29.03.2009 von Wolfgang Koch
Um die historische Bedeutung dieses Buches zu verstehen, muss man die Verlogenheit des Wiener Kulturlebens kennen. Das Wiener Kulturleben, müssen Sie wissen, tanzt rechtsliberal und linksbürgerlich, immer am richtigen Fleck. Da, wo der rechte Fleck ist, kann nichts Unreines existieren. Seit den Tagen von Altenberg und Kraus hält sich die hiesige Kulturboheme für sensibel und gedankenvoll, sie lässt sich in den eigenen Augen nie nichts zu Schulden kommen.
Oder etwa doch? Betreiben wir ein wenig Zeitgeschichte. Ich nennen drei Namen: Udo Proksch, Otto Mühl, Jack Unterweger. Udo Proksch war ein von der sozialdemokratischen Schickeria protegierter Betrüger und Mörder; Otto Mühl war ein von der Wiener Intelligentia hochgejubelter Tabubrecher, der in seinem zwanzigjährigen Kommuneexperiment zahlreiche Menschen psychisch zerstört hat und am Ende wegen Vergewaltigung, Beischlaf und Unzucht mit Unmündigen, wegen sittlicher Gefährdung von Personen unter 16 Jahren, Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses sowie Delikten nach dem Suchtgiftgesetz für milde sieben Jahre im Gefängnis… weiter lesen
25.03.2009 von Wolfgang Koch
Ein breites politisches Bündnis beteiligt sich in Österreich am internationalen Aktionstag »Wir zahlen nicht für Eure Krise!« Höhepunkt ist eine Demonstration am Samstag, den 28. März 2009. Sie beginnt um 13.00 Uhr am Wiener Westbahnhof und endet mit einer Kundgebung um 16.00 Uhr vor dem Parlament. Aus dem gemeinsamen Aufruf der Initiatoren:
»Wir zahlen nicht für eure Krise! Für eine demokratische und solidarische Gesellschaft.« Unter diesem Motto werden am 28. März Menschen auf der ganzen Welt auf die Straße gehen. Ein breites österreichisches Bündnis von kirchlichen, gewerkschaftlichen, globalisierungskritischen, umwelt- und entwicklungspolitischen, antikapitalistischen Gruppen und Kulturinitiativen ruft zu einer Demonstration in Wien auf. Wenige Tage vor der Weltfinanzkonferenz der G20 in London setzt die globale Zivilgesellschaft ein Signal für eine alternative Form des Wirtschaftens. Diese muss auf den Säulen demokratische Mitbestimmung, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und globale Solidarität aufbauen.
Die schwerste Krise des Kapitalismus seit 1929 betrifft uns alle: massiver… weiter lesen
21.03.2009 von Wolfgang Koch
Nach dem Lexikon der Unberufe (Bettenschänder, Holzbischof,…) von Herbst Rosendorfer und einem neuen niederösterreichischen Mundartlexikon nun also: das Lexikon der Sabotage. Was hat man sich darunter vorzustellen? Ein Manual des Schweizerischen Milizverbandes? Die Lebenerinnerungen eines Security-Unternehmers? Ganz im Gegenteil.
Das Wiener Autorenduo – ein freier Autor und Künstler, ein Antiquar, Kunsthändler und Radguide – hat sich in seiner lange zurückliegenden Jugend gemeinsam vor Schulabschlüssen gedrückt. In den darauffolgenden Jahrzehnten hatten die beiden dann reichlich Gelegenheit, Erfahrungen mit prekären Arbeitsverhältnissen zu machen. Das brachte sie irgendwann auf die Idee, Anekdoten von schlechtbezahlten KollegInnen zu sammeln und auf diese Weise den Widerstand gegen Ausbeutung und Langeweile in der Erwerbswelt zu dokumentieren.
