Es war einmal eine junge Familie mit Kleinkind, die zog eines Tages mit Sack & Pack von einem einstelligen Wiener Gemeindebezirk in einem zweistelligen Wiener Gemeindebezirk. Es sollte kein sozialer Abstieg werden: die neue Wohnung war hell und geräumig, keine Spur teurer als das alte Domizil, und sie lag vom historischen Zentrum der City auch nur ein paar U-Bahnstationen weiter entfernt.
Es dauerte keine sechs Wochen, da lag ein inspiriertes Begrüssungsschreiben des neuen Bezirksvorstehers im Postfach. Dieser Bezirkskaiser, wie man in Wien sagt, hatte sich in seinem Rundschreiben an die Zuwanderer sichtlich Mühe gegeben. Das Schreiben war lang und ausführlich; es strich die Vorteile des neuen Wohnbezirks hervor und sparte auch nicht mit Lob für die Verwaltungsarbeit des zeichnenden Politikers.
Das freute den Familienvater zunächst, da die beiden Herren derselben Landtagespartei, der Wiener SPÖ, als Mitglieder angehörten, also gewissermassen am politischen Seil in dieselben Richtung zogen. Was den Adressaten… weiter lesen