20 Jahre Hanfparade

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Vor knapp 20 Jahren, am 23. August 1997, startete die erste Hanfparade in Berlin. Und seit dem gab es jedes Jahr eine Hanfparade in Berlin, wobei die Geschichte der Hanfparade von diversen Höhen und Tiefen geprägt ist. Am Samstag, 12. August 2017, wird die 21. Hanfparade in Berlin starten, nicht nur, um diese zwanzigjährige Tradition zu feiern, sondern vor allem wie jedes Jahr um  für die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel zu demonstrieren.

Nachdem der Hanf über Jahrzehnte hinweg lang verboten und kriminalisiert worden war, beschlossen die Initiatoren der Hanfparade: „Uns reicht’s!“ und gründeten im Februar 1997 den Verein „Bündnis Hanfparade“. Dieser Verein hatte sich zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit für den gemeinsamen Kampf um die Legalisierung der Hanfpflanze zu mobilisieren und die Freigabe von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel voranzutreiben. Der Verein „Bündnis Hanfparade“ musste 2006 die Insolvenz beantragen und ist nicht mehr existent, die Hanfparade hingegen schon. Dem geschrumpften OrgaTeam der Hanfparade gelang es jedoch, auch in den Folgejahren jeweils im August eine Hanfparade durchzuführen. Für die Organisation der weiteren Hanfparaden wurde im November 2009 der Verein „Jakis“ gegründet, der seit dem die administrative Infrastruktur für das OrgaTeam der Hanfparade bereitstellt.

Rein juristisch gesehen wurde am 10. März 2017 eine Forderung der Hanfparade erfüllt – das Gesetz betreffend Cannabis als Medizin trat in Kraft. Kurz nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes mussten viele Patienten jedoch feststellen, dass sich ihre Situation nicht verbessert, sondern verschlimmert hat. Kostete ein Gramm Cannabisblüten für Patienten mit einer Ausnahmegenehmigung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes etwa 15 Euro, so verlangen Apotheker jetzt mehr als 22 Euro pro Gramm. Die aktuelle Preiserhöhung von knapp 50 Prozent wird mit dem neuen Status von Cannabisblüten begründet.

Auch die angekündigte Kostenübernahme durch die Krankenkassen hat sich für viele Patienten als Ammenmärchen erwiesen. Zahlreiche Patienten, die bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes über eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zum Kauf von Cannabisblüten in der Apotheke verfügten, sehen sich mit einer Ablehnung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen konfrontiert. Dies gilt insbesondere für Patienten in Berlin und Brandenburg, wo sich fast alle InhaberInnen einer Ausnahmegenehmigung mit einem negativen Bescheid des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) auseinandersetzen müssen. Ihnen bleibt nicht selten nur noch die Möglichkeit, gegen den MDK respektive gegen ihre Krankenkasse juristisch vorzugehen. Die neue Regelung ist für viele Betroffene kein Gesetz zum Wohl der Patienten sondern weit mehr eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Juristen und Gutachter. Deshalb wird „Cannabis als Medizin“ ein Schwerpunktthema auf der diesjährigen Hanfparade sein.

Hanfparade am 12. August 2017

Die Hanfkultur ist in den letzten 150 Jahren weitgehend aus dem Allgemeinwissen der Bevölkerung verschwunden. Umfasste der Artikel „Hanf“ in Meyers Konversationslexikon in 15 Bänden von 1874-1878 insgesamt mehr als vier Seiten, so waren es im Brockhaus in 20 Bänden von 1929-1935 noch eine Seite und im Knaurs Lexikon in 20 Bänden von 1974 nur noch eine halbe Seite. Interessensgruppen aus Wirtschaft und Politik haben diesen Wissensschwund proaktiv mit irreführenden und angstschürenden Falschmeldungen begleitet und befördert.

Durch von Regierungen bereitwillig geförderte und gesteuerte breit angelegte Kampagnen in den Massenmedien wurde die Bevölkerung Ende der 60er Jahre und zu Beginn der 70er Jahre mit den aberwitzigsten Horrormeldungen bezüglich einer gigantischen Drogenwelle, die auf Europa überschwappte, bombardiert. Ein konkretes Wissen über Drogen ist durch diese Kampagnen jedoch kaum vermittelt worden. Die Meldungen waren häufig suggestiv konzipiert und einseitig tendenziös ausgelegt, um in demagogischer Weise die Bevölkerung zu manipulieren. Selbst in der heutigen Zeit werden noch solche Kampagnen von der öffentlichen Hand finanziert, wie die cannabiskritische Aufklärungskampagne „Zu Breit?“ der Berliner Senatsverwaltung zeigt.

