Pay-Wahl: Eine erste Bilanz

Die offensiv beworbene Möglichkeit des Zahlens von Kleinbeträgen auf taz.de (Paywall auf freiwilliger Basis) wurde von einer überwältigend großen Zahl der NutzerInnen honoriert. Bereits mit dem Live-Gang am Donnerstag haben wir innerhalb von 24 Stunden über 1.000 Euro eingenommen, normalerweise belaufen sich die täglichen freiwilligen Zahlungen auf knapp 30 Euro. Insgesamt haben über 1136 Menschen in den vergangenen Tagen freiwillig eine Summe von 2477 Euro durch Einzelzahlungen beigetragen.

Freiwillige Zahlungen für taz.de

Freiwillige Zahlungen für taz.de

Sehr freuen wir uns auch über die große Zahl an neuen, regelmäßigen ZahlerInnen, die sogenannten tzi-AbonnentInnen oder auch FreizahlerInnen, die uns seit Beginn der Paywall mit einem Dauerauftrag unterstützen. Zu den bisher 600 tzi-AbonnentInnen kamen seit Donnerstag über 120 neue hinzu. Die monatliche Summe der regelmäßigen ZahlerInnen ist somit um über 800 Euro gestiegen und die von ihnen gezahlte Jahressumme liegt inzwischen bei 42.257,91 Euro. Wir danken Euch sehr!

Es gibt  auch Verbesserungen der Paywall: Wir kommen der Bitte bestehender und neuer tzi-AbonnentInnen und sonstiger ZahlerInnen nach, es wird ab sofort einen 3. Button auf den Bezahlaufforderungen eingeführt. “Ich zahle schon regelmäßig.” Wer hier klickt, bekommt das Banner auch nicht mehr angezeigt, sofern Cookies zugelassen werden.

Die bisherige Ausspielung der Layer verhält sich übrigens in Häufigkeit wie folgt:
1x gesehen 50 %
2x gesehen 33 %
4x gesehen 20 %
9x gesehen 10 %

Falls die hohe Zahlungsbereitschaft der NutzerInnen anhält (Tendenz bis heute mittag war sehr gut), wird die Frequenz der Ausspielung noch weiter reduziert werden. Vielleicht brauchen wir die Paywall bald nicht mehr. Ihr habt mit Euren Zahlungen bewiesen: Die Säulen der taz – Kreativität und Solidarität – sind auch im Internet tragend.

Vielen Dank noch mal an alle, denen wir mit unserer Arbeit mal mindestens 30 Cent oder einen jährlichen Betrag von 5 Euro wert waren. Wir halten Euch über den weiteren Verlauf der Paywall-Kampagne auf dem Laufenden.

Kommentare (36)

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  1. Wauz, inzwischen liegen die Zahlen für November vor. Gerade bei den einmaligen Zahlungen gab es große Zuwächse. Bei Paypal gab es plus 698,80 % und bei Handyzahlungen plus 623,57%. Die Kreditkartenzahlungen sind im Vergleich zum Vormonat Oktober um 483 % angestiegen, die Lastschriften um 471 %, Direktüberweisungen um 200 % und flattr um 158 %. Wir haben 7.839,59 Euro insgesamt über freiwillige Zahlungen eingenommen, davon 5.427,84 in einmaligen Zahlungen. Mehr Details: http://blogs.taz.de/hausblog/2012/12/12/taz-zahl-ich-einnahmen-im-november/

  2. Hoimrdengr: Das Problem ist identifiziert!

    Wir haben verschiedene Bereiche auf taz.de. In einem Bereich erscheinen alle Artikel der gedruckten Ausgabe des aktuellen Tages. Die Texte erscheinen dort ohne Foto und geordnet nach den gleichen Rubriken wie in der Printausgabe. Auf diese Printartikel verlinkt der Perlentaucher und unter diesen Print-Artikeln ist ein Flattr-Button, der für die ganze taz gedacht ist.

