Trotz Cannabislegalisierung kiffen immer weniger Schüler in den USA

Noch nicht gerollter Joint (Bild ist gemeinfrei)

Derzeit ist Cannabis als Medizin in 28 Bundesstaaten der USA sowie  in Washington DC (District of Columnia, Hauptstadt der USA, nicht zu verwechseln mit dem Bundesstaat Washington an der Westküste) legal. Zudem ist in acht Bundesstaaten (Alaska, Colorado, Kalifornien, Maine, Massachusetts, Nevada, Oregon und Washington) sowie in der Hauptstadt Washington DC auch der Gebrauch von Cannabis zu Genusszwecken legal. Dort kann man ohne Angst vor Repressalien kiffen. Trotz der vielen Legalisierungsdebatten und der zunehmenden Legalisierung von Cannabis als Medizin wie auch von Cannabis als Genussmittel, wurde der Jugendschutz nicht beeinträchtigt – ganz im Gegenteil, in den USA kiffen immer weniger Schüler.

Gemäß ProCon (The Leading Source for Pros & Cons of Controversial Issues) können Patienten in zahlreichen Bundesstaaten ihre Medizin selbst anbauen, so in Alaska (bis zu 6 Pflanzen), Arizona (bis zu 12 Pflanzen), Kalifornien (bis zu 12 Pflanzen), Colorado (bis zu 6 Pflanzen), Hawai (bis zu 7 Pflanzen), Maine (bis zu 6 Pflanzen), Michigan (bis zu 12 Pflanzen), Montana (bis zu 12 Pflanzen), Nevada (bis zu 12 Pflanzen), New Mexico (bis zu 16 Pflanzen), Oregon (bis zu 24 Pflanzen), Rhode Island (bis zu 12 Pflanzen), Vermont (bis zu 9 Pflanzen) und Washington (bis zu 6 Pflanzen).

Die Zahl der Patienten, die legal in den USA Cannabis als Medizin nutzen, liegt derzeit bei etwa 1,25 Millionen. Der Anteil der Bevölkerung, der Cannabis als Medizin nutzt, variiert von Bundesstaat zu Bundesstaat sehr stark. In den folgenden Bundesstaaten nutzen gemäß ProCon-Analyse vom März letzten Jahres mehr als ein Prozent der Bevölkerung Cannabis als Medizin: Colorado: 1,98%, Kalifornien: 1,94%, Washington: 1,92%, Michigan: 1,84%, Maine: 1,83%, Montana: 1,32%, Arizona: 1,31% und Rhode Island: 1,24%.

Obwohl mit Cannabis als Medizin viele positive Erfahrungen gemacht wurden, gibt de immer noch Gegner dieser Entwicklung. Ein Anführer der Legalisierungsgegner ist der Republikaner Andrew P. Harris aus dem Bundesstaat Maryland. Harris behauptet, dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei und keinen medizinischen Nutzen habe. Einer der wichtigsten Sponsoren von Harris ist der Hersteller von Pharmazeutika Emergent BioSolutions in Rockville, Maryland. Emergent BioSolutions stellt u.a. Schmerzmittel her, die bei Krebserkrankungen häufig verschrieben werden. Cannabis wird auch in diesem Bereich eingesetzt und ist somit ein Konkurrenzprodukt zu den Produkten von der Firma Emergent BioSolutions. Cannabis ist jedoch verträglicher und die Gefahr einer Überdosierung ist weit geringer als bei einem Opioid. Gemäß einer Studie, die im Oktober 2014 publiziert wurde, ist die Häufigkeit von Todesfällen aufgrund von Überdosierungen mit Opioiden in Bundesstaaten, in denen Cannabis als Medizin zulässig ist, um 24,8 Prozent geringer als in Bundesstaaten, in denen es keine legale Abgabe von Cannabis als Medizin gibt. Doch für Harris ist Sponsoring wichtiger als Menschenleben.

Die Tabelle zeigt die Zeitreihe der Legalisierung von Cannabis als Medizin in US-Bundesstaaten von 1996 bis 2016.

Tabelle 1 zeigt die Zeitreihe der Legalisierung von Cannabis als Medizin in US-Bundesstaaten von 1996 bis 2016. In Kalifornien wurde 1996 über die Legalisierung von Cannabis als Medizin abgestimmt. 1997 wurden die ersten Abgabestellen eröffnet und seit 1997 können Patienten in Kalifornien Cannabis als Medizin nutzen. In der Zwischenzeit sind 28 weitere US-Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington DC hinzu gekommen. Derzeit können gut 60 Prozent der US-Bevölkerung bei Bedarf auf Cannabis als Medizin zugreifen.

Seit dem Votum der Bürger im Jahr 2012 können in den zwei Bundesstaaten Colorado und Washington die Einwohner auch Cannabis zu Genusszwecken ganz legal nutzen. In den folgenden Jahren folgten sechs weitere Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington DC mit der Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken. Dies führte dazu, dass heute in den Medien wesentlich differenzierter, sachlicher und oft auch positiver über cannabis berichtet wird als noch vor 15 oder 20 Jahren. Dennoch hat der Anteil der Schüler, die Cannabis konsumieren, seit der Einführung von Cannabis als Medizin 1997 in Kalifornien bis heute nicht zu-, sondern abgenommen.

