Papst-Berichterstattung: Pilger legen Beschwerde ein

Die Speyerer Bistumszeitung Der Pilger geht gegen den taz-Artikels über Jorge Mario Bergoglio vor. taz-Redakteur Deniz Yücel hatte Bergoglio in seinem Kommentar als als „reaktionären alten Sack“ beschrieben. Der Text mit der Überschrift “Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab” erschien am 15. März anlässlich Bergoglios Ernennung zum “Papst”, der höchsten Funktion innerhalb der organisierten Katholikenschaft. Nach Ansicht der Beschwerdeführer haben wir mit dem Kommentar die Christenheit verächtlich gemacht. Auch mit unserer Bezeichnung der katholischen Lehre als “esoterischer Klimbim” sind die Gläubigen dieser Lehre nicht einverstanden. Die Pilger werfen uns zudem “faschistoide Wortwahl” vor, weil Yücel die katholische Soziallehre als “Schwäche für die Schwachen” bezeichnet hat.

“Ein solches ungeheuerliches Pamphlet darf man nicht durchgehen lassen”, heißt es in einer Stellungnahme des Chefredakteurs des Pilger-Magazins, Norbert Rönn. Mit Journalismus habe der Artikel nicht das Geringste mehr zu tun. Die öffentliche Herabsetzung und Beleidigung des Papstes und der Christen grenze an Volksverhetzung, so Rönn.

Die Anhänger des katholischen Glaubens halten die Strafe, die die verantwortlichen taz-Redakteure für ihren Frevel beim jüngsten Gericht zu erwarten haben, jedoch offenbar für nicht ausreichend. Sie haben sich daher mit ihrer Beschwerde an den Presserat gewandt. Von dort droht der taz nun im schlimmsten Fall eine öffentliche Rüge.

Kommentare (39)

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  1. “dass Deniz Yücel darin die Erwartungen aus dem linken Lager an den Papst kritisiert und das Recht der katholischen Kirche verteidigt, selbst über ihr Oberhaupt, ihre Rituale und ihre Glaubensinhalte entscheiden zu können.”

    Mich als nicht-Deutschen bringt’s auch nicht schlecht ins Staunen, dass solche Selbstverstaendlichkeiten bei euch eine Verteidigung noetig haben… und dass so’ne Verteidigung dermassen Jonathan-Swiftsch sein muss…offensichtlich ist’s irgendwie sehr komisch um eure politische Kultur bestellt.

    Warum ergreif ich denn hier, als nicht-Deutscher, das Wort? Weil 1. Deutsch immer noch allenthalben zumindestens verstanden wird, 2. Deniz’ Beitrag eine internationale (die internationalste schlechthin?) Institution verteidigen wollte. Seine Verteidigungen inner-deutscher Institutionen gehen uns nicht-Deutsche dagegen in der Tat nichts an.

  2. Ad S. Heiser,

    Ah, OK, danke, das ist ungefaehr was ich unter ‘Ironie’ verstuende, sagen wir mal, a` la Jonathan Swift (‘The Modest Proposal’ und viele andere seiner Stuecke).

    A weng missverstaendlich ist sie doch, scheint mir… I mein, er gibt a weng zu lang vor, Katholiken-Bashing zu betreiben, und zu gut gelingt’s ihm, diesen Eindruck auch aufrechtzuerhalten… erst am Ende kommt des Raetsels Loesung, und der arme D. muss erst hier die Leute auffordern, bis zu diesem Ende auch auszuharren… Witze mit Bedienungsanleitung?

  3. Wojciech Żełaniec: Ich würde diese Stelle wie folgt verstehen: Deniz Yücel empfiehlt damit, seinen Kommentar ganz zu lesen.

    Wer nur davon gehört hat, dass Deniz Yücel den Papst in seinem Kommentar als “reaktionären alten Sack” bezeichnet hat, der wird vielleicht vermuten, der Kommentar bestehe aus plumpem Katholiken-Bashing. Wer den Kommentar liest, wird feststellen, dass Deniz Yücel darin die Erwartungen aus dem linken Lager an den Papst kritisiert und das Recht der katholischen Kirche verteidigt, selbst über ihr Oberhaupt, ihre Rituale und ihre Glaubensinhalte entscheiden zu können.

  4. Ad S. Heiser:

    ‘ich kann auch keine entsprechende Suggerierung von ihm erkennen.’

    Ich bezog mich auf dieses:

    “Deniz Yücel says:

    ….

