Zürich, die Medien und das Kokain

Kokain

Nach der Street Parade berichten die Medien regelmäßig über die Mengen der Drogen, die in Zürich normalerweise und während der Street Parade konsumiert werden. So titelte der Tagesanzeiger am 16. August 2013 „Doppelt so viel Kokain an der Street-Parade“, 20 Minten online „Zehn Mal mehr Ecstacy an der Street Parade“ und das Schweizer Fernsehen „Street Parade 2013: Party, Tanz und viele, viele Drogen“.

Was in den Medien nicht hervorgehoben wird ist die Tatsache, dass der Konsum von Kokain in der Züricher Bevölkerung in den letzten letzten drei Jahren weit stärker angestiegen ist als bei den Besuchern der Street Parade. Gemäß den Angaben von Rudolf Brenneisen, Pharmakologe an der Universität Bern, wurden im Sommer 2010 etwa 0,6 Kg reines Kokain an einem normalen Tag in Zürich konsumiert, im Sommer 2013 etwa doppelt so viel: 1,2 Kg. Pro Einwohner waren das somit 2010 etwa 1,5 mg, 2013 etwa 3,0 mg. Für diese Studie wurden in der Zürcher Kläranlage Werdhölzli während des gesamten Wochenendes immer wieder Abwasserproben genommen. Als Vergleichswert dienten Proben eines normalen Tages. Im Gewässerschutzlabor des Kantons Bern wurden die Proben anschliessend analysiert.

Im Jahr 2010 wurden an der Street Parade 2,0 Kg Kokain konsumiert, das heißt 1,4 Kg mehr als an einem normalen Tag. An der Street Parade waren damals 650.000 Personen anwesend, davon etwa 100.000 aus Zürich. Somit waren etwa 550.000 Personen aus anderen Regionen in Zürich zur Street Parade gekommen. Diese konsumierten im Schnitt somit 2,5 mg Kokain. Im Jahr 2013 wurden 3,4 Kg Kokain an der Street Parade konsumiert, also 2,2 Kg mehr als an einem normalen Tag. An der Street Parade waren etwa 950.000 Personen, davon etwa 850.000 aus anderen Regionen. Diese konsumierten im Schnitt somit 2,6 mg Kokain. Die Menge des konsumierten Kokains lag 2013 bei den Besuchern der Street Parade im Schnitt etwa 10 Prozent unter der Menge, die derzeit normalerweise in Zürich konsumiert werden.

In den letzten drei Jahren hat der Konsum von Kokain bei den Besuchern der Street Parade in Relation zur Besucherzahl um etwa 4 Prozent zugenommen, bei der Zürcher Bevölkerung hingegen um etwa 100 Prozent.

Kokain ist heute viel höher konzentriert

Gemäß Medienberichte zeigen aktuelle Werte, dass sich die Reinheit verglichen mit 2011 verdoppelt hat (von 25 auf 55 Prozent). Deshalb geht Pharmakologe Brenneisen davon aus, dass an dieser Street Parade ungefähr gleich viele Kokainlinien konsumiert wurden wie noch vor zwei Jahren. Mit dem großen Unterschied, dass diese von 2013 viel höher konzentriert sind. Dies Angaben widersprechen allerdings der neuesten Publikation des Drogeninformationszentrums Zürich (DIZ), wo die Mittelwerte und Mediane des Kokaingehaltes von 2007 bis 2013 angegeben sind. Der Mittelwert des des Kokaingehaltes stieg gemäß DIZ von 2011 bis 2013 von etwa 52 Prozent auf 57 Prozent, der Median von etwa 55 Prozent auf 64 Prozent.
Ecstasypillen
Zehn Mal mehr Ecstacy an der Street Parade

Insgesamt hat das Partyvolk übers Street-Parade-Wochenende 4,1 Kilogramm Ecstasy konsumiert, schreibt „Schweiz aktuell“ in einer Medienmitteilung. Vor zwei Jahren wurden an der Street Parade 350 Gramm Ecstasy konsumiert. Verglichen mit der letzten Messung von 2011 hat sich damit der Ecstasy-Konsum mehr als verzehnfacht. An einem normalen Wochentag werde in Zürich nur rund 160 Gramm konsumiert. In der Schweiz sind viele hochdosierte Ecstasy-Pillen im Umlauf, wie man auf der Website von Saferparty sehen kann.

Trotz des vielfach größeren Konsums von Ecstasy auf der Street Parade 2013 im Vergleich zu 2011 (+1071%) ist die Zahl der behandelten Patienten wegen übermäßigem Alkohol- und anderem Drogenmissbrauch leicht zurückgegangen. Gemäß Schutz und Rettung wurden 2011 genau 267 Interventionen notwendig, 2013 waren es 261 (-2,2%).

Vergleiche hierzu in diesem Blog:

29.05.2010: Samstag ist Kokstag

07.06.2010: Unterschwellige Manipulation

19.08.2011: Krasse Irreführung der Öffentlichkeit

 

1 Kommentar

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  1. Find ich echt gut das die taz so locker und objektiv darüber berichtet.

    Ich bin für eine Legalisierung aller Drogen, da erstens die Gesundheitsschäden der Abhängigen sehr viel geringer wären durch die reguliert ausgegeben reinen Substanzen anstatt den gestreckten und höchstgiftigen, außerdem würde der Staat eine große Menge Geld sparen die er durch die Kriminalisierung an die Verfolgung und den Drogenkrieg und die dadurch entstehende Kriminalität verliert.
    Manche sagen, dass dadurch auch mehr Leute Drogen nehmen würden; dem kann man allerdings erwidern, dass in Holland wo beispielsweise Cannabis legalisiert ist im Durchschnitt weniger Leute konsumieren als in anderen Ländern der EU. Außerdem ist es ja schon lange zu sehen das eine Prohibition nicht klappt wie z.B. in Amerika.
    Deshalb wär meiner Meinung nach eine Legalisierung aller Drogen für alle ein großer Vorteil: für die Bürger, die Konsumenten und den Staat.