Die Abbildung zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 8. Klasse von 1996 bis 2016. Datenquelle: Monitoring the Future Tab. 6 S. 68; Tab. 7 S., 76; Tab. 8 S. 82

Abbildung 1 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 8. Klasse von 1996 bis 2016. Datenquelle: Monitoring the Future Tab. 6 S. 68; Tab. 7 S., 76; Tab. 8 S. 82. Die obere blaue Linie zeigt die Jahres-Prävalenz (mindestens einmal im letzten Jahr konsumiert) des Cannabiskonsums. Dieser sank von 18,3 Prozent im Jahr 1996 auf 9,4 Prozent im Jahr 2016 um 8,9 Prozentpunkte respektive um 50%. Auch die Monats-Prävalenz (rote Linie) ist in diesem Zeitraum gesunken, insgesamt um knapp 5,9 Prozentpunkte respektive um 52%. Der tägliche Konsum (20 mal oder häufiger im letzten Monat gekifft) hat sich halbiert (- 53%). Auch in den letzten fünf Jahren ist in allen drei Kategorien eine signifikante Abnahme zu beobachten. Die Legalisierung von Cannabis als Genussmittel in Colorado und Washington und weiteren Bundesstaaten hat nicht zu einem Anstieg des Konsums bei jungen Schülern in den USA geführt.

Die Abbildung zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 10. Klasse von 1996 bis 2016. Datenquelle: Monitoring the Future Tab. 6 S. 68; Tab. 7 S., 76; Tab. 8 S. 82

Abbildung 2 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 10. Klasse von 1996 bis 2016. Datenquelle: Monitoring the Future Tab. 6 S. 68; Tab. 7 S., 76; Tab. 8 S. 82. In dieser Altersstufe sank die Jahres-Prävalenz von 1996 bis 2016 um 9,7 Prozentpunkte, die Monats-Prävalenz um 6,4 Prozentpunkte und der tägliche Konsum um 1,0 Prozentpunkte. Von 2013 bis 2016 ist in dieser Altersstufe in allen drei Kategorien eine kontinuierliche signifikante Abnahme zu beobachten.

Die Abbildung zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 12. Klasse von 1996 bis 2016. Datenquelle: Monitoring the Future Tab. 6 S. 68; Tab. 7 S., 76; Tab. 8 S. 82

Abbildung 3 zeigt die Zeitreihe des Cannabiskonsums von Schülern der 12. Klasse von 1996 bis 2016. Datenquelle: Monitoring the Future Tab. 6 S. 68; Tab. 7 S., 76; Tab. 8 S. 82. In dieser Altersstufe sank die Jahres-Prävalenz von 1996 bis 2016 um 0,2 Prozentpunkte, die Monats-Prävalenz stieg um 0,6 Prozentpunkte und der tägliche Konsum pendelte zwischen 1997 und 2016 stets zwischen 5,0 und 6,6 Prozent, wobei der Anteil der nahezu täglich konsumierenden zuletzt bei 6,0 Prozent lag. Auf das Verhalten der 17- und 18-jährigen Schüler haben die Diskussionen betreffend Legalisierung keinen messbaren Einfluss gehabt. Generell kann jedoch festgestellt werden, dass das Alter des Einstiegs in ein Konsummuster in den letzten Jahren signifikant gestiegen ist.

Die Abbildung zeigt die Zeitreihe des Konsums von Alkohol, Zigaretten und Cannabis von Schülern der 12. Klasse von 1996 bis 2016. Datenquelle: Monitoring the Future Tab. 8 S. 82

Abbildung 4 zeigt die Zeitreihe des Konsums von Alkohol, Zigaretten und Cannabis von Schülern der 12. Klasse von 1996 bis 2016. Datenquelle: Monitoring the Future Tab. 8 S. 82. Der intensive Alkoholkonsum (fünf oder mehr Alkdrinks in Folge in den letzten zwei Wochen) hat sich seit 1996 bis heute nahezu halbiert. In den letzten fünf Jahren sank der intensive Alkoholkonsum um 8,2 Prozentpunkte. Der Anteil der täglichen Alkoholkonsumenten hat sich seit 1996 sogar um weit mehr als die Hälfte verringert: – 65%. Zigaretten rauchten 1997 etwa ein Viertel (24,6 Prozent) aller Schüler der 12. Klasse täglich, 2016 waren es nur noch 4,8 Prozent. Der Raucheranteil sank somit um knapp 20 Prozentpunkte innerhalb der letzten zwei Jahrzenten. Der tägliche Cannabiskonsum blieb jedoch in den vergangenen 20 Jahren nahezu unverändert. Erstmalig jedoch gaben 2015 mehr Schüler der 12. Klasse an, täglich Cannabis zu konsumieren (6,0 Prozent) im Vergleich zum täglichen Zigarettenkonsum (5,5 Prozent).

