
Von Dena Kelishadi
Am Anfang dieser Veranstaltung stellt die Schriftstellerin eine Frage an das Publikum im Zelt 3: „Was nervt Euch?“ Das Publikum darf auswählen: Typen, die auf die Straße pinkeln? Öffentliche Toiletten, für die man 50 Cent zahlen muss und die keine Möglichkeit zum Tamponwechseln bieten? Leute, die sich in der U-Bahn übermäßig breitmachen? Und zuguterletzt: wenn Frauen Angst haben, nachts von Männern belästigt zu werden?
Mit ihren Kurzgeschichten schafft die Literaturwissenschaftlerin Joey Juschka einen Perspektivenwechsel, mit dem Ziel eine neue, verbesserte Welt aufzuzeigen, und gleichzeitig die Bestehende ein bisschen zu verbessern. Mal witzig, Mal nachdenklich sind Juschkas Lösungen auf nervtötende Mitbürger, die sich in der U-Bahn daneben benehmen oder Lösungen auf fehlende Toiletten im Alltag. Ihr roter Faden: Literatur, die Probleme löst, Kurzgeschichten über fiktive Gesetze.
Bevor sie das Schreiben zu ihrer Hauptbeschäftigung machte, hat Juschka als Performance-Künstlerin und Fotografin gearbeitet. Am Ende jedoch entschied sie sich für das Schreiben als politisches Ausdrucksmittel. Das Schreiben sei einfach das, was sie am Besten könne.
Ihren längsten Text, „SCHAF e. V.“, hat Juschka auch in der taz veröffentlicht und gewann damit 2011 den taz-Publikumspreis vom Open Mike. Der Text handelt von einem Verein, dessen Mitarbeiter sich „zum Schutz alleinlaufender Frauen“ in Berlin im 1,50 Euro-Job-Status auf Streife begeben.
Manchmal ist der Ich-Erzähler von Juschkas Geschichten ein grobschlächtiger Kraftprotz und Streuner. Einer, der seine Tage damit verbringt, ziellos durch die Kreuzberger Straßen und Parks zu tigern. Dann wieder wechselt Juschka die Perspektive und schlüpft in die Rolle einer pfiffigen Rechtsanwältin, die nachts wildpinkelnde Männern bei ihrer Missetat überrascht und sie mit selbstgefälliger Schadenfreude zur Kasse bittet – je nach Lust und Laune zwischen 5 Euro und 300 Euro (sich auf den Gesetzestext „Kann-Vorgabe“ beziehend).
So eingängig, wachrüttelnd und echt sind ihre Texte, dass Juschka schon einige ihrer Zuhörer nach einer Lesung zu ihr kamen und sich vergewissern wollten, ob es die beschriebene gesetzliche Strafe für das Urinieren wirklich gebe.
Zum Schluss fragt Juschka das Publikum, was sie sonst noch so stören würde. „Rassistische Äußerungen“, ruft eine Frau aus der zweiten Reihe. Vordrängeln an der Supermarktkasse, oder beim Einsteigen in die Bahn. Hundekot.
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