27.01.2011 von Wolfgang Koch
Maurice BLANCHOT hätte das Wort Kultur sicher zu den Worten gezählt, die ein »Wort zu viel« sind, ein Wort, das aus dem Status des Wortes, des Signifikanten verschoben worden ist, ein für und durch die Sprache verlorenes Wort. Entsprechend sehnen sich Kulturschaffende überall auf der Welt heute nach nichts mehr, als danach, ohne dieses Allerweltsvokabel über ihre Arbeit zu sprechen.
Das war bei der Vergabe der Österreichischen Kunstpreise 2010 durch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur in der Wiener Hofburg naturgemäß nicht zu erwarten. Das der Schuß am 25. Jänner aber so massiv in die Gegenrichtung losging, das verdankte sich der Inszenierung der Feier als Live-Video-Stream (www.bmukk.gv.at/kunstpreise10). Ich wette ein paar Socken, dass diesem fast vierstündigen Spektakel im Internet nicht einmal halb so viele Leute beigewohnt haben wie im Zeremoniensaal.
Bereits an der Konzeption der sieben Staatspreise holpert es gewaltig: Die Ausgezeichneten wurden nämlich als Preisträger für das… weiter lesen
24.01.2011 von Wolfgang Koch
Dem in seiner Existenz gefährdeten Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien droht momentan eine von ministerieller Seite verordnete Zwangsehe mit der Universität Graz. Die Aussicht unter Kuratel der Weltsteirertums gestellt zu werden, scheint sich bereits wie ein Schleier über die Köpfe zu legen. Denn die jüngste Tagung des noch unabhängigen Instituts (in Kooperation mit der Wienbibliothek im Rathaus) machte sich intellektueller Trägheit schuldig.
Überzeugende inszenierte Vorträge zum Thema »Vermessung der urbanen Gesellschaft« seit dem 18. Jahrhundert gab es in der letzten Woche beinahe keine zu hören. Kühne Thesen zur Stadtentwicklung, aktuelle Bezüge zur Gegenwart der Donaumetropole fehlten fast vollständig. In den Kulturwissenschaften scheint momentan niemand für Wien den Finger krumm machen zu wollen.
Daß die Hausbeschriftungen Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt wurden, um einerseits die Konskription, andererseits die Steuererhebung sowie die Durchsetzung der Hofsquartierpflicht zu erleichtern, das hätten wir uns auch ohne höhere Forschungsweihen denken können. Der Historiker Anton TANTNER… weiter lesen