Archive for Juni, 2009

28.06.2009 von Wolfgang Koch
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TIERE IN DER KUNST (2)

von Wolfgang Koch

Von den Forderungen der Indiani metropolitani in den Siebzigerjahren hat mir die nach bedingungsloser Repatriierung aller Zootiere immer am besten gefallen. Warum bitte sollen Angehörige bedrohte Arten in Showkäfigen eingekerkert bis zum Sankt Nimmerleinstag von uns durchgefüttert werden? Wo bitte bleibt das freie und unveräusserliche Recht einer jeglichen Kreatur, unwiderruflich von der Bildfläche des Universums verschwinden zu können?

Ich bin kein Freund von Tierparks, selbst wenn bei uns in Schönbrunn der älteste der Welt steht und seine Besuchermaschinerie mehr Publikum anzieht als die benachbarten Schlosssäle der Habsburgerdynastie. Schon gar nicht bin ich ein Freund moderner Zoopädagogik, bei der ausgewachsene Löwen und Tiger zu Fütterungszeiten – nur getrennt durch eine zentimeterdicke Glasscheibe – Kaninchenkadever vor den Augen von Kleinkindern zerreissen. Ich lasse mir von keinem »Experten« einreden, dass solche visuellen Inszenierungen der Natur für uns in irgendeiner Weise lehrreich sein könnten.

Nein, Tierparks sind Kultstätten der Schaulust, des Voyeurismus und der… weiter lesen

23.06.2009 von Wolfgang Koch
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TIERE IN DER KUNST (1)

von Wolfgang Koch

Die 50jährige Barbara Krobath ist die wahrscheinlich beste, weil vielseitigste Magazin- und Dokumentarfotografin Österreichs. Was bringt jemanden, der über eine solche Reputation verfügt, dazu, eine überdimensionale Hornisse als dauerhafte Flieseninstallation auf einen Silobau in der tiefsten Provinz zu applizieren?

Da ist zunächst einmal die Firma Pröll, genauer: der niederösterreichische Landesvater, der soeben mit Ambitionen auf das Amt des Bundespräsidenten herausgerückt ist, und der sein Kernland seit Jahren mit einer Kulturoffensive der Extraklasse überzieht. Man baut die wirtschaftliche Zukunft Niederösterreich auf gezielte Investitionen in die Kultur- und Freizeitindustrie, um das Minus durch wegbrechende Branchen zu ersetzen; Personalmuseen für lebende Künstler schiessen wie Pilze aus dem Boden, es hagelt Festspiele und Sonderausstellungen allerorten, wobei das ausflugsfreudige Wiener Publikum kräftig umworben wird.

Eine besonders exzentrischer Spass unter den vielen Sommergaudis ist das so genannte Viertelfestival, das jedes Jahr auf einem anderen Flecken meiner Autokarte umrandete Ortsnamen hinterlässt: 2010 wird es im Waldviertel stattfinden,… weiter lesen

15.06.2009 von Wolfgang Koch
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PETER GORSEN ANTWORTET DEM REZENSENTEN

von Wolfgang Koch

Betrifft: Zehn neue Bücher aus Österreich (10). Peter Gorsen: Das Nachleben des Wiener Aktionismus. Interpretationen und Einlassungen seit 1969, 240 Seiten mit Abb., ISBN 978-3-85415-419-8, Klagenfurt/ Graz/ Wien: Ritter Verlag, 29,- EUR

Lieber Herr Koch,

vielen Dank für Ihre umsichtige und integrale, aber auch rasant geschriebene Rezension des Nachleben-Konvoluts. Was Otto Muehl anbetrifft, so trenne ich prinzipiell zwischen Person, Kommunardenexistenz und künstlerischem Werk. So hätte ich auf Seite 16 besser nicht von »Muehls Lebenspraxis«, sondern nur seinen Materialaktionen sprechen sollen.

Gemeint ist, dass de Sades Wunschphantasien über kriminelle Gesetzesverletzung (“Point de voluptés sans crime”) in ihrem ganzen Ausmass von Muehls aktionistischer Ästhetik nie erreicht wurden. Sein Bemächtigungstrieb war sozusagen imaginativ überfordert. Muehl wollte sich nie an das »real existierende Machtsystem« anpassen bzw. mit ihm wetteifern.

Der Prozess, der sich ja auf das postaktionistische Leben und die Verfehlungen in der Kommune bezieht, hat für meine immanentästhetischen Interpretationen keine Bedeutung. Muehl… weiter lesen

14.06.2009 von Wolfgang Koch
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SOZIALDEMOKRATIE UNTER 30 PROZENT

von Wolfgang Koch

Keine Ahnung, warum die SPÖ bei den Europawahlen massiv verloren hat. Der Frontmann Hannes Swoboda kann es schwerlich gewesen sei – schliesslich hat ja die Sozialdemokratie trotz seiner schon sprichwörtlichen Hölzernheit bei früheren Wahlgängen zugelegt. Auch das Phänomen Hans-Peter Martin kann es nicht gewesen sei. Die besseren Argumente gegen die herrschende Unionspolitik hatte EU-Rebell ebenfalls schon bei früheren Wahlgängen vorgetragen…

Ich habe keine keine Ahnung, was bei diesem Wahlgang schiefgelaufen ist! Ich kann nur ein paar kleine organisationssoziologische Beobachtungen zur Analyse beisteuern. Seit Jahren schon springt mir eine Diskrepanz zwischen den politischen Schaltstellen der SPÖ und den nachgeordneten Bewegungsorganen ins Gesicht.

In der Mitte des Taifuns herrscht eine geradezu atemberaubende Arbeitsgeschwindigkeit. Wenn zum Beispiel ein einfaches Wiener Parteimitglied an das Bürgermeisterbüro schreibt, kann es innert von drei Tagen mit einer positiven Antwort rechnen, falls das Anliegen einigermassen realistisch ist. Man mag über die selbstdarstellerischen Qualitäten von Bürgermeister Häupl… weiter lesen