Archive for Mai, 2009

30.05.2009 von Wolfgang Koch
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ZEHN NEUE BÜCHER AUS ÖSTERREICH (10)

von Wolfgang Koch

Peter Gorsen ist für den Wiener Aktionismus, was der Kunstschriftsteller Ludwig Hevesi im Wien um 1900 für die Secessionisten war: ein Stier, der ein richtiger Stier sein wollte – Vordenker, Gesprächspartner und Kommunikator der aufsässigen Künstler, ohne den die avantgardistische Bewegung mit Sicherheit anders verlaufen wäre, als sie letztlich verlief.

Der Kunst- und Mentalitätshistoriker Gorsen hat Wien zu seinem Lebensmittelpunkt gemacht. Er ist – neben Burghart Schmidt – der zweite kreative Kopf aus dem Zirkel der berühmten Frankfurter Schule, der in den Siebzigerjahren seinen Weg in die Donaumetropole gefunden hat. Ab 1977 lehrte er als Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität für angewandte Kunst und prägte dabei das Profil einer ganzen Künstlergeneration mit. Dass die Begriffe Surrealismus, Sexualästhetik und Happening in unserer Stadt einen besonderen Klang haben, ist wesentlich Gorsen zu verdanken.

»der grössten sau, der ich je beegnete, nämlich peter gorsen herzlich zugeeignet« – Mit dieser grotesken Bildwidmung bedankte… weiter lesen

16.05.2009 von Wolfgang Koch
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ZEHN NEUE BÜCHER AUS ÖSTERREICH (9)

von Wolfgang Koch

Schon der erste Satz klingt gestelzt: »Dieses Buch versteht sich nicht als Künstler-Biographie.« Kann denn ein Buch ein Bewustssein von sich selbst besitzen, oder wollen uns die Autoren nur hochtrabend sagen, dass sie, die Autoren, dieses Buch nicht als Künstler-Biographie verstehen?

Gut, man erfährt viel über einen Heroen der zweiten Wiener Schule der Musik auf den folgenden 450 Seiten: Alban Maria Johannes Berg [1885-1935]. Man erfährt, dass Bergs Vater Freimaurer nach dem schottischen Ritus war; dass Berg zeitlebens von Astrologie, Theosophie und Zahlenmystik besessen war, dass er Sportnachrichten verschlang, leidenschaftlich gerne in Kino ging und seine Freunde graphologisch begutachtete.

Alban Berg wuchs – nach dem Tod des Vaters – unter Vormundschaft seines älteren Bruders auf. Radparteien mit den Wandervögeln interessierten den Heranwachsenden mehr als die Schule. Er repetierte mehrmals und schwängerte im Alter von 16 Jahren das Küchenmädchen der Familie. Für die fortan verheimlichte Tochter aus dem Bedienstetenvolk rührte das… weiter lesen

09.05.2009 von Wolfgang Koch
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ZEHN NEUE BÜCHER AUS ÖSTERREICH (8)

von Wolfgang Koch

Keine Frage, dieses Buch schliesst eine klaffende Lücke im Wiener Stadtgedächtnis und macht auch für den Protestantismus einiges her. Das ist in einer Situation, in der sich gerade noch 4,7 Prozent der Stadtbewohner als Evangelische outen – man ist weit hinter Bekenntnislose, Moslems und orthodoxe Christen zurückgefallen – keine Kleinigkeit nicht.

Die lutheranische PR-Lady Monika Salzer und der reformierte Theologe Peter Karner haben einen dicken, gut bebilderten Band über prominente Evangelische und ihre Bedeutung für Wien auf die Füsse gestellt. Dass in dem Buch mit den »Evangelischen« immer die Mitglieder zweier Kirchen gemeint sind, ist nur konsequent. Denn – europaweit einmalig – haben sich die Evangelischen Kirchen A.B. und H.B. in Österreich schon 1861 zur Erledigung gemeinsamer Angelegenheiten zusammengeschlossen, ohne ihre Bekenntnisverschiedenheit aufzugeben.

Das angezeigte Buch listet biographische Daten und allerlei Wissenswertes vom Weltstar Oskar Werner über die Medizinerkoryphe Theodor von Billroth und den Freud-Lehrer Ernst Wilhelm von Brücke bis… weiter lesen

08.05.2009 von Wolfgang Koch
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WAS SOLLEN WIR AM 7. JUNI WÄHLEN?

von Wolfgang Koch

Die beiden Spitzen der österreichischen Grünen, Eva Glawischnig und Ulrike Lunacek, legen ein klares Programm vor und bitten mit folgender Erklärung um die Stimmen der Wähler und Wählerinnen:

»Die EU-Kommission legt vom Umweltschutz über die Wirtschaftspolitik bis zur Landwirtschaft und zur Antidiskriminierung Gesetzesvorschläge vor, die in der Folge von den RegierungsvertreterInnen der Nationalstaaten im Rat sowie im Europaparlament verhandelt, in den meisten Fällen vom EP mit entschieden werden und dann für alle EU-Staaten gelten und von ihnen umgesetzt werden müssen.

Diese Entscheidungen der Europäischen Union haben unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag der BürgerInnen in den Städten und Gemeinden in ganz Europa, auch in Österreich. Ist es erlaubt, gentechnisch manipulierte Pflanzen in unserer Gemeinde anzubauen? Wird der LKW-Transit durch unser Tal eingeschränkt? Gibt es strenge Grenzwerte für die Luftverschmutzung durch Feinstaub in unserer Stadt? Dürfen Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Behinderung oder ihres Alters am Arbeitsplatz diskriminiert werden?… weiter lesen

01.05.2009 von Wolfgang Koch
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ZEHN NEUE BÜCHER AUS ÖSTERREICH (7)

von Wolfgang Koch

Die »wunderbare Welt der deutschen Wortbildung« ist ein in Österreich nur schlecht besuchtes Wahlfach. Die wenigen, zarten Linien, die von den grossen Namen der Wiener Sprachkritik – Fritz Mauthner, Karl Kraus, Adolf Josef Storfer – zu den Schreibern in unserem Jahrhundert herüberführen, sind kaum zu erkennen. Da kommt ein Autor wie Christoph Winder gerade recht.

Dreieinhalb Jahre lang hat der ehemalige Sprachlehrer als Redakteur der Tageszeitung Der Standard online den modernen Kommunikationsdschungel durchforstet. Genau genommen hat er das nicht allein getan, sondern mit Hilfe seiner Leserschaft.

Was dieser sprachskeptischen Wiener Community mit viel Sinn für das Absurde auffiel und nun in Buchform vorliegt, ist vor allem ihr eigenes Kauderwelsch. Dass es sich bei der Sammlung um ein realistisches Bild des österreichischen Gegenwartssprache handelt, darf bezweifelt werden. Nennen wir den Gegenstand dieses Lexikons das ABC der ostösterreichischen Bildungselite, ihrer provinziellen Verwandten, ihrer halbwüchsigen Jugend und ihres verhassten Umfeldes. Das ist eine… weiter lesen