    Zweitens haben wir ein eigenes webjournalistisches Angebot auf taz.de. Das ist das, was man auf der Startseite von taz.de sieht. Dort erscheinen die Texte nicht nur einmal am Tag (wie in der Print-Sektion), sondern die Seite wird ständig aktualisiert. Neben den Print-Artikeln erscheinen dort auch solche, die exklusiv für taz.de geschrieben werden. Die Artikel haben ein Foto, haben Links auf externe Webseiten und auf frühere Artikel zum gleichen Thema auf taz.de. Die Artikel sind also in diesem Bereich speziell für das Medium Internet aufbereitet. Hier hat jeder Artikel einen eigenen Flattr-Button. Ich persönlich würde es für sinnvoll halten, dass die bei Perlentaucher auf diese Artikel verlinken, aber das ist natürlich deren Entscheidung.

    Was ist also die Lösung für Ihr Problem? Ganz einfach: Flattern Sie immer den Button, der gerade da ist. Die Tatsache, welcher Button zu welchem Artikel wie häufig geklickt wird, hat ohnehin keine Konsequenzen. Weder bekommt der Autor mehr Geld, noch veröffentlichen wir in Zukunft mehr Texte dieser Art oder zu diesem Thema. Für uns wichtig ist nur der Gesamtbetrag, den wir mit Flattr und den anderen freiwilligen Bezahlmethoden einnehmen.

  3. Da ich Flattr benutze erwarte ich *natuerlich*, dass das pro Artikel ist. Aber bisher landete ich fast immer bei https://flattr.com/thing/77577/taz-de-die-tageszeitung-online – die taz insgesamt. Durch rumklickern & rumprobieren habe ich ein Hypothese: Wenn ich via perlentaucher.de komme – also fast immer – ist der flattr Button global. Nur wenn ich “zu Fuss” ueber taz.de gehe, kann ich einzelne Artikel flattrn.

    Kleine Hausaufgabe fuer’s Webteam ;-)

  4. Hoimrdengr: Ich glaube nicht, dass es so aussieht, als ob man für taz insgesamt zahlt. Ich glaube schon, dass die Leser verstehen, dass der Flattr-Button unter einem Artikel zu diesem jeweiligen Artikel gehört. Die Analyse ergibt, dass die Leser die Artikel flattern, die ihnen inhaltlich besonders gut gefallen. Wenn die Verbindung zwischen Artikel und Button nicht gesehen würde, dann wäre ja weitgehend zufällig, unter welchem Artikel auf den Button geklickt wird. Dann müssten die meistgelesenen Artikel auch die meisten Flattr-Klicks bekommen. So ist es aber nicht. Ich hatte mal zu den Flattr-Anfangszeiten ausgewertet, was wie häufig geflattert wird. Mein Fazit: “Am stärksten honoriert werden die Texte, in denen es gegen die Lieblingsfeinde unserer Leser geht: Neonazis, der Hochadel, die Bild-Zeitung, die schwarz-gelbe Bundesregierung.”

    Der damalige Klick-Spitzenreiter des Monats, der Live-Ticker über die Bundespräsidentenwahl, wurde nur 19-mal geflattert. Der am häufigsten geflatterte Text bekam 157 Flattr-Klicks.

    http://blogs.taz.de/hausblog/2010/07/01/flattr_bringt_uns_99850_euro_im_jun/

  5. Der Flattr Button ist ziemlich verwirrend: meist sieht es aus als ob man nur fuer die taz insgesamt zahlt. Ein wesentlicher Vorteil von Micropayments waere aber die Rueckkopplung zu einzelnen Artikeln und Autoren.

  6. Wauz, wir freuen uns auch über jeden Kleinbetrag. Wir achten es nicht gering, wenn jemand uns einmalig 50 Cent zahlt. Wir gehen auf die Befindlichkeiten der potentiellen Zahler ein und versuchen, ihnen das Zahlen so leicht wie möglich zu machen. Wir bieten dazu sechs Wege an, um uns einmalig Geld zukommen zu lassen: Flattr, Handy, Paypal, einmalige Lastschrift, Kreditkarte, Überweisung. Mit der Pay-Wahl-Werbung weisen wir darauf hin und auch unter jedem Artikel auf taz.de bieten wir diese sechs Wege an, wenn man auf “taz zahl ich” beziehungsweise den Flattr-Button klickt. Was meinen Sie: Wie könnten wir einmalige Zahlungen noch einfacher machen?

