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vonMathias Broeckers 26.01.2014

Drogerie

Aufklärung über Drogen – die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

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georg wurth_million_1_klGeorg Wurth und der Deutsche Hanfverband  (DHV) gewannen am Samstagabend  die “erste demokratische Millionärswahl”. Für den TV-Sender Pro7 war die „Millionärswahl“ ein Quoten-Flop, dessen Finale dann sogar aus dem TV ins Internet verbannt wurde. Für den Deutschen Hanfverband (DHV) dagegen war  die erste „demokratische Millionärswahl” ein Segen, den zu Beginn niemand erwartet hatte: eine Million Euro für die Kampagne um die Entkriminalisierung von Cannabis.

Seit zehn Jahren versucht der Hanfverband unter der Parole „Schluss mit Krimi!- Cannabis normal“ mit Kampagnen, Petitionen und Informationen, die Legalisierung von Cannabis in Deutschland voranzubringen – mit viel Engagement und gleichzeitig äußerst bescheidenen Mitteln. Dass jetzt auf einen Schlag das Zehnfache des aus Mitglieder,-und Spendeneinkommen akquirierten Jahresbudgets des Verbands hereinkommt – damit hatte Georg Wurth nicht wirklich gerechnet, als er sich im letzten Jahr wie 27.000 andere Menschen mit dem Projekt Hanflegalisierung bei der neuen Casting-Show von Pro7/Sat1 bewarb. Das Wissen aber, dass Kiffen kein Delikt stigmatisierter Gammler und Aussteiger mehr ist und auch in Deutschland (wie in den USA und vielen anderen Ländern) eine Mehrheit der Bevölkerung gegen die strafrechtliche Verfolgung des Hanfs stimmt, machte die Bewerbung keineswegs aussichtslos. Man mußte diese Mehrheit nur aktivieren – mit guten, einleuchtenden Argumenten. Dies ist Georg Wurth gelungen – er kam in die Vorauswahl, wurde in der noch im TV ausgestrahlten Sendung am 10. Januar ins Finale gewählt und bekam am Samstagabend die meisten Stimmen – vor zwei sozialen Projekten in Afrika, die Schulen oder Brunnen bauen wollen, und drei Musik,- und Tanzgruppen.

Der DHV könnte mit dieser Finanzspritze das  Ende der Hanf-Prohibition in Deutschland  definitiv einzuläuten. Zu aller erst und dringend für Patienten, denen  der Zugang zu  ihrer natürlichen Medizin nicht länger mit dem Verweis auf synthetische Hanfwirkstoffe verweigert oder mit bürokratischen Hemmschwellen erschwert werden darf – und sodann für jeden Erwachsenen, der Cannabis einfach nur zur Entspannung verwenden will. Dass eine Million Euro bei weitem nicht ausreichen, sollte dennoch klar sein. Das Budget der Gegner – der Profiteure von Prohibition, Repression und Verfolgung –  ist nach wie vor deutlich höher (der “War On Drugs” verschlingt global bekanntlich jährlich  Milliarden) – doch die Entkriminalisierung von Hanf ist der erste wichtige Schritt, den irrsinnigen “Krieg gegen Drogen” insgesamt zu beenden. Diese Million für die Legalisierung wird Wellen schlagen und hat schon jetzt mit einem weit verbreiteten Vorurteil aufgeräumt: dass Kiffer den Arsch nie hochkriegen. Wobei: zum SMSen und Anrufen braucht man das ja auch nicht… Wie auch immer. Glückwunsch an  Georg und den DHV – und mit dem taz-Urgestein Christian Ströbele ein dreifach kräftiges : Gebt das Hanf frei!

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kommentare

  • Zuvor sende ich mein herzliches Dankeschön an Georg & alle Hanfaktivisten die ihn bei der Wahl unterstützt haben! Diese erfolgreiche Aktion konnte auch neue Zielgruppen erreichen und auch Skeptiker überzeugen, die Sachlage aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Möge es der Anfang vom Ende der Prohibiton auch in Deutschland bedeuten!

    NEWS für Cannabis Patienten & Führerschein:

    In einer Mail von Franjo Grotenhermen die Patienten, die ihn wegen einer medizinischen Verwendung von Cannabis und/oder Cannabinoiden konsultiert haben mich gerade erreichte, heißt es:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich möchte Ihnen ein Schreiben der Bundesanstalt für Straßenwesen zum
    Thema medizinische Verwendung von Cannabisprodukten und Führerschein
    bekannt machen. Darin wir betohnt, „dass die Beurteilung der
    Fahreignung bei medizinischer Verwendung von cannabinoidhaltigen
    Medikamenten den gleichen rechtlichen Regelungen unterliegt, wie bei
    anderen Medikamenten.“

    Hier der Link zum Text auf der IACM-Webseite:
    http://www.cannabis-med.org/german/fuehrerschein_bast_2014

  • Eine der größten Ungerechtigkeiten ist die automatische Meldung an die Führerscheinstelle. Geben Konsumenten die Nutzung von Cannabis zu, erfolgt eine Meldung an die Führerscheinstelle, obwohl niemals unter Rausch ein Kraftfahrzeug bewegt wurde. Die Folge ist der Entzug der Fahrerlaubnis mit allen gesellschaftlichen und oft auch beruflichen Konsequenzen. Hier wird es Zeit in der Moderne anzukommen.

  • Es wird endlich Zeit, dass die Verfolgung von Konsumenten aufhört. Die Polizei verschwendet so viel Zeit damit, Konsumenten zu verhaften oder anzuklagen. Kaum ein Cannabis-Konsument ist eine Gefahr für die Umwelt, aber die ganzen Alkoholiker, die am Wochenende Menschen überfallen, verletzten und/oder ausrauben, laufen weiter munter durch die Straßen. Es ist ein Unding, dass jemand mit wenigen Gramm Cannabis eine Freiheitsstrafe zu befürchten hat (ohne Bewährung!!) und weitaus schlimmere Delikte nicht so hart bestraft werden.

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