vonHans Cousto 10.01.2014

Drogerie

Aufklärung über Drogen – die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

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Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) ist die zivile US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit. Die Behörde ist im Geschäftsbereich des Verkehrsministeriums der Vereinigten Staaten angesiedelt und veröffentlicht die amtlichen Zahlen von Verkehrsunfällen und ihren Ursachen für alle Bundesstaaten in den USA.

Kalifornien ist mit 38 Millionen Einwohner der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA und hat 1996 als erster Bundesstaat die Abgabe von Cannabis als Medizin legalisiert. Gemäß den NHTSA-Daten für Kalifornien wurden im Jahr 2012 in Kalifornien 7,51 Verkehrstote pro 100.000 Einwohner registriert. Das waren 30% weniger als im US-Bundesdurchschnitt mit 10,69 Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner. Die Zahl der Verkehrstoten bedingt durch Alkoholkonsum (Blutalkoholgehalt größer als 0,8 Promille) lag sogar um 36% niedriger als im Bundesdurchschnitt.

Noch bessere Daten wurden aus dem Bundesstaat Washington – ebenfalls an der Westküste der USA gelegen – mitgeteilt. Dieser Staat hat 1998 Regelungen für Cannabis als Medizin eingeführt und dort gab es 6,44 Verkehrstote pro 100.000 Einwohner. Das waren 40% weniger als im US-Bundesdurchschnitt.

Bis zum Jahr 2000 haben acht Bundesstaaten Regelungen für Cannabis als Medizin eingeführt. In allen diesen Bundesstaaten (außer Maine) lag im Jahr 2010 die Zahl der Verkehrstoten niedriger als im Bundesdurchschnitt, wie aus der folgenden Grafik ersichtlich ist.

Verkehrstote im Jahr 2010 pro 100.000 Einwohner für die US-Bundesstaaten, die vor der Jahrtausendwende Regelungen für Cannabis als Medizin eingeführt haben
Abbildung 1 zeigt die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2010 pro 100.000 Einwohner für die US-Bundesstaaten, die vor der Jahrtausendwende Regelungen für Cannabis als Medizin eingeführt haben. Im Schnitt lag in diesen Staaten die Zahl der Verkehrstoten um knapp 20% unter dem Bundesdurchschnitt.

Die meisten Verkehrsrodys (in Relation zur Bevölkerung) wohnen gemäß „Compare Traffic Deaths by State“ übrigens in Wyoming (mit 27,48 Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner), gefolgt von Mississippi (21,58), Arkansas (19,27), Montana (19,09), Alabama (18,11), Oklahoma (17,76), Kentucky (17,49), South Carolina (17,47) und South Dakota (17,16). In keinem dieser Staaten, außer Montana, ist Cannabis als Medizin legal. Und in Montana versuchte die Regierung immer wieder die Verfügbarkeit von Cannabis für Patienten einzuschränken.

In Montana stimmte eine Mehrheit von 61,8% für die Montana Medical Marijuana Allowance Measure, auch Medical Marijuana Act, I-148 genannt. Das Gesetz trat am 2. November 2004 (also sofort) in Kraft. Patienten durften bis zu sechs Cannabispflanzen und eine Unze (ca. 28 Gramm) Marihuana besitzen. Mit dem Gesetz vom 3. Mai 2011 SB 423 wurde mit Wirkung ab dem 1. Juli 2011 die Medical Marijuana Act stark eingeschränkt. Gegen diese Einschränkung wurde das Referendum ergriffen, das mit Abstimmung vom 6. November 2012 erfolgreich war. 56,5% stimmten für das Referendum und somit für die Beibehaltung der liberalen Regelung von 2004. Montana ist offensichtlich ein Staat, in dem die Regierung nicht will, was die Bevölkerung will.