  7. Basti Heiser:

    Danke für die ausführliche Antwort.
    Ich stimme darin überein, dass es zuerst einmal wichtig ist, dass die gesamte Finanzierung der taz gesichert ist. jeder Betrieb hat Cost- und Profit-Center, da ist also eine gewisse Querfinanzierung ganz normal. Ich stimme auch darüber ein, dass der übergeordnete Zweck bei der taz das Machen eine Zeitung und deren Verbreitung ist. Und eben der online-Zweig erhöht die Reichweite enorm.
    Trotzdem bin ich, angesichts der genannten sinkenden Print-Abos erst recht, der Meinung, dass ein erhöhter Deckungsbeitrag durch Online-kunden sehr wohl erstrebenswert ist. Sonst wäre auch die angelaufene Aktion völlig sinnlos.
    Tatsächlich ist sie durchaus auch erfolgreich gewesen, in dem Sinne, dass sie eine Steigerung der Zahler erreicht hat. Allerdings immer noch auf niederstem Niveau. Man kann das hinnehmen. Man kann sich aber auch größere Ziele stecken. Und genau das ist mein Anliegen.
    Einen Deckungsbeitrag durch Zahlungen ohne Verpflichtungen zu erreichen, ist ein politisches Ziel. Einmal als Politik im Sinne der Betriebswirtschaft. Aber noch viel mehr ist es ein politisches Ziel, eine (hoffentlich!) kritische Zeitung durch die Zahlungen ihrer Nutzer wirtschaftlich unabhängiger zu machen. Eine Leser-finanzierte Zeitung IST ein Politikum!
    Die Kunst, ein kostenloses Angebot zumachen und gleichzeitig Einnahmen ohne Verpflichtungen zu erzielen, nennt sich Fundraising und in diesem speziellen Fall Crowdfunding. Ein funktionierendes Crowdfunding in der deutschen Presselandschaft wäre ein echter Knaller! Wer, wenn nicht die taz, sollte sich solch ein Ziel stecken?
    Dazu müssen aber wirklich alle Zuflussmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Quasi-Abonnenten, die Daueraufträge einrichten, sind selbstverständlich willkommen. Aber: Geld, das man hat, hat man eben. Der Dauerauftrag ist eigentlich nur ein Versprechen, dass bei mangelnder Kontodeckung nicht mehr eingelöst wird. Nicht jeder kann sich so etwas leisten. Deswegen sollte die taz einmalige Zahlungen nicht gering achten und vor allem sich auch über jeden Kleinbetrag freuen! Da helfen einfache Möglichkeiten, schnell und unkompliziert Kleinbeträge locker zu machen. Wer je auf der Straße geschnorrt hat, weiß: die vielen Fuffzgerl machen’s!
    Wenn da irgendwelche Wichtel oder Trolle diejenigen, die ein kostenloses Angebot ohne Bezahlung nutzen, als Aggro-Schmarotzer belegen, dann ist das nur contra-produktiv. Schließlich WILL die taz ein kostenloses Angebot machen und trotzdem Geld von den Nutzern einwerben. Die taz tut nut gut daran, auf die Befindlichkeiten der potentiellen Zahler einzugehen und ihnen das Zahlen so leicht wie möglich zu machen, so lange sich sich damit redaktionell und politisch nicht verbiegen muss. Auch der User/Zahler will sich nicht verbiegen müssen. Eine echte Pay-Wall oder ständiger Druck senkt bei (meine ich) sehr vielen die Bereitschaft zu zahlen mehr, als sie die tatsächlichen Zahlungen von wenigen erhöht. Noch sind die Zahlenden eine lächerlich kleine Minderheit. Das sollte die taz durch positive Einwerbung von Geldern ändern. Wenn eine Zeitung in Deutschland das kann, dann die taz. Sie muss es allerdings auch versuchen.

  8. Zecouk: Die Zahl der täglichen Page Impressions lag in den ersten drei Wochen des Monats November bei durchschnittlich 454.014. In der letzten Woche, nach Einführung der Paywall, hatten wir täglich im Schnitt 439.375 Page Impressions. Das entspricht einem Rückgang von 3,2 Prozent und liegt damit innerhalb der natürlichen Schwankung, die wir hier ohnehin je nach Nachrichtenlage von Woche zu Woche haben. Wir werden das weiter beobachten.

