Archive for Mai, 2011

30.05.2011 von Wolfgang Koch
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WAS EIN DREISTER BERLINER AUS DEM WIENER KAFFEEHAUS MACHT

von Wolfgang Koch

Ein 60jähriger, der zehn kleine Mokka am Tag säuft, ist ein Fall für den Ernährungsberater, und nicht fürs Feuilleton. Warum sich das nicht bis in die Redaktion der sozialdemokratischen Wiener Tageszeitung DER STANDARD herumspricht, wird uns ewig ein Rätsel bleiben.

Am vorigen Wochenende warte dieses im freien Qualitätsfall befindliche Blatt mit einem Rundgang durch Wiener Kaffeehäusern auf, der an Schmocknatur jedem Vergleich in der publizistischen Landschaft spottet. Für zwei Tage hat sich der Berliner Schriftsteller Thomas Kapielski zur einer »Kaffääfahrt« per Flugzeug nach Wien aufgemacht, um die »richtige Dosis Angeranztheit« in der Donaumetropole aufzuspüren.

Herausgekommen ist dabei ein an Schnoddrigkeit, Uninformiertheit und Geschwätzigkeit kaum zu übertreffender Artikel, für den die BlattmacherInnen aus der Herrengasse zwei ganze Seiten verschenkten. Kapielski entpuppt sich dabei als leidenschaftlicher Wortwitzler, Interieur-Checker und Nasenflötist – und wäre in jeder dieser Eigenschaften besser beim Bier in seiner Berliner Eckkneipe sitzen geblieben.

Kapielskis Testbericht beginnt in dem von Architekt… weiter lesen

25.05.2011 von Wolfgang Koch
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VIENNA JEW ODYSSEE: GERETTET WEGEN DES NAMENS

von Wolfgang Koch

Kürzlich wies mich ein Freund auf einen Laden in der Klosterneuburgerstraße mit den Worten hin: »Wer hat schon einen Schuster aus Samarkand?« – Stimmt, dachte ich mir und beschloss im Stillen diesen Handwerker von der Seidenstraße, den es da in die Brigittenau verschlagen hat, nächstens mit löchrigen Sohlen selbst einmal aufzusuchen.

Was tun wir nicht alles wegen der Namen! Ich kenne, mich selbst mit eingeschlossen, drei in Wien lebende Personen, die ihre Reiserouten unter anderem nach poetischen Kriterien wählen: den Humorzeichner Tex Rubinowitz und den Streetlife-Fotografen Paul Albert Leitner.

Naja, Schriftsteller und Künstler, möchten Sie einwenden, die können sich solche Faxen leisten. Wer dem Leben nur dreist genug gegenüber tritt, der kann auch nach Belieben Örtlichkeiten mit so klingenden Namen wie Abbazia und Abbottabad, Heidelberg, Heiligenblut, Jaipur, Odessa, Ostende, Palmira oder Timbuktu aufsuchen.

Für englisch geschulte Ohren hätten wir noch Anchorage, Chattanooga, Shamrock und Sweetwater anzubieten. Das alles glitzert sprachlich… weiter lesen

02.05.2011 von Wolfgang Koch
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WIENS SPANNENDSTE INTELLEKTUELLE 2011 [9,10]

von Wolfgang Koch

Blogserie, Teil 9 u. 10 (Schluß) , gewidmet der »Falter«-Redaktion

9- HEINZ GÄRTNER

Der Universitätsprofessor am Österreichischen Institut für Internationale Politik (oiip) ist ein sehr zugänglicher Akademiker, aufgeweckt und weltoffen, kritisch und engagiert. Er hat sich in den letzten Jahren neben seiner eigentlichen Forschungs- und Lehrtätigkeit auch als stiller Politikberater einen klingenden Namen gemacht.

So wie zu Joschka Fischers Zeiten der Berliner Politologe Herfried Münkler der rotgrünen Koalition in Deutschland schicksalhafte Strategien soufflierte, so textet Gärtner heute als österreichischer »Ein-Mann-Think-Tank« Reden für sozialdemokratische Regierungsmitglieder. Und nicht nur das. Gärtner zählt zu jenen bissigen Kräften hinter den Regierungskulissen, die mit akademisch beglaubigten Papers aktiv den umstrittenen Umbau der österreichischen Wehrpflichtarmee in ein Freiwilligenheer betreiben.

Im scharfen Widerspruch zu anderen Sicherheitsexperten verteidigt Gärtner allerdings die österreichische Doktrin einer immerwährenden völkerrechtlichen Neutralität des Landes. Neutralität kennt eine Mittlerrolle in Konflikten; sie bietet nach Gärtner im Kontext internationaler Sicherheitseinsätze dem kleinen Land klare Vorteile: dem neutralen Österreich werden z. B.… weiter lesen