Bekämpfung psychoaktiver Substanzen

Vor vier, fünf Jahren noch waren synthetische Drogen, deren Namen meist aus Buchstaben/Zahlenkombinationen bestanden wie 4-Ho-Met oder JWH-018 einem relativ kleinen Kreis von Menschen bekannt und die Anzahl der Bezugsquellen war überschaubar. Spätestens seit dem Medienhype um Spice, der rasanten Verbreitung von Mephedron vor allem in Großbritannien und dem EU-weiten Verbot letzterer Substanz stehen die Dinge anders.
Es gibt eine große Palette an noch nicht illegalisierten Substanzen und jede Menge Headshops und Online-Händler, die sie vetreiben, vor allem die Anzahl der Cannabinoide ist gestiegen, einfache Verfügbarkeit und Legalität mögen ein Kaufargument sein.
In Österreich hat man nun einen Vorschlag erarbeitet, der Konsumenten schützen und Händler bestrafen soll, das Neue-Psychoaktive-Substanzen-Gesetz (NPSG). “Mit dem neuen Gesetz wollen wir ganze Substanzgruppen und auch ihre gesundheitsgefährdenden Abwandlungen verbieten.”, sagte Gesundheitsminister Alois Stöger. Diese Substanzgruppen sollen nicht im  Gesetz, sondern per Verordnung festgelegt werden, was eine schnelle Reaktion auf den Markt gewährleistet.
Bisher waren nur Substanzen verboten, die explizit im Suchtmittelgesetz aufgeführt wurden. Nun sind neue Substanzen mit psychoaktiver Wirkung verboten, welche so definiert wird: “im oder am
menschlichen Körper herbeigeführte, mit Halluzinationen oder Störungen der motorischen
Funktionen, des Denkens, des Verhaltens, der Wahrnehmung oder der Stimmung einher gehende
Anregung oder Dämpfung des Zentralnervensystems.” Gäbe es den Zusatz “neu” hierbei nicht, sähe es schlecht aus um Kaffee, Tee, Nikotin und Alkohol. Aber auch um Johanniskraut und Hopfen, um Mate und Wermut.
Konsumenten gehen nach NPSG straffrei aus, Händlern drohen bis zu drei Jahren Haft.”Chemische Stoffe, die wie Drogen wirken, stellen ein großes Gesundheitsrisiko für die Konsumentinnen und Konsumenten dar” sagt der Gesundheitsminister. Abgesehen davon, daß die Unterscheidung zwischen chemischen Stoffen und Drogen nicht auf ein fundiertes Wissen schließen läßt, hinkt auch die Logik ein wenig. Stoffe, deren geringe Gesundheitsrisiken erforscht und bekannt sind, wären möglicherweise ein probater Ersatz für die Substanzgruppen, die man hier verbieten möchte. Aber die erforschten Stoffe sind ja schon illegal …
Was bringt dieses Gesetz? Die Anzahl der Online-Shops ist nahezu unüberschaubar geworden, in der Datenbank der  Seite safeorscam.com, die von einer immer größer werdenden Szene genutzt wird, um sich über die Seriösität der Händler zu informieren, sind derzeit über 9000 URLs, Emailadressen und ICQ-Nummern gespeichert. Die meisten Händler operieren nicht von  Österreich aus und das Gesetz wird ihnen wahrscheinlich unbekannt bleiben oder zumindest egal sein.
Findet man hingegen bei Konsumenten “problematische Substanzen oder Abwandlungen von gefährlichen Substanzen, können diese künftig beschlagnahmt werden, [...].” Im Klartext heißt das wohl: Sie können dir alles wegnehmen, was eine psychoaktive Substanz  sein könnte, ob legal oder illegal, ob Kaffee, Schokolade, Lavendel, Baldrian, AM-2201 oder ein Zuckerwürfel, der vermeintlich mit 25c-nbome beträufelt wurde.
Vielleicht wissen Gesundheitsminister Alois Stöger und Justizministerin Beatrix Karl, die das Gesetz in einer Pressekonferenz vorstellten – wie so viele Politiker-  nicht, wie das Internet funktioniert. Wahrscheinlich wissen sie nicht, dass ein international bekannter, als  zuverlässig geltender, großer  Online-Händler seinen Sitz in Österreich hat. Er ist klug genug ist, seinen Laden zu tarnen und nicht im eigenen Land zu verkaufen.
Aber der Gesundheitsminister freut sich, denn mit diesem Gesetz “nimmt Österreich eine Vorreiterrolle in der Drogenprävention ein.”

