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von 20.08.2011

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Vor einer Woche hatten wir angekündigt, zunächst testweise die Werbung auf Sportfotos zu verpixeln. Jetzt begründen unsere Sportredakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker, warum es dauerhaft dabei bleibt:

Verpixelung? Was soll das Ganze eigentlich?

Zunächst gibt es ein ästhetisches Unbehagen an der überbordenden Werbung im Sport. Man könnte auch sagen: Das Ganze nervt ganz schön. Besonders anstrengend: LED-Werbebanden und Werbe-Klein-Klein auf Trikots. So etwas stört nicht nur uns, die taz-Sportredaktion. Das stört auch die Sportfans, die sich fragen, welches Primat denn gilt: das des Sports oder das der Werbung. Die Werbung im Fußball, Biathlon oder Handball ist mit den Jahren der Kommerzialisierung einfach zu aufdringlich, zu omnipräsent geworden. Da müssen intelligentere Lösungen her. Zum Beispiel: Weg mit dieser Flimmerbande. Weg mit dem Werbepatchwork auf dem Sportlertrikot.

Beim Eishockey sind die Spieler voller Werbung. Wir pixeln sie weg. Foto: imago.
Beim Eishockey sind die Spieler voller Werbung. Wir pixeln sie weg. Foto: imago.

Die Ästhetik? Das kann doch nicht alles sein?

Ist es auch nicht. Diese ästhetischen Bedenken sind eigentlich zweitrangig, wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich die Zeitungen auf einen kostenlosen Abdruck von Werbung auf Sportfotos einlassen. Das ist unser zweiter Ansatzpunkt. Auf einem ganz normalen Sportfoto sind im Schnitt zwei bis drei Logos zu sehen, manchmal auch sieben oder acht. Die werden einfach so abgedruckt. Das geschieht unentgeltlich. Wir wollten aus dieser Verwertungskette ausscheren und sagen: Wir sind nicht mehr bereit, Eure Werbebotschaft auf Trikots und Werbebanden zu verbreiten. Es kann ja auch nicht Aufgabe einer Zeitung sein, die mit kritischer Distanz über Sport berichtet, täglich kostenlose Werbung von Vereinen und deren Sponsoren ins Blatt zu heben. Wir wollen durch die Verpixelung journalistisch noch unabhängiger werden.

Aber das halten doch bestimmt viele Kollegen für einen ziemlichen Mumpitz?

Na ja, Printkollegen loben in der Mehrheit, die vom Fernsehen eher nicht, aber die haben ja als Rechteinhaber auch ganz andere Zwänge. Im Netz wird natürlich auch kontrovers diskutiert. Da halten sich Zuspruch und Ablehnung in etwa die Waage. An unserer Aktion scheiden sich offenbar die Geister: Entweder man findet sie gut oder ziemlich daneben. Zum Teil geharnischte Kritik gibt es von der Werbewirtschaft und deren Interessenverbänden. Da sind wir dann schon mal die Vaterlandsverräter, die die Mechanismen des globalisierten Sports nicht verstanden haben und die mit dem Slogan „No Logo!“ zum Niedergang des Leistungssports in Deutschland beitragen. Man spricht auch von Effekthascherei, Populismus, Bilderstürmerei oder Verbohrtheit.

Und was entgegnen Sie denen?

Dass wir nicht die Werbung an sich abschaffen wollen und auch nicht das Sportsponsoring. Beides hat seine Berechtigung. Jedes Unternehmen ist frei darin, Millionen von Euro in den Fußball oder sonst wohin zu pumpen. Aber wir müssen die Art und die Allgegenwart der Werbung im Sport nicht gut finden. Und wir müssen uns nicht instrumentalisieren lassen, nur damit die sogenannte Reichweite, ein Parameter der Werbewirtschaft, stimmt. Es heißt ja, dass die Zeitungen und Magazine einen Anteil von 20 Prozent an der Reichweite haben – weil sie eben brav und unentgeltlich Brustsponsoren abdrucken oder gesponserte Stadionnamen im Text nennen. Das ist doch absurd. Wir glauben nicht, dass die Deutsche Fußball-Liga kostenlos mit einem taz-Logo werben würde – auch wenn es sich nur auf einem Foto befindet.

Warum wird erst jetzt verpixelt?

Gegenfrage: Warum nicht jetzt?

11 Freunde-Chefredakteur Philipp Köster fragt sich, warum die taz erst jetzt merkt, welch großen Einfluss die Werbung auf den Sport hat.

