Cannabis: Retter in der Not

Hanfpflanzen

Für viele Patienten ist Cannabis ein wahrer Retter in letzter Not. Die Wirkstoffe in der Hanfpflanze helfen Schmerzen zu lindern, Spasmen und Krämpfe zu unterdrücken, den Brechreiz zu neutralisieren, den Appetit anzuregen, Entzündungen zu hemmen und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Doch das Gesundheitsministerium in Deutschland respektive das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) tun sich schwer mit dieser Erkenntnis und behindern die Abgabe von Cannabisblüten an Patienten immer wieder aus Neue. Dies geschieht, obwohl Gerichte seit Jahren im Sinne der Patienten entschieden haben und dem Ministerium respektive dem BfArM rechtswidriges Verhalten attestierten. So urteilte das Bundesverwaltungsgerichtes bereits im Jahre 2005 (BVerwG 3 C 17.04):

Nach Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG hat jeder das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Dieser Bestimmung kommt im Wertehorizont des Grundgesetzes eine große Bedeutung zu. Leben und körperliche Unversehrtheit sind in weiten Bereichen elementare Voraussetzung für die Wahrnehmung der übrigen Grundrechtsgewährleistungen. In das Recht auf körperliche Unversehrtheit kann nicht nur dadurch eingegriffen werden, dass staatliche Organe selbst eine Körperverletzung vornehmen oder durch ihr Handeln Schmerzen zufügen. Der Schutzbereich des Grundrechts ist vielmehr auch berührt, wenn der Staat Maßnahmen ergreift, die verhindern, dass eine Krankheit geheilt oder wenigstens gemildert werden kann und wenn dadurch körperliche Leiden ohne Not fortgesetzt und aufrechterhalten werden.

Was hier für den Staat postuliert wird, gilt auch für Krankenkassen. Auch Krankenkassen agieren im geltungsbereich des Grundgesetzes. Vielleicht hilft ihnen das Grundgesetz ja bei der Beurteilung der Situation ein auf die Patienten ausgelegtes Ergebnis zu finden und verweigern nicht mehr so häufig die Kostenübernahme von Cannabis als Medizin.

Tikun Olam – Reparatur der Welt

Der Begriff „Tikun Olam“ ist Hebräisch und bedeutet „Reparatur der Welt“ respektive „Weltverbessserung“. Der Begriff „Tikun Olam“ ist in diversen jüdischen Riten fest verankert und ist Ausdruck der messianischen Hoffnung und „Tikun Olam“ ist auch der Name der größten (legalen) Hanfplantage in Israel. Im Jahr 2007 gab das Gesundheitsministerium in Israel der Biologin Dora Cohen die Erlaubnis, 50 Hanfpflanzen für Schmerzpatienten anzubauen. Aus der kleinen Heimplantage ist inzwischen eine Weltbekannte Firma geworden, die Tikun Olam Ltd.

Heute betreibt die Firma Tikun Olam in der Nähe von Tzfat im Norden von Israel eine Hanfplantage in Gewächshäusern auf einer Fläche von 11.000 Quadratmetern. Zudem betreibt die Firma einen Laden für Patienten in der Ibn Gabirol Staße 138 in Tel Aviv. Das Motto der Firma lautet: „This is the GOD’S doing ; it’s marvelous in our eyes​​“ (Das ist Gottes Tat, es ist wunderbar in unseren Augen). Vergl. hierzu: „Israel’s Hidden Marijuana Farm Tikun Olam“ und „How Tikun Olam, an Israeli Company, grows medical marijuana wich doesn’t get you high, but retains all the medigal benifits“.

Israel gilt als das Mutterland der neueren Cannabisforschung. Am Weizmann-Institut für Wissenschaften, das in Rechovot südlich von Tel Aviv liegt, entdeckten die Professoren Raphael Mechoulam und Yehiel Gaoni im Jahre 1964 den Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) der Hanfpflanze. Später entdeckte Mechoulam auch die Wirkmechanismen des THC auf die Rezeptoren im Gehirn. Und Ruth Gallily, emeritierte Professorin für Immunologie an der Hebräischen Universität in Jerusalem, erforschte die Wirkung von Cannabidiol (CBD) und dessen angstlösende und entzündungshemmende Wirkung. Jedoch erst, nachdem ein Dokumentarfilm von Zach Klein zum Thema Cannabis als Medizin im Jahr 2009 im israelischem Fernsehen ausgestrahlt worden war, wurde diese Medizin in Israel langsam populär. Hatten vor dieser Fernsehübertragung nur etwa 400 Patienten in Israel eine Genehmigung für den Gebrauch von Cannabisblüten, so sind es heute weit über 10.000.

Heute bietet die Firma Tikun Olam verschiedene Sorten Cannabis an, so solche die nur THC und kein CBD enthalten wie Erez (23%), Or (20%), Alsaka (29%), Eran Almog (28%) und andere mehr. Andere Sorten enthalten sowohl THC als auch CBD, wie z.B. Midnight (13,6% und 13,9%), El-na (6,5% und 12,5%), Avidekel (1,1% und 16,9%) und Refael (1,1% und 18%).

A bud of super silver haze, original uploader was Psychonaught at en.wikipedia, released into the public domain (by the author).

Leafly – Der Cannabisgesundheitsführer aus Seattle

Leafly wurde im Juni 2010 von Scott Vickers, Brian Wansolich und Cy Scott in Seattle im Staat Washington gegründet. Leafly hat eine Datenbank entwickelt, mit deren Hilfe ein Patient beispielsweise erfährt, wo er Cannabis in den USA erhält und welche Sorte gegen welche Beschwerden hilft. Das Motto der Firma lautet: „The World’s Cannabis Information Resource“. Nach eigenen Angaben hat Leafly.com monatlich vier Millionen Besucher sowie rund 1,6 Millionen App-Downloads. Leafly ist verfügbar für iPhone, iPad und Android.

