
Ihren Befreiungsschlag haben Printmedien noch vor sich / Foto: W. Koch
Es gibt im deutschen Sprachraum wohl kein eindringlicheres Beispiel, wie Web-Aktivitäten eine Qualitätszeitung schrittweise zerstören. Die pro-sozialdemokratische österreichische Tageszeitung Der Standard, herausgegeben von prominenten Wiener Juden Oscar Bronner, hat sich frühzeitig für eine interaktive Webpräsenz entschieden. Sämtliche redaktionellen Inhalte können seit Jahren kostenfrei im Netz abgerufen und anonym kommentiert werden.
Der erste Effekt dieser elektronischen Verstärkung der Zeitung war, dass österreichische Intellektuelle sich schrittweise von den beliebten Kommentarseiten des Blattes zurückzogen. Verehrungsheischende Autoren wie Rudolf Burger, Franz Schuh und Robert Menasse vertragen es nun mal nur schlecht, wenn jede ihrer Äußerungen unerbittlich von einem schreibmordlüsternen Mob niedergemacht wird.
Der Großteil der Poster sind junge Männer, teils noch im Gymnasialalter, Studenten, Jungakademiker. Sie reagieren auf alle Artikel aggressiv und negativ, machen lustbetont jede Äußerung herunter, soweit es die Faktenlage zulässt, und nicht selten trotz dieser.… weiter lesen