    Auch wenn in der Bibel den Worten des Anfangs eine größere Bedeutung beigemessen werden als dem Schluss (Wer weiß schon, wie das Johannes-Evangelium endet?), kann ich nur empfehlen, meinen Kommentar ganz zu lesen.

    April 7th, 2013 at 21:55″

    Die meisten Deutschen haben sowieso keinen Sinn fuer Ironie. Fuer Sarkasmus schon, Ironie nicht. Sorry, keine Volksverhetzung gemeint….

    Ach ja, noch eins: im Ausland kann man auch Deutsch und liest deutsche Zeitungen und macht sich ein Bild Deutschlands und der Deutschen, einschliessen der Deutsch-Tuerken, und Deutsch-was-auch-sonst. Vielleicht auch ein Aspekt fuer die Politik der Redaktion.

  5. Wojciech Żełaniec: Ich glaube nicht, dass Deniz den Kommentar ironisch gemeint hat, und ich kann auch keine entsprechende Suggerierung von ihm erkennen.

  6. Hi, Leute, Deniz suggeriert da oben, dass er seinen Beitrag ironisch gemeint habe, also die ganze Aufregung umsonst. Was meint er aber, wenn er dasjenige, was er meint, nun mal aber eben ironisch ausdrueckt? Das bleibt sein suesses Geheimnis. Vielleicht — sehet die obige Anspielung auf das Ende des Joh.-Evangeliums — dass wir in die Nachfolge Christi treten sollen (“Da er aber das gesaget, spricht er zu yhm, folge myr nach…”), und das ist in der Tat eine gute Idee; zur Nachfolge Christi gibt uns der Deniz genuegend Anlass. Vielen Dank Denis, desz sulln wir dyr aber dankbar seyn!

  7. @ Al Cera,

    Wie ‘schön’ für Sie, dass die “Meinungsfreiheit” in einem eigentlich säkularen Land und die taz es ermöglicht-e, dass Sie sich Ihre grottigen Exemplifizierungen notdürftig Erleichterung verschaffend in diesem Blog abschlagen konnten (, während Sie sich die Stiefel zubanden).
    Aber nun erläutern Sie doch bitte erst mal, was die zugegebenermaßen in überzeichneter Sprache formulierte aber auch fundiert begründete Kritik am aktuellen Papst oder dem organisierten Katholizismus und dessen Derivaten mit “Volksverhetzung” zu tun haben soll! Sind Mitläufer, Gläubige des organisierten Katholizismus ein: Volk‽ (LOL).

    In einem Punkt gäbe ich Ihnen und allen auch im hiesigen Blog wieder Kalaschnikow-bei-Fuß anwesenden Apologeten der Institution Römisch Katholische Kirche allerdings Recht: Im Grunde sollten die freien Medien überhaupt nicht mehr über jene berichten, es sei denn, es ginge um die endlich anstehende ersatzlose Streichung aller in unserem Gemeinwesen und auf unser aller Kosten gewährten Privilegien (in z.B. D), resp. der von deren Vertretern di- oder indirekt begangenen Verbrechen an …. (, ergo: der Menschheit).

  8. Auch wenn inhaltlich nicht alles falsch war – die Wortwahl hatte mit seriösem und kritischem Journalismus nichts mehr zu tun. Kritik ist nämlich was anderes als Billigst-Polemik.
    Die kath. Kirche ist Sch..verein, sicher. Das hat allerdings weniger mit den Glaubensinhalten zu tun als mit der kleinen Clique von Funktionären, die in ewiggestriger Manier am Zeitgeist des 18. und 19. Jahrhunderts festhalten.
    Dennoch ist es kein Aushängeschild für die taz, unbelegte Gerüchte über die Rolle Bergoglios zur Zeit der Junta weiter zu kolportieren statt ordentlich zu recherchieren und am Ende vielleicht sogar etwas vorzulegen, was tatsächlich Substanz hat. Der Beitrag von Deniz Yücel hat weder der kath. Kirche noch irgendeinem derzeitigen, vergangenen oder künftigen Papst geschadet, sondern allein der Reputation der taz.

  9. Flo says:

    Muhahaha, ich hab mich köstlich amüsiert. Danke! :-D

    Was heißt denn da Polemik? Er bringt doch Argumente und die Wortwahl ist nicht einmal ansatzweise so derb wie neben der Wortwahl die Ansichten und Machenschaften der Kirche in auch nur einem einzigen Monat, geschweige denn der letzten 2000 Jahre!