Auf der Website Leafly.com sind über 800 verschiedene Sorten von Cannabis beschrieben, mit Angaben zu medizinischen Indikationen, Wirkungen und Nebenwirkungen, Geruch und Geschmak sowie Orte in den USA, wo die jeweilige Sorte erhältlich ist. Mittels Filterfunktion können die Sorten nach indica, sativa oder hybrid ausgesucht werden, jedoch auch nach verschiedenen Effekten wie auch für verschiedene Krankheiten.

MyDx – Der Cannabistester

Für Patienten und Genießer wurde in La Jolla in Kalifornien von der Firma CDx Life ein Cannabistester entwickelt, der für 599 US-Dollar vertrieben wird. Das auf Basis von Nanotechnologie arbeitende Gerät ermittelt die Gehalte von verschiedenen Cannabinoiden in Marijuana, so den Gehalt an THC, CBD, CBN, CBG und THCV. Zudem können dann jeweils die Wirkungen der analysierten Probe aufgerufen werden. Die neue Einschätzung von Cannabis als Medizin und als Genussmittel in diversen Bundesstaaten der USA seitens der Bevölkerung und der Politik hat zu einem wahren Innovationsschub in Wissenschaft und Technik geführt. Nutznießer dieser Entwicklung sind somit nicht nur Patienten und Kiffer, sondern immer größer werdende Teile der Gesellschaft.

In Sachen Cannabis ist Deutschland sehr rückständig

Wie eingangs erwähnt, müssen aufgrund der restriktiven respektive prohibitiven Politik der Bundesregierung, Patienten immer noch mehr leiden als nötig. Doch nicht nur Patienten haben das Nachsehen, sondern auch die Wirtschaft, da die derzeitige prohibitive Politik die Forschung behindert respektive stark einschränkt. Die Politik der Bundesregierung gefährdet den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland. Um dies abzuwenden kann jeder einen Beitrag leisten: Die Petition Cannabis als Medizin unterzeichnen. Eine Neuausrichtung der Cannabispolitik in Deutschland käme nicht nur den Patienten zugute, sondern dem ganzen Land, denn diese würde einen Forschungs- und Innovationsschub auslösen und in der Folge die Wirtschaft ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen.

Vergl. hierzu den Artikel vom 18. August 2014 in diesem Blog: Petition Cannabis als Medizin

Kommentare (7)

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  1. jup, kiffen ist gesund. was für ein quatsch. genau die art von argumentation meine ich, leicht widerlegbar und kontraproduktiv.

    in der medizin gibt es für cannabis viele einsatzgebiete, kacke dass das in dtl. nicht genutzt werden darf.

    ich kiffe gern und fühle mich in meinem eigenverantwortlichen handeln eingeschränkt durch verbote.

    beides ist richtig, hat aber beides nicht das geringste miteinander zu tun. das ist der punkt.

  2. @chris, was heißt hier „Recht auf Rausch“? Cannabinoide wirken auch prophylaktisch (Krebs, neuroprophylaktisch zB gegen Demenzerkrankungen, Begrenzen von Entzündungen,…). Das ist in Deutschland genauso verboten wie gegen viele andere „Zipperlein“, wo es früher Volksmedizin war.
    Außerdem, muss man ja nicht bis zu einem Rausch „kiffen“, beim Feierabendbier will man das auch nicht, aber bei einem 2.,3.

  3. Ich denke, die ständige Vermischung von Recht auf Rausch und therapeutischem Nutzen bei chronischen Erkrankungen tut der Diskussion und Argumentation pro Cannabis nicht gut.

  4. Eine Schande das schon seit Jahrzehnten widerlegte Propaganda immernoch Grund für eine Prohibition von Cannabis ist. Ich leide schon seit Jahren unter einer chronisch wiederkehrenden Epstein Barr Virus Infektion (Pfeifferschen Drüsenfieber). Seit ich bei ersten Frühanzeichen einen Pfeifenkopf Gras rauche, bin ich nie mehr wirklich krank geworden. Der Wähler hat es ja selber in der Hand. Nur leider sind noch viele verblendet , auch zu meinem Leid, schliesslich muss ich sehen, wo ich meine Medizin herbekomme

  5. Ich finde es sehr spannend, dass die Rauschmittel Alkohol und Tabak gesetzlich toleriert werden (sogar deren öffentliche Bewerbung in Fernsehen, Plakaten etc.!!!) und vergleichsweise „harmlose“ Drogen wie Cannabinoide (ja, natürlich schädigen sie auch, aber ein Joint ist weniger schädlich als eine Aspirintablette und beide bringen anerkannten medizinischen Nutzen) enthaltende Substanzen nicht einmal als Medikament erhältlich sind. Selbst Diamorphin ist (in chemisch reiner Form) weniger toxisch als Alkohol. (Quellen bleibe ich schuldig, oh Gott!!! (^_-))
    Ich behaupte ein Fall von sehr erfolgreicher Lobbyarbeit.

    P.S. rhetorische Frage: Hat sich jemals ein bekannter Politiker einer etablierten Partei ernsthaft und sachlich mit diesem Thema auseinandergesetzt???

  6. Es wird Zeit, daß hier in BRD das Recht auf Therapiefreiheit endlich umgesetzt werden kann und jeder ohne gesetzliche Hürden Canabis als Heilmittel über die Apotheke zu einem erschwinglichen Preis beziehen kann. Und Canabis auch auf rezept von den Kassen übernommen wird. Der ungeregelte Schwarzmarkt und die Krimminalisierung von Menschen, die Canabisprodukte als Heilmittel einsetzen, muss endlich aufhören.

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