vonSchröder & Kalender 01.06.2020

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Der Bär flattert munter in südwestlicher Richtung.
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»Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen; es grünten und blühten Feld und Wald …«, heißt es in Goethes Epos „›Reineke Fuchs‹“.

Und wir spazierten an diesem Feiertag auf unserem Philosophenpfad im Schöneberger Volkspark. Als wir den Brunnen mit dem goldenen Hirschen passiert hatten, lief plötzlich eine Hündin neben uns. Sie sah aus wie eine Füchsin, allerdings waren nur die Pfoten, der Schwanz und die Ohren rot, ihr Kopf und ihr Körper dagegen dunkel-braun. Wir nannten sie Ermelyn – wie Reineke Fuchs’ Frau, die nicht weniger listig ist als ihr Gatte.


Foto: Barbara Kalender
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Wir hörten, wie hinter uns jemand brüllte: »Ey Sie, ich will in Ruhe mein Bier trinken!« Wir sagten uns: »Soll er doch. Wer hindert ihn denn daran?« Die Hündin tat so, als ob sie zu uns gehörte, nur ab und zu blieb sie kurz stehen, schnupperte, achtete dann stets darauf, gleich wieder bei Fuß zu gehen. Andere Hundebesitzer, die uns entgegen kamen, bewunderten unseren gut erzogenen Hund. Wir amüsierten uns darüber, da schrie wieder der Kerl: »Mann, ich muss ja Kilometer laufen! Ey Sie, komm her, ich will in Ruhe mein Bier trinken!« »Was ist denn mit dem los?«, fragte Jörg. Die Stimme wurde immer wütender: »Ey Sie! Ey Sie! Ich will in Ruhe mein Bier trinken!« »Lass uns schneller gehen«, sagte Barbara, »ich will dem Besoffenen nicht begegnen.« Die Hündin lief ebenfalls schneller und schaute treu zu uns auf. »Was für eine tolle Füchsin«, meinte Jörg, »sie hat sich uns auserwählt.« »Wir werden Sie heute erst einmal bei uns schlafen lassen, Dienstag bringen wir Ermelyn ins Tierheim«, sagte Barbara, »und wenn sich niemand meldet, behalten wir sie, so ein braver Hund.«

Jetzt war der verrückte Brüller dicht hinter uns, wir drehten uns um und sahen ihn mit der Bierflasche in der Hand fuchteln: »Daisy, jetzt reicht’s aber! Komm sofort her, ich will in Ruhe mein Bier trinken!« Die Hündin blieb bei uns. »Mann, da muss ich ja Kilometer laufen! Daisy, komm her!« Nur widerwillig trottete sie zu ihrem Herrn und blickte sich noch einmal traurig um. Schade, wir hätten sie fast in unsere Feste Malepartus aufgenommen.

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Wer nun gern ›Reineke Fuchs‹ lesen möchte, kann dies hier online tun.

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BK / JS

 

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