Posts Tagged ‘Therapie’

09.06.2010 von Hans Cousto
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Überproportionale Ausgaben für Repression

von Hans Cousto

Die Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl für Medizin-Management, und das Institut für Therapieforschung (IFT) in München haben in einer Studie eine Schätzung der Ausgaben der öffentlichen Hand durch den Konsum illegaler Drogen in Deutschland vorgenommen. Zusammengefasst ergibt sich aus den verschiedenen Bereichen eine Gesamtsumme der öffentlichen Ausgaben für illegale Drogen in Höhe von 5,2 bis 6,1 Mrd. Euro. Bei diesem Betrag handelt es sich tendenziell um eine Unterschätzung der wahren Ausgaben, da in einigen Bereichen keine Informationen vorlagen und für die Berechnungen in anderen Bereichen eher konservative Schätzwerte herangezogen wurden.

Die Drogenpolitik der Bundesregierung basiert auf vier Säulen: 1. Prävention; 2. Behandlung von Suchterkrankungen; 3. Überlebenshilfen (z. B. Drogenkonsumräume, Notfallhilfe) für schwerstabhängige Menschen und 4. Angebotsreduzierung und repressive Maßnahmen. Letztere sollen nach offizieller Aussage dazu beitragen, dass das Ausmaß an Suchterkrankungen durch eine verminderte Verfügbarkeit der Suchtmittel reduziert wird. Die Bundesregierung postuliert: »Angebotsreduzierung und repressive Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Ausmaß an Suchterkrankungen durch eine verminderte Verfügbarkeit der Suchtmittel reduziert wird.« Dass dieses Postulat ein Irrtum ist, beweisen vielfältige Daten der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen- und Drogensucht (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction, EMCDDA). Danach kiffen nur 5,3% der holländischen Jugendlichen aktuell, in Deutschland sind es hingegen 7,6% entsprechend einem Bevölkerungsanteil von 460.000 Personen. Hölländische Jugendliche kiffen weniger. Die freie Verfügbarkeit von Gras und Haschisch in hollänischen Coffeeshops führt somit nicht zu einer erhöhten Nachfrage bei jungen Menschen, oder anders ausgedrückt, die Repression in Deutschland hat keine präventive Wirkung. Dennoch wird in Deutschland mehr Geld für die Repression ausgegeben als für die anderen drei Säulen der Drogenpolitik insgesamt.

Die Ausgaben für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Zusammenhang mit illegalisierten Drogen liegen bei 3,4 bis 4,4 Mrd. Euro und machen mit 65% bis 70% den mit Abstand größten Teil der ermittelten Staatsausgaben in Bezug zu illegalen Drogen aus. Die Ausgaben für das Gesundheitswesen (inkl. Drogenberatungstellen und Kampagnen) und die soziale Sicherung haben mit einer Höhe von 1,8 bis 1,9 Mrd. Euro einen Anteil von 30% bis 35% an den Gesamtausgaben in Zusammenhang mit illegalen Drogen. Der Anteil der Ausgaben für die allgemeine öffentliche Verwaltung (vor allem die Ausgaben für Entwicklungshilfe und Zollfahndung) liegt mit 40,2 Mio. Euro bei unter 1% .
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02.05.2010 von Hans Cousto
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Informationen zu Drogen frei Haus

von Hans Cousto

Der Rundbrief der Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin e.V. (DGS) erscheint nun seit sechs Jahren. Knapp 50 reguläre und Extraausgaben haben dem Rundbrief der DGS eine Verbreitung von über 2.600 Abonnements gesichert. Der Rundbrief hat sich in diesen sechs Jahren  zu einem  ausführlichen  Journal entwickelt  mit  Dutzenden von Hinweisen  zu online verfügbaren Publikationen rund um das Thema Drogen. Der Rundbrief zählt heute zu den besten Informationsplattformen im Bereich Drogen. Sehr empfehlenswert!

Nach dem Leittext gibt es jeweils Informationen aus der Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS) und dann in Rubriken gegliedert Fachinformationen und Hinweise zu Artikeln aus der Presse. Die Rubriken sind wie folgt gegliedert: AntiSTigma, Bundesverband akzeptierender Drogenarbeit (AKZEPT), Deutsche Aidshilfe (DAH), Junkies – Ehemalige – Substituierte (JES), Bundesverband der Eltern und Angehörigen  für akzeptierende Drogenarbeit e.V., Stellenanzeigen, Industrienachrichten, Recht und Gesetz, Drogenpolitik, Prävention, Begleitkrankheiten, Substanzen, Substitutionsbehandlung, Gender, Einwanderung – fremdsprachige Informationen, Fort- und… weiter lesen

17.03.2010 von Martin Schwarzbeck
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Begleiteter Neocor-Trip für 100 Euro

von Martin Schwarzbeck

Miese Aussichten für psycholytische Psychotherapeuten

Im Prozess um die tödliche Psychotherapiesitzung in Berlin-Hermsdorf stand am Montag Mike, 47, im Zeugenstand. Auch wenn er eine entgleiste Variante beschreibt, geben seine Schilderungen doch interessante Einblicke in den Ablauf einer Psychotherapiesitzung mit Substanzkonsum, auch genannt Psycholyse.

Für 100 Euro, so Mike, wurde den Teilnehmern eine “Intensivsitzung” angeboten in deren Verlauf zweifach verschiedene psychoaktive Substanzen zur Auswahl standen. MDMA, also Ecstasy und Neocor, auch bekannt als Methylon. Dargereicht vom Psychotherapeuten.

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10.03.2010 von Martin Schwarzbeck
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Therapien mit Psychedelika

von Martin Schwarzbeck

Therapien mit Psychedelika sind verboten, werden aber dennoch praktiziert. Die Psycholytische Psychotherapie beispielsweise nutzt die Einnahme bewusstseinsverändernder Substanzen zur Unterstützung psychotherapeutischer Behandlungen. Ein Ansatz, dessen Potentiale und Risiken außerhalb des gesellschaftlichen Wahrnehmungsbereichs liegen, weil die Therapie in den meisten Fällen schlicht illegal ist.

Jeder darf mitmischen (und mischen jetzt mal im wahrsten Sinne des Wortes), Vereinbarungen über Vereinbarkeit bestimmter Substanzen oder allein schon Dosierung und Auswahl der Droge je nach Therapieziel existieren nicht. Gestern stand deshalb ein 35jähriger selbsternannter Schamane vor dem Amtsgericht Hamburg (dpa/Ino). Durch die Verabreichung psychoaktiver Gewürzgurken wollte er die Sehstörung eines Bekannten heilen. Der Bekannte zahlte dafür 20.000 Euro und bekam einen mittelprächtigen LSD-Rausch. Dem Augenleiden hat es nichts geholfen.

Was noch dabei herauskommen kann, wenn man solche Verfahren in den unkontrollierten Untergrund drängt, wird ab Donnerstag im Kriminalgericht Moabit verhandelt. Dort wird dem “Drogenarzt Garri R.” der Prozess gemacht, der seine… weiter lesen