Hanno Millesi gehört seit dem Erzählband Wände aus Papier (2006) zu den besten österreichischen Autoren der mittleren Generation. Anders als die Stars des Literaturbetriebs, Elfriede Jelinek und Robert Menasse, versucht er uns nicht über das Geschlechterverhältnis oder über die Politik zu belehren, sondern treibt in einer geradezu bewundernswerten Askese den Einfallsreichtum und die Absurdität der Existenz sprachlich an die Grenzen.
Millesis neuer Roman, Granturismo betitelt, beginnt später, als er anfängt. Über die ersten 80 Seiten hüllen wir diskret den Mantel des Schweigens. Auch beim verbleibenden Text bin ich mit der Arbeit des Lektorats nicht immer einverstanden; viel zu bereitwillig lassen die Mitarbeiter des kleinen Wiener Luftschacht Verlags dem Autor nichtsagende Formeln wie »der schale Geruch loser Ausflugskameradschaft« durchgehen.

Es fühlt sich an, als bekäme man Existenz zu fassen. / Foto: W. Koch
Gewiss, Millesi verfügt über eine prachtvoll flüssige Sprache, in die er mit großem Geschick… weiter lesen