    Auf der Einnahmeseite freuen wir uns ganz besonders über die Zahl der Leute, die uns eine Einzugsermächtigung für eine monatliche Abbuchung geben. Damit haben wir nämlich eine besondere Planungssicherheit. Vor Beginn der Kampagne lag die Summe, die wir monatlich über solche Einzugsermächtigungen erhielten, bei 2773 Euro. Jetzt haben wir 230 neue Einzugsermächtigungen, die Einnahmen liegen nun bei 4075 Euro monatlich.

  9. wauz: “Aggro-Bettelei” soll hier also vorliegen, so so.

    Mir scheint eher, hier liegen schwerwiegende Fälle von Aggro-Schmarotzerei seitens vieler taz.de-User vor.

    So sieht doch die Haltung vieler, wenn nicht sogar der meisten aus:
    Ich verlange Leistung (= die Ergebnisse einer weitgehend akzeptablen Form von Journalismus konsumieren), bin aber in keinster Weise bereit, eine Gegenleistung in Form von Bezahlung zu erbringen. Ganz im Gegenteil: Ich rege mich fürchterlich darüber auf, wenn der Leistungserbringer (= die taz) sich erdreistet, um Geld zu bitten.

    Ob das wirklich der richtige Weg sein kann?
    Wenn ich mich recht entsinne, wurde erst kürzlich ein Bundespräsident völlig zu Recht mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt, weil er offenkundig für eine ganz ähnliche Form der Mitnahmementalität steht…

    Letzlich hat er sich höchst unanständig verhalten und damit – größter Fehler überhaupt! – der Armada der Aggro-Schmarotzer, Gratismentalisten und Schnäppchenjäger den Spiegel vorgehalten.

    So viel also zum komplett lächerlichen Vorwurf der “Aggro-Bettelei”.

  10. Zecouk: Ich kenne die Entwicklung der Zugriffszahlen seit der Pay-Wahl noch nicht, ich frage mal nach.

  11. @ Sebastian Heiser.

    Natürlich. Genau so habe ich es gemeint, nett zu wissen, dass ich verstanden worden bin.

    Ich wiederhole mich ungern, aber was ist hiermit?:

    Auf der anderen Seite meine ich gehört zu haben, auch die Anzahl der Seitenzugriffe seien wichtig – schon allein um die Attraktivität für potentielle Werbekunden zu gewährleisten, bzw. zu steigern.

    Hat sich an den Seitenzugriffen etwas geändert?

  12. Zecouk, Sie schreiben: “Zahler ist natürlich wichtiger als Leser”. Das stimmt. Wenn niemand mehr für die taz zahlt, gibt es auch keine Inhalte mehr. Und was soll dann aus den Lesern werden, wenn sie nichts mehr lesen können?

    Was wir also brauchen: Genug Zahler, um Journalismus machen zu können. Und dann möglichst viele Leser!

  13. wauz: Danke für die Vorschläge!

    Sie schlagen vor, “den Deckungsbeitrag der Onliner auf die Kosten des Internetauftritts zu beziehen, was ja auch ein sachlich angemessener und nachvollziehbarer Bezug ist”. Dazu zunächst ein paar Zahlen. Im Jahr 2010 haben wir mit taz.de insgesamt 235.694,04 Euro an Erlösen durch Online-Anzeigen erzielt. Unsere Kosten für den Online-Auftritt:

    – Personalkosten Technik 240.000 Euro
    – Personalkosten Onlineredaktion 170.000 Euro
    – Honorare 68.000 Euro
    – Nachrichtenagenturen 36.000 Euro
    – Hardware 50.000 Euro
    – Traffic 40.000 Euro

    In der Summe lagen die Kosten also bei rund 604.000 Euro, macht abzüglich der Einnahmen einen Verlust von 370.000 Euro.

    Sie ziehen nun den Vergleich mit Wikipedia – dort wird ein klar genanntes Spendenziel formuliert. Ich finde: Dieser Vergleich passt nicht ganz. Denn bei Wikipedia sind die Spenden der Nutzer die nahezu einzige Einnahmequelle. Die Wikipedianer wissen also, dass sie nahezu alle ihre Ausgaben über diese Spenden decken müssen. Das Spendenziel ist also so hoch wie die Gesamtausgaben. In diesem Jahr lag das Spendenziel bei 25 Millionen Dollar.

