vonCaro 11.03.2020

Fotoblog Streetart

Geklebtes, Geschriebenes, Gesprühtes – es gibt Vieles, was die Straßen der Stadt erobert. Hier gibt es Fotos davon zu sehen.

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Direkt neben der Wache des Bundesinnenministerium in Berlin sind zwei große Werbewände. Diese wurden kürzlich verändert – seht selbst!

„Nachdem das „Besonderes Amt für Veralberung (BfV) bereits das Bundesamt für Verfassungsschutz mit einer Personalwerbekampagne trollte, folgte nun der nächste Streich der Kommunikationsguerilla. „Weil die Geheimdienste im Innenministerium sich so gern mit Adbustings beschäftigen, statt z.B. ernsthaft was an dem Problem zu ändern, dass sie auf dem rechten Auge blind sind, haben wir ihnen direkt welche vor die Tür gehängt“ sagt Cora Maaßen, Sprecher*in des BfV.“ (Alle Zitate sind aus der gestrigen Pressemitteilung der Adbusters).

„(D)ie Aktivist*innen des Besonderen Amtes für Veralberung (BfV) (veränderten (…)) den Slogan eines Hörbuchvertriebs: „Mit dem Känguru Zähne putzen, zur Arbeit gehen, den Haushalt schmeißen, an der Spree spazieren, einschlafen. Lustige Adbustings für jeden Geheimdienst.“ Umso deutlich ist der Warnhinweis, den sie zusätzlich angebracht haben: „Statt Nazis zu jagen, verfolgen die Behörden im Terror-Abwehrzentrum linke Adbustings“. „Wo bisher eine Krankenkasse Werbung machte, steht nun: „Für unsere Gesundheit und die aller anderen: Grenzen öffnen. Abschiebungen stoppen. Polizeigewalt ächten“ und „Adbustings statt Innenpolitik!““

Hintergrund der Kritik am Innenministerium und Geheimdienst ist die Verfolgung und Repression von Adbusting-Aktivist*innen, die seit 2018 mit Hausdurchsuchungen und Terrorvorwürfen überzogen wurden. Die Aktivist*innen weisen darauf hin, dass das Innenministerium sich besser mit Rassismus und Faschismus in den eigenen Reihen auseinandersetzen sollte, anstatt Bastler*innen, die mit Papier und Klebe gesellschaftliche Verhältnisse kritisieren, zu verfolgen.

„Mit dieser Meinung stehen Cora und das BfV nicht allein. Auch die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke sagte zur systematischen Überwachung von Adbustings durch die Geheimdienste: „Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Sicherheitsbehörden womöglich deswegen gleich ‚Gewalt‘ und ‚Extremismus‘ rufen, weil die Plakatkünstler mit ihrer Kritik an Gewalt durch Polizei und Militär durchaus ins Schwarze getroffen haben. Getroffene Hunde bellen. Völlig überzogen ist zudem, dass sich sogar das Gemeinsame Extremismus- und Terrorabwehrzentrum bereits vier Mal mit dieser Form der kritischen Plakatkunst befasst hat. Wenn Geheimdienste und Polizeibehörden Kritik an ihnen gleichsam als Terroraktion diskreditieren, wird offensichtlich, dass sie jeden realistischen Blick auf die tatsächliche Bedrohungslage in Deutschland verloren haben. Das ist nicht mehr lustig.“ (Mehr Infos hier – auch zu den kleinen Anfragen an den Bundestag durch Ulla Jelpke)

„Ähnlich äußerte sich auch die Berliner Abgeordnete Anne Helms: „Antimilitaristische Meinungsäußerungen sind kein Terrorismus. Das sieht der Staatsschutz scheinbar anders und wertet „Adbusting“ nicht nur als schweren Diebstahl, sondern auch als politisch motivierte Kriminalität – natürlich von links! Gegen Menschen die mit „Adbusting“ lediglich kritisch auf gesellschaftliche Verhältnisse aufmerksam machen wollen, werden allumfassende Ermittlungen, Hausdurchsuchungen und Gerichtsverfahren angestrebt. Da stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit.Mehr Infos hier zum Hintergrund der Repression.

„Dank des Adbustings direkt vorm Innenministerium müssen die Geheimdienste auch nicht so doll suchen, denn man darf politisch Einäugigen nicht zu viel zumuten“ erklärt Cora: „Unsere Aktion zeigt, dass die das nicht mal mitbekommen, wenn die Kommunikationsguerilla ihnen direkt vor den Augen auf der Nase rumtanzt“. Außerdem hofft das Besondere Amt für Veralberung, sich mit der Aktion einen Platz im nächsten Bundesverfassungsschutzbericht gesichert zu haben: „Wenn’s weniger als eine Seite geheimdienstliche Gratis-Werbung gibt, sind wir beleidigt.“ grinst Cora frech.“

Am Freitag (13.03.2020 um 20:00 Uhr) ist übrigens die Buchvorstellung der zweiten Auflage von „Unerhört – Adbustings gegen die Gesamtscheiße“ im Buchladen „Schwarze Risse“ im Mehringhof.

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