vonSigrid Deitelhoff 25.09.2019

Prinzenbad-Blog

Freibad-Wetter, gefühlte Wassertemperatur, Gespräche und Gedanken unter der Dusche – der Blog über Deutschlands berühmteste Badeanstalt.

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Zugegeben: Jetzt ist es früh morgens schon ziemlich frisch. Aber die Becken im Prinzenbad sind immer noch schön warm. Ein Bademantel oder ein dickes Schwimmtuch um sich herumgeschlungen und der Weg zu den Schwimmbecken ist erträglich. Eigentlich ist jetzt die schönste Zeit, um Schwimmen zu gehen. Die meisten von uns haben oft eine Bahn für sich allein zum Trainieren. Aber das wissen die wenigsten.

Ich stehe im Umkleidebereich und suche meine „Sieben Sachen“ für die Dusche zusammen. In unmittelbarer Nähe steht eine junge Frau, die ihren rechten Fuß in einen Neoprenanzug hineinmanövriert. Fasziniert schaue ich zu. Was für eine Qual! Ich gehe zum Duschen. Zwanzig Minuten später komme ich in den Umkleidebereich zurück. Das rechte Bein der jungen Frau steckt nun im Hosenbein des Neoprenanzugs. Nun ist sie damit beschäftigt, ihr linkes Bein in den Gummi- bzw. Kautschuk-Anzug zu fädeln. Währenddessen tropfen ihr die Schweissperlen von der Stirn.

„Das sieht nach einer ganz schönen Quälerei aus“, sage ich zu ihr. Sie nickt und bestätigt: „Ja, das ist es auch. Eigentlich muss der Anzug auch Trocken angezogen werden. Aber ich habe vorher geduscht und jetzt dauert es um so länger.“

Ich frage sie, warum sie eigentlich einen Neoprenanzug bräuchte. Das Wasser sei doch recht warm.

„Wie? Das Wasser ist warm?“, fragt sie.

Ich: „Ja, ja – besonders das hintere Becken, das Sportbecken mit den Wettkampfleinen. Das hat schon so an die 24 Grad Wassertemperatur.“

Leicht irritiert antwortet sie, dass sie das nicht gewußt habe. Aber sie würde auch immer schnell frieren.

Nun sind die Arme dran. Die müssen auch noch im Neoprenanzug verstaut werden.

Fremdschwimmerin oder Seeschwimmerin oder beides, denke ich, während die junge Frau ihren rechten Arm in den Ärmel des Neoprenanzugs quält. Ich verabschiede mich und gehe kurz Kaffeetrinken. Als ich eine viertel Stunde später die Cafeteria verlasse, begegnete mir die junge Frau erneut. Diesmal auf dem Weg vom Becken zurück zu den Duschen. Vielleicht ist es ihr im Neoprenanzug dann doch zu warm geworden.

Na, ob sich die Quälerei für eine viertel Stunde Schwimmen überhaupt gelohnt hat? Und nun beginnt die Auszieh-Quälerei… Ich darf gar nicht daran denken!

Foto oben: ©Sigrid Deitelhoff
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https://blogs.taz.de/prinzenbad/2019/09/25/junge-frau-im-neopren/

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kommentare

  • Naja, also ich finde das Wasser im Mehrzweck-/Sportbecken nicht warm. Und das geht nicht nur mir so. Einige haben bereits vor Wochen in die Schwimmhalle gewechselt, weil sie nicht mehr als 1000 m durchhalten.
    Ich hatte in dieser Saison leider nur wenige Male das Gefühl, dass die Heizung an war, also dass warmes Wasser hinzukam während ich schwamm. Ich würde auch einen Neoprenanzug anziehen, aber der Aufwand lohnt sich für meine 30 Minuten nicht ;-).
    Ich habe gestern Nachmittag, nachdem ich aus dem hinteren Becken kam, meinen Fuß ins Kinderbecken gehalten und da war es warm, hinten aber leider nicht.

    Noch dazu kam, dass neulich die Duschen in den linken Umkleiden nur lauwarm waren. Nicht nur ich kam mit kalten Händen (und blauen Lippen) aus der Dusche.

    Ich wünsche mir für die nächste Saison, dass das Wasser im Mehrzweck-/Sportbecken etwas wärmer ist und die Duschen immer heiß sind :-). Allen ein schönes Abbaden und dass wir den Winter trotz eingeschränkter Möglichkeiten einigermaßen überstehen. Ich freue mich auf April 2020.

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