24.07.2009 von Wolfgang Koch
Die Grünen sind bekanntlich a) unfähig zum breiten Erfolg unter der Wählerschaft und b) masslos verliebt in ihre internen Diskussionen. Dass das eine irgendwie mit dem anderen zusammenhängt, wird man vielleicht noch sagen dürfen.
Was nun die interne Debatte der Wienerischen Grünen betrifft, degradieren uns die Medien seit Wochen zu Zaungästen eines vollkommen unterirdischen Vorwahlgezetters. Da hat sich ein wackeres Häuflein studentischer Netzaktivisten und Grünen-Stammwähler in den Kopf gesetzt, das im Herbst anstehende Kandidatenhearing für die nächste Landtagswahl aufzumischen. Seither steht der Parteiappart Kopf. Wirre, rätselhafte Reden, Schreikrämpfe, wilde Bewegungsspiele und durchlöcherte Begriffssprache haben Einzug in Büros, Versammlungslokale und Bloggs gehalten. »Dürfen denn die das?«, wollen die Altvorderen von den Rebellen wissen. »Droht eine feindliche liberale Übernahme?« Usw. usf.
Die Ängste vor einer Öffnung der Grünen Partei sind traditionell gross. Wie bei allen anderen Wahlvereinen bestimmen auch bei den Ökos uralte Seilschaften, private Loyalitäten und freundliche geschäftliche Gefälligkeiten die Struktur… weiter lesen
11.07.2009 von Wolfgang Koch
Da behaupte noch einmal jemand, dass es in der österreichischen Kunst nichts zu entdecken gäbe! Gerade in den zweiten Reihe blühen häufig verborgene Talente, die den aktuellen Applaus weit eher verdient hätten als die »weltberühmten« Lokalmatadore.
Die Arbeiten Traudel Pichlers gehören zu einer bestimmten Spezies der nicht-geometrischen abtrakten Kunst. Wie Matisse versuchte die 1941 in Mühlheim/Ruhr geborene Malerin die harmonische Verbindung von Farbtönen vor ihrem geistigen Auge zu sehen. Aus den Jahren 1972 bis 1974 existieren Gemälde von ihr, welche die von der Kunstgeschichtsschreibung voreilig kanonisierten Maria-Lassnig-Bilder vorweg genommen haben.
Traudel Pichler war ein Solitär in der österreichischen Kunstszene: sie hat ihr Werk – bei gleichzeitiger maximaler Nähe zum Kunstbetrieb – in maximaler Abgeschiedenheit vorangetrieben. Zeitlebens erlaubte sie nur widerwillig einen Blick auf ihre Produktion. Ein repräsentativer Querschnitt des OEvres ist erst heute – sieben Jahre nach dem plötzlichen Tod der Malerin – in den Räumen des Schlosses… weiter lesen
09.07.2009 von Wolfgang Koch
Dass in Indien ein Elefantengott verehrt wird, ist so wenig überraschend, wie dass im Patriarchenland Italien ein Papst residiert. Nun hat es Ganesha, die beliebeste Gottheit aus dem weiten hinduistischen Kosmos beim einfachen indischen Volk, bis nach Wien 22 geschafft. Am letzten Wochenende öffnete in den Blumengärten Hirschstetten ein sogenannten Indischen Garten mit Quellstein, Gewürzpflanzen und holzgeschnitztem Pavillon zwischen schönen Gewächshäusern und einem künstlich angelegten Schilfteich.
Die Gärten der Tropen in der Quadenstrasse 15 gleichen ein wenig einer englischen Freizeitanlage, nur dass hier eben keine Younster in Rugbyshirts aus gerippter Baumwolle herumstreunen. Weil die Anstaltsleitung periodisch von Ideen geplagt scheint, man sich aber keinen André Heller als Designer leisten kann, wird alle Jahre ein neues Eck der Gartenanlage thematisch gedüngt.
Und da steht er also nun, im Florarium Hirschstetten: Ganesha, mit acht anstelle der traditionellen vier Arme – eine farbig gemalte Holzplastik wie aus dem Gartenbedarfversandhaus, Abteilung: Ethnodekoration. Ein Dutzend… weiter lesen
03.07.2009 von Wolfgang Koch
Der 70jährige Hermann Nitsch steckt sie immer noch alle in die Tasche, und die Tasche fasst diesmal gleich zwei Etagen des Wiener Künstlerhauses. »Vorbilder/ Zeitgenossen/ Lehre« nennt der Malerfürst und Mitbegründer des Wiener Aktionismus eine hochkarätige Kunstschau, die sein eigenes OEvre in Beziehung zu 66 bildenden Künstlern, Schriftstellern und Theatermachern stellt.
Die Hängung der Ausstellung ist nicht immer erfreulich. Auch scheut der Allesversteher und Daseinsbejubler Nitsch bei der Auswahl der gezeigten Arbeiten vor ärgstem Kitsch nicht zurück (Magdalena Frey, Cornelius Kolig); freilich, das schwer erträglich gewordene Pathos von Rudolf Schwarzkoglers SW-Serien ist nun mal in jeder Rückschau der Wiener Aktionisten obligatorisch.
Dass die Grossausstellung dennoch sehenswert ist, liegt am Konzept der Kuratoren Hermann Nitsch und Joachim Lothar Gartner. Erstmals wird das monumentale Werk des Prinzendorfers Schlossherrn nämlich nicht in einer dröhnenden Retrospektive gezeigt, sondern im Schnittpunkt fremder Konzepte dargestellt – ein Verfahren, das Meisterwerke so selbstverständlich miteinschliesst wie katastrophale künstlerische… weiter lesen