    Lieber Flo – da hast Du aber Dich aber mal kräftig am Stammtisch weitergebildet oder woher kommen wohl all Halbwahrheiten.
    Logo. Man kann an der Kirche viel kritisieren. Aber sie verteufeln kann man nicht. Es waren nämlich nachweislich am allerwenigsten die Kirchen die in der Hexenverbrennung drinhingen, sondern weltliche Gewalt, die sie anheizte…

    Aber vielleicht willst Du uns ja alles Areligiöse als großen Friedensstifter anpreisen – so wie den Kommunismus und den Sozialismus?

    Danke, da bleib ich lieber bei der Kirche, die zwar Fehler macht, aber sich immer wieder neu nach einer übergeordneten Macht des Guten ausstreckt. Amen.

  10. … und noch was.

    Nach der Berichterstattung zum Rücktritt Benedikts war ich fassungslos. Ich dachte, schlimmer geht es nicht.

    Leider hatte ich mich getäuscht. Es ging noch schlimmer. Für das, was zum Antritt Papst Franziskus geboten wurde, fehlen mir schlichtweg die Worte.

    Immerhin scheint die taz eine neue Form des Journalismus für sich entdeckt zu haben. Polemischen Befindlichkeitsjournalismus würde ich es nennen. Wer soll dafür die Zielgruppe sein? Minderjährige Gossenkinder vieleicht?

    Die taz mochte ich immer sehr gern – mit kleinen Abstrichen. Meine Sympathie ist nun leider dahin.
    Die Erkenntnis, wie sehr mit solcher “Berichterstattung” auch Leute wie ich – durchaus gläubige, wenn auch der Kirche gegenüber kritische Menschen – in den Dreck gezogen werden, macht mich traurig.
    Und so heißt es nun Abschied nehmen. Viellicht nicht für immer, aber solange so etwas wie Yücel bei der taz ein Podium für ihre kruden Ansichten geboten bekommen, ist die taz für mich gestorben.

  11. Lieber nicht.
    Ich habe mir in der Vergangenheit einige Artikel von Herrn Yücel angetan und war hinterher eigentlich immer entsetzt – tendentiell ist diese Person immer übler entgleist.

    Menschenwürde – ein dehnbarer Begriff.
    Für Personen wie Yücel müßte das Grundgesetz angepaßt werden. Die Würde des Menschen ist unantastbar – solange der Mensch nicht Papst, Bundespräsident, Fußballnationalspielerin oder… oder… oder… ist.
    Einfacher wäre es, diesen Personen von vorneherein ihr Menschsein abzusprechen…

    Ich kann tazmüller nur zustimmen. Gossen-Slang und Hau-drauf-Rhetorik will ich in einer “anspruchsvollen” Zeitung nicht lesen. Stinkstiefel, alter Sack, Schlampen, etc… sind gerade in dem Kontext nicht unbedingt die passenden Worte, um Menschen zu charakterisieren – unabhängig davon, wie man zu diesen Leuten stehen mag.

    Für Yücel mag Respekt ein reaktionärer Mist von gestern sein.
    Für mich ist es so ziemlich die wichtigste Tugend im Umgang miteinander.
    Von daher: Nein danke. Auf solche “Kommentare” verzichte ich.

    Um es anschaulicher auszudrücken: Wenn ich von Weitem etwas auf der Straße sehe, das wie Scheiße aussieht, mache ich einen Bogen drumherum. Ich trete nicht mitten hinein, um mich hinterher zu ärgern, dass ich Scheiße am Schuh habe.

  12. Die Schlagzeile “Junta-Kumpel löst Hinterjunge” war der Titel für die dreiseitige Strecke zum Thema, nicht unbedingt die Überschrift meines Kommentars. Dieser erschien schon am Abend der Papstwahl unter einer anderen Überschrift.

    Auch wenn in der Bibel den Worten des Anfangs eine größere Bedeutung beigemessen werden als dem Schluss (Wer weiß schon, wie das Johannes-Evangelium endet?), kann ich nur empfehlen, meinen Kommentar ganz zu lesen.

  13. Ich fürchte nur: Wenn sich immer weniger Leute aufgrund von Herrn Yüzels “Polemiken” und vor allem auch Herrn Heisers “lustigen”, herablassenden und arroganten Kommentare seinen Lesern gegenüber dazu entschließen zu “tazzahlich”en, dass dann irgendwann katholische, muslimische, evangelische, atheistische, agnostische und andersgläubige Steuerzahler den Lebensunteralt der o.g. TAZ-Redakteure bestreiten müssen.