Herausgekommen ist dabei eine schwer überschaubare Sammlung von Racheakten und Schabernack am Arbeitsplatz, mit wohl kaum alltäglichen Fällen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Personen, Firmen und Orte sind streng anonymisiert. Da gibt es die Taxilenkerin, die ihre Kollegen betrügt,… weiter lesen
15.03.2009 von Wolfgang Koch
»Anschlussfähigkeit« ist in Österreich keine wirklich geschätzte Tugend. Viele erinnern sich an die gewaltsame Einverleibung des Landes in das Deutsche Reich 1938. Damals bejubelten die Hitlerfans die Gewaltpolitik als den ersehnten »Anschluss« an eine Grossmacht, feierten unter dem Titel den neuen Unterdrücker als Befreier von der Schmach anno 1918.
Wenn wir ein anschlussfähiges Wochenend-Feuilleton fordern, das es mit der Qualität deutschsprachiger Grossmedien aufnehmen kann, so ist damit gemeint: dass die Kulturteile der Wiener Qualitätsblätter ihr Niveau dem von Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neuer Zürcher Zeitung und Süddeutsche Zeitung annähern mögen, dass die Kulturredaktionen Debatten der internationalen Blätter aufnehmen und endlich die Buntheit der Zeitungswelt spiegeln sollen.
Nun hat der eine Anschluss allerdings etwas mit dem anderen Anschluss zu tun. Das Isolation des Wiener Geistesleben nach 1945 geht ursächlich auf das Unglück der Diktaturen der Zwischenkriegszeit zurück. Die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung der Zweiten Republik konnte nach dem Exodus der Intelligenz nie… weiter lesen
07.03.2009 von Wolfgang Koch
Die Schlussrunde in der Wiener Feuilleton-Konkurrenz verläuft enttäuschend. In der zehnten Woche bleibt unserer Blattkritik nur die Wahl zwischen grösseren und kleineren Übeln. Die Spectrum-Redaktion wirkt erschöpft und müde, das Album-Team faul, und so trägt eben die Wiener Zeitung als der lachende Dritte den Wochensieg davon.
Das ändert freilich nichts mehr am Gesamtpunktesieg des Spectrums, der sich schon seit einigen Wochen abgezeichnet. Also: Katzengold in die Hainburgerstrasse, je einmal Blech in die Herrengasse und auf den Wiedner Gürtel. Wir gratulieren!
1. Platz: EXTRA der »Wiener Zeitung«, Redaktion: Hermann Schlösser
In der zehnten Ausgabe 2009 finden sich sechs lesenswerte Beiträge: eine Reportage, ein Portrait, drei Rezensionen und die bewährte Fotokolumne – das ist mehr als die Kombattanten zu bieten haben.
Johannes GELICH bereist evangelische Gemeinden im siebenbürgischen Hinterland, in einer Ecke Europas, wo die Schweine noch gesund aussehen, wo herrenlose Pferde herumlaufen und Gasflaschen im Kinderwagen heimgekarrt werden. Wissen Sie,… weiter lesen
05.03.2009 von Wolfgang Koch
1. Platz: SPECTRUM der Tageszeitung »Die Presse«, Redaktion: Karl Woisetschläger
Das Spectrum überrascht gelegentlich durch massive Überlängen von Artikeln – und diesmal sind die vier Seiten für eine Reise, die Gerhard ROTH in das Wiener Uhrenmuseum unternimmt, mehr als berechtigt. Eine feinziselierte Reportage wird da geboten, mit allem, was der Kustos und Wikipedia zum Thema Uhren so hergeben: HAYDN, PROUST, die 270 Tick-tacks der EBNER-ESCHENBACH, usw. usf. – Das einzige, was sich gegen diesen eleganten Text einwänden liesse, ist seine relative Unorginalität. In der Vorwoche brachte die F.A.Z. die überaus spannende Geschichte der einzigen Atomzeituhr der DDR, welche sich heute im Wien-nahen Bratislava befindet. Dem Wiener Feuilleton liegt halt immer der Blick auf sich selber am nächsten … und das in unzähligen Sonntagsreden beschworene Interesse am östlichen Nachbarn ist bloss eine Staffage für Bankengeschäfte und Mädchenhandel.
Ein Beispiel für die lokaltypische Ostalgie folgt auf dem Fuss. Georg Christoph HEILINGSETZER liefert… weiter lesen