Alkoholbedingte Verkehrstote

In keinem der Staaten, die vor der Jahrtausendwende Regelungen für Cannabis als Medizin einführten, gab es im Jahr 2010 mehr alkoholbedingte Verkehrstote als im Bundesdurchschnitt der USA. Die geringste Zahl wurde im Bundesstaat Oregon mit 1,8 pro 100.000 Einwohner registriert. Das waren 45% weniger als im Bundesdurchschnit der USA, der bei 3,3 lag. In Kalifornien waren es mit 2,0 immerhin noch knapp 40% weniger als im Bundesdurchschnitt.

Zahl der alkoholbedingten Verkehrstoten im Jahr 2010 pro 100.000 Einwohner für die US-Bundesstaaten, die vor der Jahrtausendwende Regelungen für Cannabis als Medizin eingeführt haben
Abbildung 2 zeigt die Zahl der alkoholbedingten Verkehrstoten im Jahr 2010 pro 100.000 Einwohner für die US-Bundesstaaten, die vor der Jahrtausendwende Regelungen für Cannabis als Medizin eingeführt haben. Im Schnitt lag in diesen Staaten die Zahl der alkoholbedingten Verkehrstoten um knapp 25% unter dem Bundesdurchschnitt. Langfristig scheinen Programme für Cannabis als Medizin signifikante positive Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit zu haben.

Auch kurzfristig scheinen Regelungen für die Abgabe von Cannabis als Medizin positive Auswirkungen für die Verkehrssicherheit zu haben. So veröffentlichte jüngst Tribble auf seinem Blog „Die Hanfplantage“ einen Artikel unter dem Titel „Studie: US-Bundesstaaten, die Medizinalhanf Legalisieren, haben weniger Tote bei Verkehrsunfällen“. In dem Artikel heißt es:

Eine Studie von 2011 zeigt eine Verbindung auf, zwischen US-Bundesstaaten die Medizinisches Cannabis legalisiert und weniger Tote bei Verkehrsunfällen haben. Die Studie wurde von D. Mark Anderson durchgeführt, einem Ökonomieprofessor an der Montana State Univerity und Daniel Rees, ein Professor an der University of Colorado, Denver.

Sie schauten sich die Daten der einzelnen Bundesstaaten an, darunter die Nationalen Umfragen zu Drogenkonsum und Gesundheit. Anderson und Rees entdeckten, dass Bundesstaaten, in denen Medizinalhanf legalisiert worden ist, durchschnittlich neun Prozent weniger Todesfälle bei Verkehrsunfällen zu verzeichnen waren.

Solche Fakten sind vor allem auch für die Versicherungswirtschaft von Interesse. Weniger schwere Unfälle bedeutet für Versicherungen, geringere Beträge für Leistungen erbringen zu müssen. Das bedeutet einen höheren Gewinn respektive die Möglichkeit, Prämien in Staaten mit Regelungen für die Abgabe von Cannabis als Medizin senken zu können, was ein Wettbewerbsvorteil darstellt.

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https://blogs.taz.de/drogerie/2014/01/10/weniger-verkehrstote-dank-medizinalhanf/

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kommentare

  • @CEDOB

    Die größte epidemiologische Studie zu diesem Thema mit über 9000 Teilnehmern wurde 2015 von der US-amerikanischen Behörde für Verkehrssicherheit National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) publiziert.[125] Demnach besteht nach Korrektur von Alter, Geschlecht, Herkunft und Alkoholkonsum kein erhöhtes Risiko für einen Verkehrsunfall nach Cannabiskonsum im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Cannabiskonsum.[126][127] Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Cannabis_als_Rauschmittel#%C3%96sterreich_und_Schweiz

    Kann dir sofort einen Reaktionstest direkt nach ner Tüte machen, liegt stets bei 20-25ms.