    Die taz hat Ausgaben von 26 Millionen Euro im Jahr – aber sehr viele verschiedene Einnahmequellen. Das sind Abo-Erlöse (18 Millionen Euro), Einnahmen über den Einzelverkauf am Kiosk (2 Millionen Euro), Datenbankeinnahmen (260.000 Euro), Einnahmen über die Le Monde Diplomatique (430.000 Euro) inklusive deren Atlanten und Editionen (560.000 Euro), Anzeigenerlöse (2,5 Millionen Euro), taz-Shop und taz-Café (1 Million) und alles mögliche sonstige (1,2 Millionen Euro).

    Wir bei der taz finden nicht, dass jeder Bereich durch eigene Einnahmen seine eigenen Kosten decken muss. Wir finden es richtig, wenn Bereiche sich gegenseitig quersubventionieren. Den taz-Shop betreiben wir nur deshalb, damit in diesem Bereich ein Gewinn übrig bleibt. Die taz wurde schließlich nicht gegründet, um Schlafsäcke aus Entendaunen für 240 Euro zu verkaufen. Wir machen es aber trotzdem – um mit dem Gewinn mehr Journalismus finanzieren zu können.

    Wir hatten auch kein Problem damit, den Online-Auftritt jahrelang querzusubventionieren. Wir erreichen mit dem Online-Auftritt doppelt so viele Menschen wir mit der gedruckten Ausgabe. Und dafür wurde die taz gegründet: Möglichst viele Menschen erreichen.

    Wenn wir unseren Lesern sagen, dass wir bis zu einem genau genannten Datum eine genau genannte Summe X an freiwilligen Zahlungen brauchen – dann wäre das vielleicht für die Kampagne besser und würde mehr Geld bringen. Aber es wäre nicht ehrlich. Denn das würde ja bedeuten: Wenn das Geld nicht reinkommt, müssten wir den Online-Auftritt schließen oder dort zumindest sparen. Doch die Wahrheit ist: Wir können den Online-Auftritt derzeit auch noch weiter quersubventionieren. Wir müssen nur darauf achten, dass die Gesamt-Bilanz der taz stimmt. Dass insgesamt ungefähr so viel Geld reinkommt, wie wir brauchen. Egal auf welchem Weg.

    Derzeit bröckeln die Abo-Zahlen. Die Zahl der Abonnenten der täglichen gedruckten Ausgabe ist in einem Jahr um 5,5 Prozent zurückgegangen. Wenn die Kosten für den Online-Auftritt nicht sofort reinkommen, können wir noch ein paar Jahre weiter quersubventionieren. Aber niemand weiß, wie lange. Wir können jedenfalls nicht mehr warten, neue Einnahmequellen auszuprobieren. Wir wissen dabei noch nicht, was am Ende wie gut klappen wird. Wir experimentieren. Aber wir bauen nicht mit einem künstlichen Ultimatum einen Druck auf, den es so jetzt nicht gibt.

