vonFabian Schaar 11.01.2021

other society

Wie ist der Sprung in eine sozialere, gerechtere Zukunft möglich? Ein junger Mensch stellt sich Fragen.

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In den letzten Jahrhunderten hätte sich die Welt wahrscheinlich kaum rasanter verändern können, immerhin waren auf die Menschheit sowohl Industrialisierung, Globalisierung, zwei erschütternde Weltkriege und die sich immer weiter zuspitzende Klimakrise zugerollt. Doch in dieser Welt steht heutzutage im politischen Mittelpunkt, auch in Deutschland, eine Weltanschauung, die gegensätzlicher kaum hätte sein können: Der Konservatismus.
Statt einer sich im stetigen Wandel befindlichen Außen- und Umwelt mit Progressivität und neuen, hilfreichen Ideen entgegenzutreten, halten es viele WählerInnen wohl für besonders klug, alte „Werte“ zu „erhalten“. Nur am Rande, sollten die Vorstellungen des Konservativismus noch weiter in die politische Rechte abwandern, sollten wohl vielmehr von der Erhaltung ewig gestriger Schwafeleien die Rede sein.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Was bewegt eigentlich die Wählerschaft von Konservativen in CDU und Konsorten zu ihrer Entscheidung? Wenn man sich ein paar der so oft angepriesenen Werte mal anschaut, können diese wohl kaum ausschlaggebend sein:
Die Fokussierung auf ein „klassisches“ Familienbild beispielsweise, sorgt in der Moderne wohl einzig für große Fragezeichen in den Köpfen glücklich „anders“ lebender Menschen und noch aufgeblähtere Ausrufezeichen auf den Facebook-Posts der Konservativen, keineswegs aber für eine gesellschaftspolitische Weiterentwicklung. Theoretisch sollte sich das doch kein rational denkender Politiker und keine logisch argumentierende Politikerin auf die Fahnen schreiben, oder?
Naja, vielleicht schneiden Konservative ja in anderen Punkten besser ab, nehmen wir Religion (wo wir doch gerade so schön über Rationalität nachgedacht haben…). Die selbsternannt „bürgerlich-konservative“ Rechtspopulistenpartei AfD wirbt so z.B. mit dem Slogan „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ und gibt vor, christliche Werte erhalten zu wollen. Lügenpartei, Lügenpartei: Die AfD übt unter dem Argument der christlichen Nächstenliebe vielmehr bei jeder Gelegenheit Nächstenhass unter anderem gegenüber Muslimen und Muslimas aus. Dazu kommt noch, dass sich der Islam aus dem Christentum entwickelte: Gläubige des Islam sehen Jesus Christus als Propheten an. Mit der Emotionalisierung des gewaltbereiten Islamisten wird also Stimmung gegen eine komplette Religion gemacht, von der am Ende niemand profitiert außer die AfD selbst.
Schon höre ich einige alte weiße und privilegierte Männer rufen: „Die (Rechts-)Konservativen Parteien vertreten die Interessen der bürgerlichen Mittelschicht!“
In meinen Augen ein krachender Widerspruch, vertritt die CDU in Regierungsverantwortung und als größte Fraktion im Bundestag wohl am stärksten die Interessen der Großkonzernlobby und anderer Wirtschaftsakteure, oft ärmlich bekleidet mit dem Strohmannargument der Arbeitsplätze. Viel Geld geht also an die großen Unternehmen, die gleichzeitig oftmals zu den Höchstverbrauchern fossiler Energien zählen. Hier werden also Arbeitsplätze erhalten, die durch einen längst überfälligen Strukturwandel sowieso wegfallen und durch neue ersetzt werden sollten. Da allerdings Weitsicht nicht wirklich zu den Werten der Konservativen zählt, wird das mit CDU-Regierung oder GroKo nicht sonderlich einfach. Aber ja klar, wir schaffen das, der Status quo hält das schon aus…

Fazit

Nach Betrachtung dieser wenigen Punkte scheint es für mich so, als würden Konservative einer Welt hinterhertrauern, in denen Männer ihre Ehefrauen legal vergewaltigen und Industrieschornsteine die Atemluft ungenießbar machen durften.
Im 21. Jahrhundert wird deutlich, dass das starre Dogma, welchem Konservative häufig folgen, nicht zielführend sein kann und dementsprechend auch nicht ist. In turbulenten Zeiten ist Kritikfähigkeit wichtiger als je zuvor, weswegen die strikte Festlegung „Früher war alles besser“ schlicht Unsinn ist. Demokratie lebt davon, dass Argumente aneinander gemessen werden und nicht stumpf behauptet wird, das eine sei besser. Auch Konservative müssen also einsehen, dass sie vielleicht nicht zu 100% Recht haben und sollten eigene Argumente (wie jede andere politische Richtung auch) nochmals überdenken. Was soll denn schon schiefgehen, ist man sich im Moment doch immer so sicher, das Richtige zu tun. So wirkt es jedenfalls nach außen.

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