Das war uns natürlich stets bewusst. Aber wir wollten, bevor wir eine neue Aktion starten, erst unser letztes Projekt abschließen: den Kampf gegen Sicherheitsüberprüfungen von Journalisten im Vorfeld von Sportgroßveranstaltungen. Da war es ja Usus, dass sich Journalisten, wollten sie eine Akkreditierung erhalten, von Polizei und Verfassungsschutz durchleuchten lassen mussten. Wer das nicht wollte, bekam keine Akkreditierung. Bei der Frauenfußball-WM war das jetzt anders. Das ist ein Erfolg der taz und der Journalistenverbände. Und eine gute Nachricht für die Pressefreiheit.

Machen künftig auch andere Zeitungen bei der Verpixelung mit?

Nein, bis jetzt nicht. Es scheint, dass viele etablierte Medien noch nach einer Haltung zu unserer Aktion suchen. Man darf nicht vergessen, dass auch sie in der Zwickmühle stecken. Was würde denn passieren, wenn eine große bürgerliche Zeitung das „Liga total“-Logo auf der Brust von Arjen Robben verpixelt. Vermutlich würde die Telekom in dieser Zeitung nicht mehr so gerne inserieren. Da kann die taz natürlich viel freier agieren.

Wie reagieren die Bildagenturen, deren Fotos die taz verpixelt?

Die Agentur dapd hat verlauten lassen, dass sie überhaupt keine Probleme mit der taz-Aktion hat und auf eine konstruktive Diskussion hofft. Eine Bearbeitung der Bilder ist grundsätzlich erlaubt. Das Recht, das Bild nach Belieben zu bearbeiten, bezieht sich auch auf die Verpixelung.

Ist es nicht so, dass durch diese Aktion extra Aufmerksamkeit auf die Sponsoren gelenkt wird?

Es mag vereinzelt Leser geben, die wissen wollen, was Magdalena Neuner auf dem Gewehr stehen hat, aber viel wichtiger ist doch, dass sie sich nun mit der Sache selbst beschäftigen: Warum machen sich Medien zu Erfüllungsgehilfen von Vereinen und Sponsoren? Warum erwähnen TV-Moderatoren immer wieder den Sponsor-Stadionnamen? Wer ist da mit wem verbandelt? Wie schon erwähnt hat die taz-Sportredaktion nichts gegen Sportsponsoring. Das wird auch immer wieder Thema auf unseren Seiten sein, sofern es gesellschaftlich relevant und somit ein journalistisches Thema ist. Etwa, warum jetzt fast jeder Bundesligist auf Solarunternehmen steht.

Wie geht es jetzt weiter, bleibt es bei den zwei Aktionswochen?

Wir werden weiter verpixeln. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Der Aufwand der Verpixelung ist zum Glück auch nicht besonders hoch, die taz-Technik unterstützt uns hier nach Kräften.

Siehe auch

Der ehemalige Bild-am-Sonntag-Chefredakteur Michael Spreng äußert sich zustimmend zu dieser Aktion, vermutet aber, wir würden dem nun folgenden Druck der werbetreibenden Industrie auf Dauer nicht standhalten können.

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https://blogs.taz.de/hausblog/2011/08/20/warum-wir-sportwerbung-dauerhaft-verpixeln/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Könnte man sich diesen Verpixelkram nicht sparen und einfach komplett auf die Sportberichterstattung verzichten? Ich habe noch nie nachvollziehen können, warum ein öffentliches Interesse im grundlosen Kräftemessen irgendwelcher Einzelner liegen sollte.

  • Wow, da haben die wunderbaren Rebellen-Journalisten ja wieder einen Geniestreich gewagt. Dass das die Optik zerstört, ist ja erstmal egal. Auch, dass man beim Anblick der taz nun noch etwas mehr Kopfschmerzen bekommt. Einfach nur lächerlich.

    Außerdem glaube ich, wenn ich Fotograf wäre, würde ich ausrasten. Egal, ob ihr damit die Arbeit von anderen herabwürdigt… Hauptsache, ihr könnt euch irgendwie gegen den Mainstream setzen, euch über irgendwas aufregen.

    Super, bin gespannt, wie viele genialen Ideen noch kommen.

  • @Martin

    Da ich nur Tee und Wasser trinke würde ich sowohl um Coka-Cola als auch um Freeway Cola einen großen Bogen machen. Beides ist ungesund!

  • Ich finde die Aktion albern. Wenn ihr keine Werbung zeigen wollt, zeigt einfach gar keine Bilder. Dem Leser die Realität so hinzubiegen, bis sie dem Redakteur gefällt, ist eine ziemlich arrogante Einstellung.

  • Die Aktion, Sportsponsoring in Presseveröffentlichen zu verpixeln, ist ein gelungener Start in die Debatte: Wie viel Kommerz wollen wir im öffentlichen Alltagsraum?

    Dem Kommentar von Moe kann ich allerdings nur zustimmen: Die Veränderung von Pressefotos halte ich für Problematisch. Denn auch das Verpixeln kann im schlimmsten Fall nur ein Einstieg sein. Was wäre denn, wenn ein Verlag die Fotos nicht verpixeln, sondern die gezeigten Sponsoren einfach gegen die eigenen Anzeigenkunden austauschen würde? Oder wenn Zeitungen nicht mehr nur die Werbung lästig fänden, sondern vielleicht auch andere Tatsachen auf Fotos verschleiert würden?