  14. Wie besser machen?

    Wer etwas erreichen will, braucht ein Ziel. Am besten S.M.A.R.T. formuliert (specific, measurable, attractive, reachable, terminated). In diesem Fall wäre es ein Kostendeckungsbeitrag durch die Online-Kunden. Da sollte klar sein, in welchem Zeitraum welcher Anteil an den Kosten erreicht werden soll bzw. wenigstens eine nachvollziehbare Summe genannt werden. (Siehe Wikipedia)
    Normalerweise werden betriebswirtschaftliche Ziele eben nicht in S.M.A.R.T.-Formulierung an die Öffentlichkeit gegeben. Aber die taz war schon immer “ein wenig anders als andere Kinder”. Ein klare Vorstellung, wofür man zahlt und wieviel überhaupt erreicht werden soll, dann den Stand der Dinge kennen und sich daran selbst einen Ansporn generieren können, das entspricht dem Wesen der taz. Die taz hat ja schon Erfahrung mit Sammelkampagnen, z.B. was die Unterstützung der salvadorianischen Revolution angeht.
    Was die Formulierung des Zieles angeht: an anderer Stelle wurde einmal das Zahlungsaufkommen der Onliner mit den gesamten Personalkosten verglichen. Das Ergebnis war ernüchterns: 0,45%. Das widerspricht dem Grundsatz “attractive”. Daher schlage ich vor, den Deckungsbeitrag der Onliner auf die Kosten des Internetauftritts zu beziehen, was ja auch ein sachlich angemessener und nachvollziehbarer Bezug ist. Das kann man selbst für den Fall tun, dass der Online-Auftritt via Werbung mehr als seine Kosten einspielt und somit einen Deckungsbeitrag für die redaktionelle Arbeit liefert. Da ich die betriebswirtschaftlichen Zahlen der taz nicht kenne, weiß ich nicht, welcher Anteil an den Online-Kosten als Spendenziel angemessen wäre. Deswegen mache ich keinen Vorschlag bezüglich der Relation oder Gesamthöhe.
    Ihr solltet unbedingt berücksichtigen, dass es höchst unterschiedliche Motive für eine Zahlung gibt und auch die Art, sich zu einer Zahlung zu entschließen, höchst unterschiedlich ist.
    Es gibt Menschen, die nach reiflicher Überlegung, aAwägung des Für und Widers, ihrer Kontosituation und dem Stan der Weltrevolution sich zu einer regelmäßigen oder einzelnen Überweisung entschließen.
    Manche sprechen auf den Impuls “Dieser Artikel gefällt mir” an und spenden einen Kleinbetrag auf der Stelle. Es gibt aber auch Menschen, die die Kleinspende für die taz nicht notwendigerweise als eine Gutbewertung eines bestimmten Artikels verstanden wissen will. (Ich z.B.) Ich bin ab und an geneigt, genau jetzt (weil ich mich mal wieder über einen Artikel ärgere) ein Fuffzgerl springen zu lassen, in der Hoffnung, dass sich die redaktionelle Arbeit dadurch verbessert. Das muss aber schnell gehen, der Impuls verfliegt, wenn das zu kompliziert wird. Über meinen UMTS-Zugang kann ich leider aus technischen Gründen nicht spenden… Wie wär’s denn damit, einfach eine kostenpflichtige SMS oder Hotline anzubieten? Bei den ganzen Andennen-Dudelradios und diverser Tränendrüsen-Spendenkampafgnen für irgendwelche weltweiten Katastrophen geht es auch.
    Ein nachvollziehbares Ziel, verschiedene Wege, Spenden zukommen zu lassen und auch ein klare Rückmeldung, was bislang erreicht wurde, sind die Grundlagen für das erfolgreiche Einwerben freiwilliger Zahlung. Für die Rückmeldung halte ich ein Pegelstandsanzeiger auf der Seite (jeder Seite!) für geboten, als festes Bestandteil des Seiten-Designs. Denkbar sind auch Themen-bezogene Kampagnen, oder jahreszeitlich bezogene Kampagnen. Klare Botschaft muss immer sein: euer Geld unterstützt eine gute Sache. Das müsst ihr aber immer belegen.

  15. Pingback: Wie und warum jetzt die Paywalls kommen – und wieder verschwinden — Carta

  16. Sebastian Heiser says:

    wauz: “Die Aggro-Bettelei schreckt mehr Leute ab, als dass sie Zahler gewinnt.” Das stimmt nicht: Wir haben mehr neue Zahler gewonnen als alte verloren.

    Das kann gut sein, glaube ich gern.
    Zahler ist natürlich wichtiger als Leser (die nicht-zahlenden Leser hören so etwas natürlich gar nicht gern).

    Auf der anderen Seite meine ich gehört zu haben, auch die Anzahl der Seitenzugriffe seien wichtig – schon allein um die Attraktivität für potentielle Werbekunden zu gewährleisten, bzw. zu steigern.

    Hat sich an den Seitenzugriffen etwas geändert? Meine Vermutung: Viele kreischen empört auf (“taz ist für mich gestorben!” usw.), aber ob diese Drohungen auch wirklich wahr gemacht werden, wage ich bezweifeln.

  17. @vauz:

    “..ich bin Mainstream genug, um von mir auch auf andere schließen zu können. ..”

    Danke. Der kommt in meine Sammlung “toller” Sprüche. Ich weiß allerdings noch nicht, in welche Kategorie.

  18. wauz: Was hätten wir besser machen müssen, um noch mehr Zahler zu gewinnen?

  19. Basti:

    Ihr habt längst nicht soviel Zahler gewonnen, wie ihr hättet gewinnen können. Ihr habt die sowieso-Zahler, die, die auf Aggro anspringen. Und der große Rest fehlt euch noch…

  20. wauz: “Die Aggro-Bettelei schreckt mehr Leute ab, als dass sie Zahler gewinnt.” Das stimmt nicht: Wir haben mehr neue Zahler gewonnen als alte verloren.

