Reality Glitch Bio

Im Alltag wird oft gelebt wie in verbrauchter Luft. Gewöhnliche Szenen fliegen vorbei wie unsichtbare Fliegen. Sie spüren, aber nicht verstehen können, nervös werden, panisch zu einer verfügbaren Kategorie greifen, sie dort hinein zwängen – und wieder mal die Chance verpassen, alles ganz anders zu sehen. Doch die Szenen kehren immer wieder zurück, sie kommen und gehen wie Meeresbrandung, kleben wie ein Kaugummi an der Schuhsohle, spionieren herum wie eine Überwachungskamera auf der Suche nach Verdächtigem.

Reality Glitch versucht, Situationen des Alltags, den Philipp Rhensius auf Spaziergängen durch Städte, Körper, Landschaften, Politik und Sounds erlebt, eine Form zu geben, die den üblichen Jump-Cut zwischen Beobachtung und Beurteilung vermeidet: eine Szene auf Stopp schalten, während sie geschieht. Nahe heranzoomen. Schauen, woraus sie besteht. Mit ihr kurz tanzen, bevor sie langweilig wird oder bricht, weil zu fest auf ihre Oberfläche gelehnt. Sie dann auseinandernehmen und wieder neu zusammensetzen.

Alltag, kleine gewöhnliche Szenen, die schockieren, belustigen oder gar traumatisieren, auch das ist Politik, nicht nur die großen Begriffe wie Kapitalismus oder Klimawandel, vor denen sich brav gefürchtet werden soll wie Hunde vor ihren Herrchen.

Ein seltsames Schreib-Experiment, mal poetisch, mal hyperreal, mal literarisch, mal wtf!?. Der Inhalt macht die Form, nicht umgekehrt. Keine Ahnung, ob das funktioniert. Doch ein Versuch ist es wert. Bock drauf?


Philipp Rhensius aka Alienationist ist freier Autor, Musiker, Soziologe und Redakteur von Norient. Seine Texte und Musikprojekte sind u.a. von der Idee getrieben, dass das Fühlen der Ketten ein erster Schritt der Emanzipation ist. Bei Norient arbeitet er mit Künstler*innen, Denker*innen und Autor*innen aus über 50 Ländern zusammen zur Förderung des (sub)kulturellen Dialogs über Menschen, Kontinente und Disziplinen hinweg. In seinen Musik-Projekten (Kl.ne, aphtc, Alienationst, INRA) und mit dem Label Arcane Patterns verschmilzt Rhensius Sonic Fiction, Clubmusik, Poesie und queere Theorie. Seine Essays und Artikel werden u.a. in der Taz, Spex, FAZ, NZZ und diversen Buchbänden veröffentlicht.

Kontakt: IG