vonFabian Schaar 27.06.2022

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Politik, Gesellschaft und das Dazwischen.

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Wie der SPIEGEL heute Mittag titelte, geht es der armen, armen katholischen Kirche gaaanz schlecht: „Katholische Kirche meldet so viele Austritte wie nie“. Da bin ich jetzt aber traurig, dass die arme, arme katholische Kirche im vergangenen Jahr an die 360.000 Mitglieder verloren hat – dabei ist die Kirche doch so ein grundsympathischer Verein: In einer Welt, die immer schlimmer wird, in dem die Diktatoren reihenweise durchzudrehen scheinen, in so einer Welt ist eine Institution wie die Kirche doch wichtig.

Auf Anhieb fällt mir kaum ein Verein ein, der derartig die Zeichen der Zeit immer und immer wieder verpasst, und auch noch stolz darauf ist. Immerhin sind das ja die guten alten christlichen Werte, die unser tolles, westliches Abendland doch ausmachen. Ach, was würde nur aus der Gesellschaft werden, wenn die Kirche nicht ihren Riegel vor alles Progressive schieben würde – nicht auszudenken wäre das.

Wo kämen wir denn, bei Gott, hin, wenn man homosexuelle Paare segnen dürfte – dann hätte man ja auch keine Zeit mehr um den Fahrradständern dort drüben ihren wohl verdienten Segen zuzusprechen. Wo kämen wir denn hin, wenn die katholische Kirche ihre Missbräuche an Kindern aufarbeiten würde, dann hätte man ja gar keine Zeit mehr, sich um die Einnahmen aus der Kirchensteuer zu kümmern – ach ja, die hat übrigens nichts mit einem angeblich religionsneutralen Staat zu tun, der angeblich BRD heißt – also hab ich mal gehört, glaube ich.

Keine Religionsinstitution ist heute ein derartiger Anker für all die ewig gestrigen in Deutschland, und alle die es werden wollen, wie die heilige christliche Kirche katholischer Prägung. Die arme, arme katholische Kirche hat jetzt wirklich nur noch 21.645.875 Mitglieder. Skandal!! So was darf es doch nicht geben, das ist doch wider die Natur. Wehe irgendjemand hinterfragt diese unüberwindbare Inkarnation der Logik (ihr Ketzer!!).

Aber gut, was weiß ich schon, gegenüber dem Allwissenden da oben? Was gibt mir das Recht, mich hier derartig unironisch und in vollem Ernst gegenüber meiner Lieblingsinstitution, der Kirche zu äußern? Der heilige Vater war das schon mal nicht.. Vielleicht brauche ich zur Beruhigung etwas Opium des Volkes, mal sehen vielleicht legalisiert die Ampel das ja auch noch, die FDP ist doch so progressiv, nicht wahr?

Michail Bakunin hat einmal geschrieben: „Wenn Gott existiert, ist der Mensch ein Sklave; der Mensch kann und soll aber frei sein: folglich existiert Gott nicht. Ich fordere jeden auf, diesem Kreis zu entgehen, und nun mag man wählen.“

Intellektuell ist dagegen natürlich nichts auszusagen, aber religiös, ich bitte darum: Immer diese Sozialanarchisten, die sich einbilden für die Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Selbstbestimmung argumentieren zu können, gegenüber der Allmacht, der uneingeschränkten Allwissenheit, der unanzweifelbaren Unfehlbarkeit eurer Allmächtigen Hoheit irgendwo da oben zwischen Milchstraße und Andromedanebel.

Was hat die heilige christliche Kirche denn bitte falsch gemacht, kann mir das mal jemand sagen? Nein? Sag’ ich doch, unfehlbar der Laden.

In Ewigkeit Amen, Heureka und 666,
Ihr Judas.


Quelle: https://www.spiegel.de/panorama/katholische-kirche-meldet-so-viele-austritte-wie-nie-a-5e72823d-0dd7-47ba-a6b6-6684d974bcb4


Für alle, die sich tatsächlich mal mit dem Thema auseinandersetzen wollen:
https://fab161.neocities.org/anarchismus/anarchismus-vortrag.html


Disclaimer: Dieser Beitrag ist nicht als persönliche Kritik gegenüber Gläubigen egal welcher Religion zu sehen, sondern sollte vielmehr als institutionelle Kritik verstanden werden. Für alle, die nicht drüber lachen können: Jede/r darf meiner Meinung nach glauben was er/sie will, darüber nachdenken kann trotzdem nicht schaden, oder?


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Dieser Text von Fabian Schaar ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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