  21. anonymer Hartz IV-Leistungsempfaenger: Genau deshalb bleibt es ja bei der Freiwilligkeit – damit auch Menschen mit einem geringen Einkommen weiterhin die taz lesen können.

  22. Ich bleibe dabei: Die Aggro-Bettelei schreckt mehr Leute ab, als dass sie Zahler gewinnt. Ich bin Mainstream genug, um von mir auch auf andere schließen zu können. Crowdfunding bedeutet: überzeugen. Das funktioniert mit Texten genauso wie mit Musik, auch wenn RIIA und ihr das nicht wirklich glaubt. Eine “Spendenuhr” und journalistische Qualität sind die Faktoren. Beim Letzteren schwächelt ihr auch. Harmonie auf den Redaktionskonferenzen und Boulevard im Blatt – das bringt’s nicht! Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine taz braucht und dass ich dafür auch zehlen kann. Aber: noch seid ihr nicht so gut, wie ihr sein solltet. Im Gegenteil, ich meine, die Qualität lässt eher nach.
    Die taz hat ohne echte Not das Merkmal “Zeitung im Netz” nahezu aufgegeben. Ihr versteckt die Seite so, dass man schon richtig suchen muss und habt dafür euch entschieden, ein News-Portal sein zu wollen. Web 2.0 ist eine feine Sache. Wenn man akzeptiert, dass User sich dann auch an der Sache beteiligen, und zwar nicht nur mit Bezahlen. Inzwischen seid ihr auch so weit, euch hinter einer Netikette zu verstecken, in Wahrheit aber völlig willkürlich mit Leserkommentaren umzugehen. “Je schwachsinniger, desto besser” ist da euer eigenes Motto geworden. Wenn ihr aber die Leserdiskussion genauso wie Spiegel, FR und focus faktisch abwürgt, werdet ihr es auf Dauer schwer haben, Zahler zu gewinnen.
    Denkt dran: IHR braucht MEIN Geld, nicht umgekehrt. Macht Paywalls oder was auch immer: das zieht bei mir und vielen anderen nicht. Die Musikindustrie hat es immer noch begriffen, die denken, mit nur ausreichend brutalen Räubermethoden kommen die “guten alten Zeiten” zurück.
    Ihr braucht mehr Leute, die sagen: “Die taz ist es wert”!
    Überzeugt sie!

  23. Eine wirklich tolle Idee!

    Am Anfang hat es mich auch gestört, dass die Pay-Wahl dauernd “aufgepoppt” ist – aber jetzt funktioniert es auch.

    Ich würde die Cookie-Zeit auf 2-3 Wochen setzen, damit alle mal hin und wieder darüber informiert werden, etwas zu zahlen.

    Obwohl ich Abo-Kunde und Geno-Mitglied bin zahle ich weiter – denn die TAZ ist es mit WERT!!!

  24. Ich bin sicher nicht der einzige Leser von Artikeln bei taz.de, der gerne für ein TAZ-Abonnement zahlen würde, der jedoch mangels Finanzmittel nicht zahlen kann.

  25. Pingback: e-book-news.de » „Pay-Wahl“ statt Pay-Wall: taz testet freiwillige Bezahlschranke

  26. @ Simon: Die taz muss ja auch von etwas leben. Sie bekommt keine Steuergelder.

    Je nachdem, wo du lebst, muss deine Kommune sich um deinen Zugang zu Informationen kümmern, meine Meinung. In Berlin können Einwohner zum Beispiel gegen eine Jahresgebühr von circa zehn Euro über die kommunalen Bibliotheken jeden Tag deren Lizenzen für Zeitungen nutzen. Das geht dann so, dass man sich bei der Bibliothek online einloggt und dann die Zeitungen als Pdf ansehen kann. In den Bibliotheken selbst können sie sonst klar auch die gedruckten Zeitungen lesen.

    Ansonsten kann ich noch die Landeszentralen für politische Bildung empfehlen. Dort gibt es viel Grundsätzliches kostenlos.

    Wenn du dich nur online über frei zugängliche Internetseiten informierst, entgehen dir übrigens Informationen. In den Zeitungen steht mehr als das, was online kostenlos zugänglich ist.

