de Siècle. Neben den schönen Künsten spielte die Lebensreform eine nicht unwesentliche Rolle. In Künstlerkolonien wurde die antiakademische Freilichtmalerei propagiert, zudem eine generelle geistige Liberalität. Als Mittel physischer Erholung und hygienischer Prophylaxe galt das Baden.
Baden wurde in Wien zentrale Bestandteil eines neuen Körperkultes, der selbst Teile der Oberschicht erfasste. Das Phänomen war keineswegs auf diese Stadt beschränkt, aber es fand hier einen fruchtbaren Boden. Romantische Naturvorstellungen verbanden sich mit Sozialutopien, Vegetarismus mit einem gesteigerten Körperbewusstsein, usw. usf.
Eines der vielen Experimente in der Freizeitkultur fand am Ufer der Donau ihr Feld. Der Fluss lässt sich ja als fliehender Teil der Landschaft lesen, da er – wie die Zeit – gleichzeitig stillsteht und vergeht. Auf diesem doppelten Boden bewegte sich die Aufbruchsstimmung der ganzen Epoche mit Leichtigkeit dahin.
1903 wurde das Strombad Kritzendorf eröffnet. Durch die Franz-Josephs-Bahn direkt an die Stadt angeschlossen, begab sich das bessere Wien… weiter lesen