vonFred Hüning 28.02.2026

FKK – Foto, Kunst & Kapriolen

Fred Hüning, Fotograf & Tagedieb, sitzt in einer einsamen Blog-Hütte im Brandenburgischen und schreibt und fotografiert für sein Blog-Buch.

Mehr über diesen Blog

“The bright horses have broken free from the fields. They are horses of love, their manes full of fire”

Nick Cave – Bright Horses

Am 17. Februar 2026 startete nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Feuerpferdes. Die Kombination Pferd plus Feuer gilt als besonders kraftvoll und wiederholt sich nur alle 60 Jahre – zuletzt also 1966. Für mich, selbst ein Feuerpferd, ein guter Grund, in der Klosterscheune Zehdenick eine Auswahl seiner langjährigen künstlerischen Annäherungen an das Thema Pferd zu zeigen. Zu sehen sind ab dem 28. Februar 2026 die Serien DER TROST VON PFERDEN, PFERDEMENSCHEN und VERSUCH ÜBER DEN KOPF EINES SCHIMMELS VON GERICAULT.

Schon 2019 anlässlich meiner ersten Pferdeausstellung HORSE WITH NO MAN in der Rathausgalerie Hoppegarten habe ich mir und einem imaginären Publikum die rhetorischen Fragen gestellt: Warum Pferde? Können Pferdebilder Kunst sein? In meiner künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema PFERD suche ich nach Bildern, die etwas aussagen über die allgemeine Tragödie beziehungsweise auch Komödie des Daseins – das ganze Welttheater in einem Bild. Deshalb sind es auch nicht bestimmte Pferde, die ich fotografiere, nicht einmal Pferde, nicht einmal Tiere, sondern eher Archetypen, Statthalter, Kreaturen, im Endeffekt: Menschliche Wesen (denn ich mache ja Bilder für Menschen, nicht für Tiere). Die Pferde sehe ich mehr wie Schauspieler, die mir ihr Leben/ Dasein vorspielen in allen möglichen Variationen und Facetten, von denen ich bislang keine Ahnung hatte.

abo

Wissen disst Macht. 10 Ausgaben wochentaz für 10 Euro im Probeabo. Jetzt die linke Wochenzeitung testen!

Mit meinen Pferdebildern möchte ich – vor dem Hintergrund der langen Geschichte, die Mensch und Pferd miteinander verbindet und einer bis heute andauernden starken Symbolik des Pferdes – besondere Momente der Begegnung zwischen den Spezies dokumentieren. Wie fühlen sich Tiere an? Wie schmecken sie? Wie riechen sie? Wie leben sie? Wie überleben sie? Was ist es eigentlich, das uns von ihnen unterscheidet? Fragen nach Abhängigkeit, nach Gemeinschaft, ja Freundschaft mit dem Tier, ebenso wie nach seiner Haltung als Nutz- oder Haustier. Betrachtungen also, die zeitlos sind.

So weit, so ambitioniert, hat diese damalige Aussage für mich durchaus immer noch Gültigkeit. Nur wen interessiert das eigentlich, Pferdebilder, Abbilder von Pferden, Pferdeporträts. Die Berliner Fotoszene? Die hat schon Schwierigkeiten, überhaupt in die Pampa (ein befreundeter Fotokritiker) zu den Nazis (ein altgedienter Sammler), nach Zehdenick also, zu kommen. Die PferdehalterInnen? Interessieren sich für Pferde, weniger für Bilder (die häufige Frage, ob ich an einem Pferdekalender arbeite).

Aber es gibt Hoffnung – außerhalb der engen Fotoszene. YOU ARE NOT ALONE, HORSE BOY. Das PFERD in der KUNST – über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende ein wichtiger Topos der Kunstgeschichte – ist nicht tot!

In Leipzig ist gerade die Gruppenschau HORSING AROUND III (es gab also schon zwei weitere Ausstellungen!) in der offenbar pferdeaffinen Galerie THE GRASS IS GREENER zu Ende gegangen.

The National Gallery in London zeigt vom 12. März bis zum 31. Mai 2026 „Stubbs: Portrait of a Horse“.

Im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln läuft noch bis zum 31. Januar 2027 die Ausstellung „Zum Mondjahr des Pferdes – Ein Galopp durch Zeit und Raum“.

Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen zeigt vom 17. Mai – 23. August 2026 die Ausstellung „Das Glück dieser Erde. Dürer, Rubens, Goya: Pferde in der Kunst“.

Vielleicht hat ja jetzt doch die Eine oder der Andere Lust bekommen auf DAS PFEERD IN DER KUNST – hier die Daten für Zehdenick:

Fred Hüning
IM JAHR DES FEUERPFERDES

kuratiert von Dr. Christian Spunk Seipel

28.02.2026 bis 26.04.2026

Vernissage: Samstag, 28. Februar 2026, 14:00 bis 18:00 Uhr

Klosterscheune Zehdenick

Domänenweg 1, 16792 Zehdenick

geöffnet Mi – So und an Feiertagen von 13 – 16 Uhr

Abschließend noch 3 Beispiele (und das große Vorbild) aus der Serie VERSUCH ÜBER DEN KOPF EINES SCHIMMELS VON GERICAULT (2025).

Das große Vorbild und eine große Inspiration: Kopf eines Schimmels von Théodore Géricault © LOUVRE

 

© Fred Hüning

© Fred Hüning

© Fred Hüning

 

Anzeige

Dir hat der Beitrag gefallen? Teile ihn über Social Media. Du möchtest etwas dazu sagen? Weiter unten gelangst du zu den Kommentaren.

https://blogs.taz.de/fkk/im-jahr-des-feuerpferdes/

aktuell auf taz.de

kommentare