  27. Hallo,

    Ich wünsch mir noch eine weitere Auswahl zum anklicken:

    “Danke, dass ich die taz auch ohne Zahlen lesen darf, da ich es mir sonst nicht leisten könnte”

    (ganz ohne Zynismus!)

    Ich lese Medien online, um auch ohne ausreichendes Einkommen regelmässig gut informiert zu sein, regelmässig die 9 EUR fürs internet im Monat aufzubringen ist schon eine Herausforderung.
    Ich finde, bei der ganzen Debatte ums Zahlen für Information sollte – insbesondere bei einem Medium wie die taz – auch der Aspekt wirtschaftlicher Bedürftigkeit als Zugangsbeschränkung zur Informationsfreiheit mitbedacht werden.

  28. @zeem:
    Wenn du die Pay-Wahl bereits 1x gesehen hast, besteht beim nächsten Seitenaufruf auf taz.de eine Chance von lediglich 50%, dass der Layer wieder eingeblendet wird.
    Hast du den Layer bereits 2x gesehen hast du bei den nächsten Seitenaufrufen eine Change von 33% ihn wieder vorgesetzt zu bekommen. usw.
    Wenn du ihn bereits 9x zu Gesicht bekommen hast hast du dann in Zukunft nur noch eine Chance von 10%, dass er wieder bei dir angezeigt wird.

  29. Danke, dass ihr die Option „zahle schon regelmäßig“ eingeführt habt! (und dann kurz ein „Danke“ ausblitzen lasst)

    So finde ich die PayWall gut. Sie stellt sicher, dass wirklich jedeR sieht, dass man für die Taz zahlen kann.

    Und ich würde auch nicht darauf verzichten.

  30. Die bisherige Ausspielung der Layer verhält sich übrigens in Häufigkeit wie folgt:
    1x gesehen 50 %
    2x gesehen 33 %
    4x gesehen 20 %
    9x gesehen 10 %

    Das verstehe ich nicht. Kann das kurz erklärt werden?

  31. schön, dass die pay-wahl einen guten start hat.

    gut, dass es jetzt die “zahle schon” alternative zum wegklicken gibt.

    prima, dass es mir wie manchem anderen auch zu gehen
    scheint: ich bin gern bereit mal eben die daten für ne lastschrift einzugehen, ich muss nur drauf gebracht werden!

    ich würde auch raten, die einblendung auch bei anhaltendem erfolg mindestens zufallsweise beizubehalten. warum sollte die taz auf erzielbare einnahmen verzichten, mit der sie ihre leistung verbessern (geht immer) und vielleicht sogar die mitarbeiter a bisserl besser entlohnen kann?

  32. Pingback: Wie und warum jetzt die Paywalls kommen – und wieder verschwinden | take56

  33. war vor kurzem von selber an dem punkt, dass ich mich informieren wollte wie tzi funktioniert…

    …die “paywall” ist aber dermassen penetrant, dass ich sagen muss, jetzt auf keinen fall mehr!

    & da sie so “toll erfolgreich” sogar mit gutem gewissen. da kauf ich mir lieber weiterhin die printausgabe.

    trotzdem viel erfolg.

  34. Hi!
    freut mich, wenn die Aktion ein erfolg war. Aber dennoch würde ich in Zukunft nicht drauf verzichten! Vielleicht nicht mehr so massiv, aber trotzdem würde ich die Paywall aktiv lassen und den Leuten (gelegentlich) die Tatsache vorhalten, dass sie vielleicht auch was zahlen sollen, wenn sie euch lesen. Mach ich auch. Nicht immer, aber in letzter Zeit mit gewisser regelmäßigkeit. Und immer nur wegen eurer “erinnerung” an mich. Denn schließlich bin ich zahlungswillig, denke oft nur nicht nach. (“Internet ist ja immer umsonst…” und so.)
    Also, Bau die Mauer wieder auf! ;)
    Grüße,
    J

  35. tazitus, bitte einfach auf “Ich zahle schon regelmäßig” klicken. Dann erscheint diese Werbung nicht mehr (solange der Cookie nicht gelöscht wird).

  36. Habe die digi-taz abonniert (€20 mtl.) Kann taz für solche Kunden nicht ein Kombi mit donation für taz.de anbieten?
    (Mit Keksen und mit Finanzdienstleitern, die am mikro-payment verdienen, habe ich das nicht so.)