21.09.2009 von Wolfgang Koch
Es war einmal eine junge Familie mit Kleinkind, die zog eines Tages mit Sack & Pack von einem einstelligen Wiener Gemeindebezirk in einem zweistelligen Wiener Gemeindebezirk. Es sollte kein sozialer Abstieg werden: die neue Wohnung war hell und geräumig, keine Spur teurer als das alte Domizil, und sie lag vom historischen Zentrum der City auch nur ein paar U-Bahnstationen weiter entfernt.
Es dauerte keine sechs Wochen, da lag ein inspiriertes Begrüssungsschreiben des neuen Bezirksvorstehers im Postfach. Dieser Bezirkskaiser, wie man in Wien sagt, hatte sich in seinem Rundschreiben an die Zuwanderer sichtlich Mühe gegeben. Das Schreiben war lang und ausführlich; es strich die Vorteile des neuen Wohnbezirks hervor und sparte auch nicht mit Lob für die Verwaltungsarbeit des zeichnenden Politikers.
Das freute den Familienvater zunächst, da die beiden Herren derselben Landtagespartei, der Wiener SPÖ, als Mitglieder angehörten, also gewissermassen am politischen Seil in dieselben Richtung zogen. Was den Adressaten… weiter lesen
13.09.2009 von Wolfgang Koch
Die wachsende Bedeutungslosigkeit der österreichischen Gegenwartskunst hat eine Menge Ursachen. Franz West verknäult sich neuerdings in Barockgärten, Arnulf Rainer mumifiziert sich in einem Museum und Erwin Wurm tanzt auf einem »Roaring Twenties«-Benefizfest im Oberen Belvedere. Dann sind da noch die Kritikerkollegen, denen ich Inkompetenz und Urteilsschwäche vorwerfe. Ein überregionaler Kulturjournalismus existiert in Österreich nicht einmal.
Ein nahezu beliebiges Beispiel für den ins Hintertreffen geratenen Kulturbetrieb ist die Ausstellung »CHALO!-India« im Essl Museum in Klosterneuburg. In der Besprechung der Wiener Wochenzeitung Falter, und nicht nur dort, triumphiert das Drumherum und das Nebenher. Das Raunen von vermeintlichen Trends gilt hier als Kritik, alles Abwägen und Differenzieren ist hoffnungslos ins Ungedruckte geraten.
Gewiss ist diese Schau zeitgenössischer Kunst aus Indien ein beachtenswerter Familienevent. Da gibt es Schnecken, einen Pfau und einen schlafenden Elefanten, ein goldblitzendes Motorrad, am Wochenende Erfrischungen und Ruhekissen. BesucherInnen bekommen einen Bindui auf die Stirn geklebt, sie können Farben aus… weiter lesen