vondorothea hahn 29.10.2010

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Nicandra Diaz Santillan. Diesen Namen sollten Sie Sich merken.

Nicandra Diaz Santillan.

Er gehört einer jungen Frau, die offiziell gar nicht in den USA sein darf. Sie hat weder Aufenthaltsrecht, noch Arbeitsrecht.  Schon gar nicht darf sie wählen.

Trotzdem hat Nicandra Diaz Santillan den Ausgang der Gouverneurswahlen in Kalifornien stärker beeinflusst, als jede andere einzelne Person. Mit einem einzigen öffentlichen Auftritt im September hat sie Meg Whitman zu Fall gebracht. Die ehemalige eBay-Chefin und Milliardärin, die für die Republikaner für das Gouverneursamt kandidiert.

„Nicki“ hat Meg Whitmans Glaubwürdigkeit bei rechten Wählern erschüttert. Und hat sie für Latinos, die in Kalifornien mehr als ein Fünftel der Wähler und von allen Seiten umworben sind, unwählbar gemacht.

Die junge Frau war neun Jahre lang Hausangestellte bei Meg Whitman. An dem Tag, als sie ihrer Arbeitgeberin Auge in Auge ihre Situation erklärt hat und sie um Unterstützung bat, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen, schmiß ihre langjährige Chefin sie raus. „Ich kenne Dich nicht mehr und Du kennst mich nicht mehr“, sagte die Milliardärin ihrer Hausangestellten zum Abschied.

Die junge Frau ist überzeugt, dass Meg Whitman schon lange wusste, dass sie keine Papiere hatte. 2003 sorgte zusätzlich eine Behörde für Meg Whitmans Information. Die Sozialversicherungsstelle schickte einen Brief, weil etwas mit der Sozialversicherungskarte von Nicandra Diaz Santillan nicht in Ordnung war. Meg Whitman behauptet, sie habe diesen Brief nie erhalten.

Seit der Pressekonferenz von Nicandra Diaz Santillan, die unter den Fittichen der kalifornischen Staranwältin Gloria Allred vor die Medien trat, befindet sich die Sympathiekurve für Meg Whitman in freiem Fall. Nachdem sie im Frühsommer in den Meinungsumfragen noch besser abschnitt, als ihr demokratischer Gegenspieler Jerry Brown, liegt sie jetzt zehn Punkte hinter ihm.

Meg Whitman.

Meg Whitman hat 142 Millionen Dollar aus ihrem Privatvermögen für ihre Kampagne ausgegeben. Ein Bruchteil davon hätte gereicht, um einen Migrationsanwalt zur Betreuung von Nicandra Diaz Santillans Antrag zu engagieren.

Stattdessen versucht die Milliardärin weiterhin, ihrer Ex-Hausangestellten das Leben schwer zu machen. Vier Tage vor der Wahl und vor ihrer erwarteten Niederlage hat Meg Whitman ihre Attacken gegen Nicandra Diaz Santillan noch verschärft. Nachdem sie wochenlang behauptet hat, hinter deren Enthüllung stecke ein Manöver ihrer politischen Gegner, verlangt die Politikerin jetzt öffentlich, dass die junge Frau aus den USA abgeschoben wird.

Nicandra Diaz Santillan ist eine von geschätzten 12 Millionen „Illegalen“ in den USA. Formal mögen sie keine Rechte haben. Aber politisch können sie trotzdem stark sein. Das hat Meg Whitman unterschätzt.

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