Kommentare (5)

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  1. Am2201 gehört verboten und zum Glück ist dieser Fall auch eingetreten! Diese Subsatzn ist ein verdammt gefährlicher Stoff und ich spreche hiermit aus eigener Erfahrung.. Schon eine winzige Messerspitze ist eine Überdosierung und kann verdammt große Folgen haben!! Das zeug zu rauchen ist Fatal, ich hatte Panikattaken Angstszustände Taubheitsgefühl am ganzen Körper, Herzrasen und vor meinen Augen wiederhohlte sich ständig ein und die selbe Szene… synthetik ist und bleibt der größte Scheiß! Nichts für psychisch Labile Menschen und ich würde es sonst auch keinem Empfehlen..!

  2. @ Fenasi

    AM-2201 unterliegt in Deutschland weder dem Betäubungsmittel-, noch dem Arzneimittelgesetz.] Da die Substanz durch manche Hersteller als reproduktionstoxisch, Kategorie 1A oder 1B eingestuft wird, ist sie ein Gefahrstoff und nicht mehr frei verkäuflich.

    Quelle:
    http://de.wikipedia.org/wiki/AM-2201

  3. Guten tag
    İch weis nicht ob ich von ihnen hier eine antwort bekomme,
    İch hoffe das sie mir helfen können !
    Hier meine frage ist AM 2201 in deutschland verboten ?
    Kann ich am2201 einfach so nach hause bestellen?
    Vielen dank im vorraus

    Guten tag
    Über eine antwort würde ich mich sehr freuen .

  4. Ich sag nur:

    Drogenbarone International danken der Drogenbeauftragten von Deutschland für die (neuen) Verbote: http://www.youtube.com/watch?v=bDzkajywM5g

  5. Ein sehr guter und informativer Bericht der die brenzilige Situation um die Resarch Chemicals sehr gut einfängt.
    Ich selbst bin ein junger Mann anfang 20, der damals 2008 als Zivildienstleistender versuchte seine Trinkpropleme mit der angeblichen “Bio-Droge” in den Griff zu bekommen.
    Es dauerte nicht lange und die chemisch behandelten Kräutermischungen gehörten zum Alltag.
    Auch mit dem Verbot im Dezember 2008 änderte sich nichts.

    Die Ladenbetreiber verkauften dennoch ihre Restware und selbst als diese aufgebraucht war konnte man kinderleicht weiter übers Internet bestellen, ganz bequem bis zur Haustüre.
    Im Alter von 19 wurden bei mir Nierensteine diagnostiziert, ohne familiäre Vorbelastung.
    Es wäre weit hergeholt zu behaupten das die synthetischen Cannabinoide dafür verantwortlich sind,
    aber es ist auch nicht auszuschließen.
    Selbstverständlich trage die Verantwortungen für mein Handeln selbst, aber auch die Politik hat hier aufgrund fataler Fehleinschätzungen die falschen Entscheidungen getroffen und somit ermöglicht das unzählige, zum Teil sehr junge und uninformierte, Verbraucher von skrupellos Kapitalorientierten Unternehmen in Versuchsgoldesel umgewandelt wurden. Das der Kampf gegen die dauernd steigende Zahl der berauschenden Chemikalien bereits verloren ist, scheint aber wohl noch niemand richtig begriffen zu haben. Denn wie im Bericht so schön formuliert:
    “Stoffe, deren geringe Gesundheitsrisiken erforscht und bekannt sind, wären möglicherweise ein probater Ersatz für die Substanzgruppen, die man hier verbieten möchte.”

    ein großartiger Bericht, im Blog einer großartigen Zeitung. Danke.