  • Der Kommentar der vor meinem geschrieben wurde vergisst, dass es auch Menschen gibt, die unter Einfluß von Rauschmitteln Auto fahren oder wie erklären sich die täglichen Meldungen aus der Polizeipresse? Wenn dann jemand, der sich aus Mangel an Cannabis eigentlich besäuft, jetzt aber „was raucht“ Auto fährt, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen Lappen verliert größer, als dass er einen tödlichen Unfall verursacht, da Cannabiskonsumenten i.d.R. eher vorsichtiger fahren, wenn sie merken, dass sie „bedröhnt“ sind- Alkohol führt ganz klar immer zu selbstüberschätzung in Verbindung mit eingeschränkter Wahrnehmung! Und der Trend bei Neuwagen zu SUVs ist für Fahrer der älteren bzw. kleineren Karren auch eher gefährlicher als sicherer, gerade wenn hinter beiden Steuern Leute sitzen, die glauben, ein Auto sei generell aufgrund eines neueren Baujahrs sicherer. Und Alaska und Hawaii eignen sich wohl nur wenig um die Kernaussage in Frage zu stellen, mehr Bildung = weniger Verkehrstote würde ich hingegen unterschreiben…

  • Sehr zweifelhafter Text, ich glaube hier werden Ursache und Wirkung verwechselt. Ich Persönlich bin für eine Legalisierung von THC, unabhängig von den Verkehrszahlen.

    Der Text macht den fatalen Fehler die Verkehrstoten zu vergleichen ohne auf weitere Ausgangspunkte der Staaten zu schauen.
    In den meisten Staaten in den Canabis Legalisiert worden ist, ist die durschnittliche Bildung und das durchschnittliche Einkommen höher als in den anderen Staaten.
    Wenn die Leute mehr Geld haben, investieren sie mehr in Ihr Auto (Wartung der Bremsen/Reifen etc) und kaufen sich häufiger Neuwagen (Sind deutlich sicherer).
    Es ist kaum verwunderlich, das die Zahl der Verkehrstoten in dieses Staaten geringer ist, andere Staaten in der Liste sind Alaska und Hawai.
    Alaska ist als Land kaum besiedelt, dementsprechend ist es auch schwierig tödlich Unfälle zu Bauen, da einem im Gegenverkehr niemand begegnet den man tot fahren kann.
    In Hawai gibt es relativ wenige Speedways und der meiste verkehr findet innerorts statt, hier ist die Gefahr eines Unfalls aufgrund der Verkehrsdichte höher, aber innerorts fahren die Autos Langsamer und demenstprechend kommt es nicht zu tödlichen Unfällen.

    Auch wenn man sich die Staaten mit den meisten tödlichen Unfällen anschaut, fällt auf das hier die Strukturschwachen Staaten ganz vorne liegen insbesondere die Südstaaten. Aufgrund von Verwandtschaft mache ich regelmäßig Urlaub in der Region. Die Straßen sind oft in einem Desolaten zustand, Strenge regeln wie den TÜV gibt es dort leider nicht in kombination mit der schlechten Wirtschaftslage führt das dazu, das ein Großteil der Fahrzeuge zum einen relativ alt (90er Jahre) und schlecht gewartet sind. Das bei diesen Autos die Gefahr eines Tödlichen Unfalls höher ist als bei neueren Wagen ist selbstverständlich. Die Strukturschwache lage fördert sicherlich noch den Alkoholismus.

    Ein ähnlich dämliche Statistikspielerei wäre es, zu behaupten, das ein Generelles Tempolimit zu mehr Verkehrstoten führt, da es den USA, in denen es ein Tempolimit gibt die Wahrscheinlichkeit in einen tödlichen Unfall zu geraten doppelt so hoch ist wie in Deutschland, der USA/Deutschland vergleich widerspricht übrigens auch der Cannabis Statistik, in Deutschland ist Cannabis bekannter weise nicht Legalisiert und trotzdem gibt es nur 4,5 Verkehrstote auf 100.000 Einwöhner das sind mehr als 1/3 Weniger als in Washington dem Verkehrstechnisch sichersten Staat in den USA.

    Unterschwellig vermittelt dieser Artikel, das es ungefährlich ist, nach Cannabis Konsum Auto zu fahren, das ist absoluter Schwachsinn. Ein Auto ist Potentiell tödlich und da THC die Reaktionsgeschwindigkeit und Entscheidungsfähigkeit verlangsamt, ist die Kombination mit einem Auto fatal. Gilt natürlich für Alkohol 😉

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