vonErnst Volland 17.07.2024

Vollands Blog

Normalerweise zeichnet, schneidet, klebt Ernst Volland, oder macht Bücher. Hier erzählt er Geschichten.

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Wieder einmal kam es zum Bruch. Aus mir nicht ersichtlichen Gründen schickte mich meine Partnerin erneut in die Wüste. Diese befindet sich eine Fahrradstunde entfernt. Es ist mein Wohnstudio. Dort arbeite ich. Die Ausstattung der Küche lässt einiges zu wünschen übrig, es fehlt das eine oder andere Gerät, dass sich inzwischen in den meisten modernen Küchen befindet, dafür sorgen etliche TV Küchenshows. So fehlt bei mir eine Kaffeemühle, sowohl elektrisch und auch mit Handbetrieb. Kaum war ich aus der Tür meiner Partnerin, lief sie mir auf der Trepe hinterher und drückte mir kommentarlos eine ausrangierte Pfanne in die Hand. Sie wusste, dass ich nur eine einzige, nicht besonders gute Pfanne besaß. Ich stopfte sie in meine Fahrradtasche und fuhr Richtung Süden in mein Studio. Am Wochenende kaufte ich mir einen Wolfsbarsch aus dem Fischeparadies. Die Pfanne musste für diesen Fisch gereinigt werden. Als sie an die Reihe kam, tauchte ich sie tief in das Laugenwasser und drückte den harten Scheuerschwamm in das Eisen. Dann hörte ich ein knackendes Geräusch. Ich zog die Pfanne aus dem Wasser und hielt nur den Stiel in der Hand. Er war abgebrochen. Was für eine symbolische Handlung mit Blick auf unsere Beziehung. Getrennt hatten wir uns des öfteren, es gelang mir jedoch immer wieder den Schaden zu reparieren und die Beziehung wieder flott zu kriegen. Beide Teile der Pfanne landeten im Müll, eine Reparatur lohnte sich nicht. Der Wolfbarsch verschwand vorübergehend im Eisfach des Kühlschranks. Zwei Briefe waren noch zu schreiben, dann wollte ich zu einem Freund und einer launigen Essensrunde. Kurt war ein hervorragender Koch, ein noch besser Gastgeber und die Ausstattung seiner großräumigen Küche makellos. Es wurde bereits dunkel, die Briefe waren geschrieben und ich machte auf dem Weg zu diesem vergnüglichen Abend einen kleinen Umweg zu einem Briefkasten mit einem roten Punkt, der auch nachts geleert wurde. Neben dem Briefkasten zeigte sich mir ein riesiger Rücken, der sich gerade über eine Kiste beugte. Ich warf meine Briefe ein. Der Rücken sprach, ohne sich umzudrehen aus dem Dunkeln. „Brauchen sie etwas für ihren Haushalt?“. „Ja, eine Pfanne.“ Die Gestalt, eine Frau, in einem langen braunen Mantel, richtete sich auf und hielt mir eine Pfanne entgegen. „Vielleicht diese hier?“

In der Kiste im Schatten des Briefkasten lagen Tassen, Teller und allerlei Küchenuntensilien aus irgendeinem Haushalt der Umgebung, free for everybody. Eine sehr gute Idee.

Was halten Sie von dem Stück?“ Die Dame ging mit mir unter den Schein der Straßenlaterne. „Die ist ok, die können sie gut benutzen.“ Ich steckte die Pfanne in meine Fahrradtasche, bedankte mich und fuhr in die große Altbauwohnung von Kurt. Fünf Gäste waren bereits im Salon, tranken den ersten Champagner, es fehlte nur noch meine Person. Ich stieß mit allen an. Dann zog ich meine neue Pfanne aus der Fahrradtasche, zeigte sie Kurt und fragte nach der Qualität. Kurt ging in seine Küche, holte eine fast identische aus seinem Küchenschrank und sagte. „Da hast du ein Schnäppchen gemacht, die ist topp und gehört in die Kategorie teuer und gut.“ Ich erzählte, wie ich an die Pfanne vor einer halben Stunde gekommen bin, allgemeine Heiterkeit. Ich erzählte natürlich nicht von meinem symbolischen Gleichnis zerbrochene Pfanne, zerbrochene Beziehung. Die Möglichkeit einer neuen Beziehung schwirrte mir jedoch einige Tage durch den Kopf, dann rief ich meine Partnerin an. Ich brachte den vereisten Wolfbarsch mit, den wir dann zusammen in einer ihrer beschichteten Pfanne bruzzelten.

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