Das mehrdeutige Motto „Breiter kommen wir weiter!“ der diesjährigen Hanfparade ist ein prima Konter auf diese olle Kampagne zu verstehen. Kenner der Materie mögen hier amüsiert schmunzeln, Neulinge werden jedoch erstaunt darüber sein, wie breit gefächert die Verwendungsmöglichkeiten der Pflanze Hanf eigentlich sind. Diese werden auf der Hanfparade in vielfältiger Weise präsentiert.

Die Hanfparade 2017 wird aus ganz Deutschland gut zu erreichen sein. Sie wird beim Hauptbahnhof (Washingtonplatz) starten. Die Auftaktkundgebung wird bereits um 10:00 Uhr beginnen. Dies geschieht, da es schon auf der Auftaktkundgebung eine Bühne mit Moderation, vielen Reden und Live-Musik geben wird. Mit etwa einem Dutzend Musikwagen (Lautis) wird die Parade dann durch die bekanntesten und best besuchten Straßen Berlins ziehen um dann unweit des  Rote Rathauses zu enden. Auf dem Abschlussgelände wird es wie in den Jahren zuvor eine große Bühne mit Liveprogramm geben. Selbstverständlich wird die Abschlusskundgebung auch wieder durch einen Medizin-, einen Nutzhanf- sowie einen Infobereich ergänzt.

Abbildung 1 zeigt die Route der Hanfparade 2017. Grafik: Doro Tops, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Abbildung 1 zeigt die Route der Hanfparade 2017. Grafik: Doro Tops, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Die  Auftaktkundgebung wird am Samstag, 12. August 2017, von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr auf dem Washingtonplatz (Südseite Hauptbahnhof) stattfinden. Um 14:00 Uhr wird der Umzug dann Richtung Gesundheitsministerium starten.

Abbildung 3 zeigt das Programm der Zwischenkundgebung der Hanfparade 2017 vor dem Gesundheitsministerium.

Abbildung 2 zeigt das Programm der Auftaktkundgebung der Hanfparade 2017. Online ist das Programm mit Links zu Biografien aller Referenten auf der Website der „Freien Arbeitsgemeinschaft DrogenGenussKultur“ aufrufbar. Das Programm ist auch als PDF-Datei (20 Seiten, 909 KB) mit allen Biografien verfügbar.

Auf der Auftaktkundgebung werden Patienten von ihren Nöten berichten, Politiker die kontroversen Diskussionen in den Ausschüssen der Parlamente kommentieren, Juristen die katastrophalen Folgen der Prohibition erläutern und Aktivisten aus Szeneorganisationen von ihrer Arbeit erzählen.


Abbildung 3 zeigt das Programm der Zwischenkundgebung der Hanfparade 2017 vor dem Gesundheitsministerium.

Auch wenn Hanf zu den ältesten, sichersten und am besten erforschten Heilpflanzen der Menschheit gehört, hat seine Wiederentdeckung in den 90er Jahren eine große Welle von neuen Studien und Forschungen  ausgelöst, die den Katalog der Indikationen, bei denen Cannabis hilfreich sein kann, wesentlich erweitert hat. Auf dieser Zwischenkundgebung wird mann mehr über den neuen Forschungsstand und die Gegebenheiten für die Patienten in Deutschland erfahren können.

Abbildung 4 zeigt das Programm der Abschlusskundgebung der Hanfparade 2017

Abbildung 4 zeigt das Programm der Abschlusskundgebung der Hanfparade 2017, die gegen 16:00 Uhr in der Spandauer Straße beim Neptunbrunnen beginnen wird.

Auf der Abschlusskundgebung werden die Referentinnen und Referenten über die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Hanf aufklären – Hanf als Grundstoff für Textilwaren, Nahrungsmittel, Kosmetika wie auch Baustoffe. Auch diverse Vertreter der Medien werden präsent sein und über die Resonanz ihrer Arbeit in der Gesellschaft berichten. Und natürlich kommen auch – wie auf der Auftaktkundgebung – wieder Politiker und Patienten zu Wort.

Das Programm der großen Abschlusskundgebung der Hanfparade 2017 bietet bewusst außer Reden, in denen politische Botschaften zur Meinungsbildung verkündet werden, auch Musik an – dies jedoch nicht nur zur Unterhaltung. Etliche Texte der auftretenden Bands enthalten wesentlichen Botschaften im Sinne der Ziele und Philosophie der Hanfparade: Die Legalisierung von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel. Zudem bereichern ein Nutzhanfareal, ein Forum für Hanfmedizin sowie viele Infostände das Angebot auf der Abschlusskundgebung, um sich dort sachkundig machen zu können.

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