In Deutschland kiffen immer mehr Schüler

Gemäß des vierzehnten Jahresberichtes des ‚Monitoring-Systems Drogentrends‘ (MoSyD), erstellt vom Center for Drug Research (CDR) an der Goethe Universität in Frankfurt am Main, hat der Konsum von Cannabis bei den 15- bis 18-Jährigen in der Mainmetropole in den letzten fünf Jahren deutlich zugenommen. Auch andere Studien zeigen, dass es einen Trend zu mehr Cannabiskonsum bei Schülern in Deutschland gibt.

Die Abbildung zeigt den Trend des Cannabiskonsums als Zeitreihe von 2005 bis 2015 in Frankfurt am Main bei Schülern im Alter von 15 bis 18 Jahren. Datenquelle: MoSyD Jahresbericht 2015, Abb. 14 u. 15, S 72

Abbildung 5 zeigt den Trend des Cannabiskonsums als Zeitreihe von 2005 bis 2015 in Frankfurt am Main bei Schülern im Alter von 15 bis 18 Jahren. Datenquelle: MoSyD Jahresbericht 2015, Abb. 14 u. 15, S 72. Ein Drittel (34 Prozent) der Schüler hatte im Jahr 2015 angegeben, im Verlauf des letzten Jahres Cannabis konsumiert zu haben. Fünf Jahre zuvor waren es erst 26 Prozent. Auch der Konsum im letzten Monat stieg in diesem Zeitraum um acht Prozentpunkte von 15 auf 23 Prozent. Der regelmäßige Konsum (10 Mal oder mehr im letzten Monat) hat sich in diesem Zeitraum sogar verdoppelt. Er stieg von vier auf acht Prozent an.

Fazit

Es gibt keinen Nachweis, dass der Eigenanbau von Cannabis als Medizin sich negativ auf den Jugendschutz auswirkt. In den letzten zwei Jahrzehnten ist der Eigenanbau von Cannabis als Medizin in vielen Bundesstaaten der USA Normalität geworden, dennoch hat der Konsum von Cannabis bei Schülern nicht zu-, sondern abgenommen. Auch die Aktivitäten der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis wie auch die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken in diversen Bundesstaaten der USA haben keine negative Auswirkungen auf den Jugendschutz gehabt.

In Deutschland steigt hingegen die Zahl der kiffenden Schüler. Die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler, sieht eine Ursache in der Legalisierungsdebatte. So wird sie im Spiegel im Artikel  „Cannabis-Konsum: Zahl junger Kiffer in Deutschland stark gestiegen“ mit den folgenden Worten Zitiert: „Offenbar wirkt sich die Gesundheitsgefahren verharmlosende Argumentation der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis bereits negativ aus.“ Abgesehen von der Tatsache, dass die Befürworter einer Legalisierung von Cannabis die Gesundheitsgefahren nicht verharmlosen, zeigt ein Blick auf die Entwicklung in den USA, wo die Lobby für die Legalisierung von Cannabis deutlich aktiver ist als in Deutschland, dass dort die Zahl der kiffenden Schüler nicht zunimmt. Die Einschätzung der Lage seitens der Drogenbeauftragten kann also mit gutem Grund angezweifelt werden.

Kommentare (3)

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  1. Der Beitrag ist trotzdem so diffus wie die Situation in Kalifornien: Zuerst stimmen sie für die Wiedereinführung der Todesstrafe und eine Legislatur später darf dieses blöde Gras konsumiert (u.a.) werden. Die taz ist gefordert, andere Metaebenen der Politikanalyse zu entwickeln. Freiheit ist nicht Rausch. Freiheit ist viel mehr.
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    Fred Schywek
    (Duisburg-Ruhrort, holländische Grenze, auch seit den Siebzigern, in Deutschland hat sich nichts entwickelt)

  2. Die völlig legale harte Droge Alkohol, löst nicht nur Schizophrenie aus, sie kann sie auch bei völlig unveranlagten Menschen hervorrufen. Punkt. In der jetztigen Situation der Prohibition, bekommen Kinder und Jugendliche, ohne Altersnachweis ihren Stoff beim Dealer auf dem Schulhof, oder um die Ecke. Niemand möchte jedoch Cannabis für Kinder und Jugendliche legalisieren. Punkt. Also bitte nicht so scheinheilig die letzten verbliebenen Scheinargumente bemühen, sondern einfach sagen ich bin dagegen. Punkt.

  3. Ein sehr informativer Beitrag. Die Cannabislegalisierung bleibt für mich dennoch ein heißes Eisen: THC gilt als ein Auslöser für Schzophrenie, und Menschen, die an Schizophrenie leiden und weiterhin Cannabis konsumieren, erleben häufiger ein Rezidiv der Störung. Außerdem kann Cannabis das Gehirn gerade bei Jugendlichen dauerhaft verändern, so kann es zum Beispiel zu einer Verkleinerung des Hippocampus führen, in dem wichtige Strukturen des Gedächtnisses stecken.

    Auf der anderen Seite: Wenn die Cannabislegalisierung tatsächlich zu einer Reduktion des Konsums bei Jugendlichen führt, wäre das natürlich eine tolle Sache!