    Und dann?

  14. ich bin exmuslim und heute christ
    ich finde es eine frechheit das ein muslim ungestraft 2,54 Millarden Christen beleidigen darf ..
    ich als iranische christ sage nur das ist die reinste Hetze
    und rassismus pur !

  15. @ Sebastian Heiser
    Sebastian Heiser says: „…Die Pilger haben sich allerdings dafür entschieden, keine Strafanzeige zu stellen, sondern sich beim Presserat zu beschweren. Der Presserat ist ein Selbstkontrollorgan der Presse, er ist also nicht staatlich und kann niemanden wegen Beleidigung zu einer Strafe verurteilen.“
    Ja, ich habe die von mir zitierte Textpassage Ihres Einführungsartikels schon so begriffen, wie Sie das hier nochmal ausbreiten – Ich fasse es mit anderen Worten zusammen: „Die sind doch doof, die richten eine Beschwerde an den Presserat, von dem wir doch außer einer Rüge nichts zu befürchten haben“ – oder um es in dem bei der ‘taz’ jetzt anscheinend üblichen Gossen-Slang auszudrücken (damit es auch auf Meeresspiegelniveau ankommt): „Was juckt es eine Wildsau, wenn ein zahnlose Töle kläfft!“

    Sebastian Heiser says: „Flo: Danke für das Angebot; wir brauchen Geld. Hier können Sie uns ihrs überlassen …“
    Tja, ich bezweifle, dass Sie mit Ihrer Slum-Rhetorik eine so umfangreiche Leserschicht akquirieren können, die Ihr Blatt finanziert, wenn Sie andererseits die Leser vor den Kopf schlagen, die in ihrem Leben eine Sozialisierungsphase durchlaufen haben und deshalb nach wie vor Wert auf ‘Kinderstube’ legen.
    Aber was soll’s – es kann ja auch eine Ansage an diejenigen sein, die Wert auf anspruchsvollen linken Journalismus legen, sich anderweitig zu orientieren!

    Sebastian Heiser says: „Nowak: Warum finden Sie den Kommentar feige? Der Autor riskiert mindestens sieben Jahre Fegefeuer!“
    Dafür ernten Sie aus der Gosse mit Sicherheit wieder einige schallende Lacher – Gratulation!

  16. @Flo
    Flo says: „Muhahaha, ich hab mich köstlich amüsiert. Danke!…“
    Sie machen den gleichen Fehler, der sehr weit verbreitet ist – Sie setzen die Institution ‘Römisch Katholische Kirche“ mit ‘Glauben’ gleich oder – schlimmer noch – mit der Vielzahl der einzelnen, gläubigen Menschen.
    Wenn die Institution RKK und ihre institutionellen Organe beschimpft werden, ist mir das schnurz piep egal, denn diese Organisation maßt sich – gestützt auf autoritäre Selbstreferenzialität und gezielte Unterdrückung durch die Inquisition und ihre Nachfolgeeinrichtung(en) – ein Auftreten, sowie Handlungen und Einflussnahmen an, die durch nichts legitimiert sind.
    Anders ist die Sache gelagert, wenn einzelne Personen ***nur*** aufgrund ihrer Berufung beleidigt werden oder – noch viel gravierender – das einzelne Individuum wegen seines Glaubens in den Dreck gezogen wird.
    Da erreichen wir eine Grenze, an der niveaulose Rhetorik faschistoides Handeln befeuert! – Eine Tatsache, die wir doch eigentlich aus unserer Geschichte gelernt haben sollten.
    (Wenn ich mir allerdings Ihre Einlassungen näher ansehe, wage ich zu bezweifeln, dass dieser wichtige Unterschied zwischen Institution Kirche und den gläubigen Menschen Ihre linke Gehirnhälfte erreichen wird, denn Sie nehmen in Ihrem Beitrag in hügeliger Gegend einen Betrachtungsstandpunkt ein, der unterhalb des Meeresspiegels liegt.)

  17. @ Sebastian Heiser:

    Wieso machen Sie sich über Nowak lustig?

    Zum Fegefeuer:
    Was soll jetzt dieser polemische Heiterkeitsausbruch? Halten Sie es für sinnvoll, Ihre Leser – die vielleicht nicht ganz so eloquent und argumentationssicher daherkommen wie ein ausgebildeter Journalist – auf die Art und Weise lächerlich zu machen?