    Man stelle sich nur mal vor, das Undenkbare würde geschehen und auf einer Demonstration von Neo-Nazis würde ein Mitglied der taz-Redaktion mitten unter den Demonstrienenden mitmarschieren. Wäre dann Verpixeln auch legitim? Hm.

    Sport-Sponsoring ist ein unkritischer Start, die Manipulation von Fotos sollte sich allerdings nicht auf gesellschaftlich relevante Themen ausdehnen.

    Viele Grüße
    Z

  • BITTE keine „Verpixelung“…
    Stattdessen die Flächen einfach in der Farbe, die am Rande der Werbung ist füllen – so fallen Logos weg, das Bild tut beim Anschauen aber nicht mehr weh.
    Ästhetik? Das wäre es, wenn man die Verpixelung lassen würde. Schön sieht so ein Bild nicht mehr aus. Und neben dem Informationscharakter schaut man sich Sportbilder doch eben oft an, weil sie gut aussehen und angenehm wirken.
    Also: Belasst es bei der Unkenntlichmachung aber überlegt noch einmal über die Art und Weise. Der Aufwand ist immer gleich.
    Oder ersetzt einfach jede Werbung „gut geshopped“ durch ein TAZ-Logo, das ist dann wenigstens lustig.

  • „Und wegen Werbung irgendwelche Produkte kaufen? Hm, mach ich irgendwie auch nicht“

    Kennen Sie Landliebe? Ja?
    Kennen Sie Milbona? Nein?

    Kennen Sie Coca Cola? Ja?
    Kennen Sie Freeway Cola? Nein?

    Gleiches Produkt. Welchem würden Sie mehr Qualität zuschreiben?

  • Na, da wird die Welt ja wieder ein bisschen besser … warum wird nicht die Werbung in der TAZ gleich mit verpixelt? Und die Texte auch, die drüber schreiben. Und die Bixnaxx – Etiketten inner Kantine …

  • Wie konsequent hält die taz die Verpixelung eigentlich ein? Und wo ist der Unterschied zwischen guter und schlechter Werbung?
    Ist das Kappa-Logo böse (http://taz.de/2-Spieltag-in-der-Bundesliga/!76225/) und die adidas-Streifen gut (http://taz.de/Der-1-FFC-Frankfurt-nach-der-Frauen-WM/!76584/)?
    Ist UNICEF-Werbung ok (http://taz.de/Macker-im-Fussball/!76499/)? Was wenn Wolfsburg dann mit der VW-Stiftung auf der Brust aufläuft, oder die Krombacher-Regenwald-Stiftung stärker im Sport-Sponsoring aktiv wird?

  • Ich frag mich ehrlich welche Werbung euch so stört? Wenn ich Fussball gucke bekomme ich die Werbung kaum mit, das gleiche auch bei anderen Sportarten. Und wegen Werbung irgendwelche Produkte kaufen? Hm, mach ich irgendwie auch nicht.

  • Sport interessiert mich nicht aber ich finds eher kritisch. Von einem Foto erwarte ich zumindest innerhalb des Bildausschnitts und des Zeitpunkts das zu sehen, was da war. Nun zu sagen: Wenn wir da nicht mitvderdienen wird verpixelt, also das kanns ja wohl nicht sein. Es werden also Bilder manipuliert, weil sie keinen zusätzlichen Gewinn für den der sie verbreitet auf dem Bild selbst beinhalten? Hm.
    Profisport ist Kommerz, und wer darüber in Bildern berichtet sollte dies nicht wegreden bzw -pixeln.
    Die Manipulation von Bildinhalten in Nachrichten ist da grundsätzlich erstmal kritisch zu sehen.

  • Schöne Aktion, nur macht das (nötige) Pixelgewimmel erst recht Augenkrebs. Und die Hausjuristen von DFB und FIFA hecken bestimmt schon einen Passus für die Nutzungsbedingungen aus, um ihre Werbepartner zu beruhigen.

  • Das finde ich richtig und konsequent, gerade, weil es dauerhaft verpixelt wird.
    Die Werbung an Banden und auf den Trikots ist wirklich unerträglich; Ich ertappe mich dabei, dass ich es schon als „gegeben“ akzeptiert hatte.

    Daher: Danke und weiter so! Immer schön unabhängig…

  • Find ich klasse. Endlich jemand der mal vorweg geht.

    Jetzt such ich noch einen Brillenhersteller, der mir eine Verpixelung in eine Brille einbaut und damit mir den werbeverseuchten öffentlichen Raum wieder ansehnlich macht.

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