  18. Nowak: Warum finden Sie den Kommentar feige? Der Autor riskiert mindestens sieben Jahre Fegefeuer!

  19. Auch nach Lektüre des Originalartikels (Dank an tazmüller für den Link!) bleibe ich bei meiner negativen Einschätzung des journalistischen Stils von Herrn Yücel. So etwas will ich nicht in einer Zeitung lesen und zwar ganz egal, wer angegriffen wird…

  20. Ist das die Freiheit für die die TAZ angetreten ist? Ich kann mich nur entsetzlich schämen für diese Art von Journalismus, die ich feige und faschistisch finde.Der TAZ scheint es ja nun darauf anzukommen den fundamentalistischen Modetrend in unserer Gesellschaft zu bedienen, damit man sich da Zustimmung und Abonnenten fischt. Nur Draufhauen, Lächerlichmachen und Entwerten – aber bloss keine sachliche Berichterstattung mehr! Ich sage nur: Wehret den Anfängen – solche Schmähschriften hatten wir doch in Großdeutschland schon wahrlich genug.
    Armes Deutschland in Zukunft für mich jedenfalls ohne TAZ!

  21. Flo: Danke für das Angebot; wir brauchen Geld. Hier können Sie uns ihrs überlassen: https://taz.de/zeitung/formulare/tazzahlich

  22. rzhh: Ihre Vermutung, dass Deniz Yücel nicht in Bergoglios Heimat über dessen Vergangenheit recherchiert hat, ist richtig. Eine solche eigene Vor-Ort-Recherche halte ich aber auch nicht für notwendig zum Verfassen eines Kommentars.

    Muss man selbst in Nordkorea sein, um die Atomdrohungen des dortigen Diktators beurteilen zu können? Muss man selbst in Syrien sein, um kritisch kommentieren zu können, wie Assad mit seiner Bevölkerung umgeht? Ich glaube nicht. Es reicht, wenn man sich bei seinem Kommentar auf verlässliche Informationen von vor Ort verlassen kann.

    Diese Informationen lieferte in der taz zum Beispiel Horacio Verbitsky, der sich durch seine Recherchen zur Militärdiktatur einen Namen gemacht hat. Im taz-Interview sagte er: “Er war der Obere der Compañía de Jesús in Argentinien, also der Jesuiten. Er war der letzten Perón-Regierung intensiv verbunden. Und er war Mitglied in einer Organisation namens Guardia de Hierro, einer Gruppierung innerhalb des Peronismus, die eine sehr mystische Entwicklung nahm, die Perón mit Jesus Christus gleichsetzte. Als der Militärputsch erfolgte, wurde diese Organisation von Admiral Massera kooptiert. Der benutzte die Organisation bei den Konflikten innerhalb der Militärjunta gegen General Videla. An diesem ganzen Prozess war Bergoglio beteiligt. Die Compañía de Jesús war in jenen Jahren so etwas wie die Avantgarde des sozialen Aktivismus und des “Tercermundismo”, also der Emanzipation der Dritten Welt, sehr aktiv in den Armenvierteln. Bergoglio setzte eine inhaltliche Neuorientierung durch: Er machte den sozialen Aktivitäten ein Ende und orientierte auf spirituelle Arbeit. Und er ließ jene Pater im Stich, die er noch selbst in die Armenviertel geschickt hatte.”

    Wäre es wirklich besser gewesen, wenn Deniz Yücel selbst sich für Recherchen nach Südamerika begeben hätte? Wie lange hätte er wohl gebraucht, die Sprache zu lernen und an die relevanten Informationen zu kommen? Ich halte es für viel sinnvoller, auf Experten vor Ort zu vertrauen. Horacio Verbitsky zum Beispiel schrieb schon 2005 das Buch “El Silencio – von Paul VI. zu Bergoglio: Die geheimen Beziehungen der Kirche zur Esma”.

  23. tazmüller schrieb:
    > “Von dort droht der taz nun im schlimmsten
    > Fall eine öffentliche Rüge.” Und dafür rühmen
    > Sie sich auch noch, obwohl Beleidigung in
    > unserem Land strafbewehrt ist?

    Wir rühmen uns nicht mit Rügen des Presserates. Ich schrieb den Satz, um unsere Leser darauf hinzuweisen, welche Konsequenzen es haben kann, wenn sich jemand beim Presserat beschwert. Es könnte ja sein, dass das vielen Lesern nicht bewusst ist. Wenn ich über Gerichtsverfahren berichte, schreibe ich auch dazu, welche Strafe das Gesetz vorsieht, falls der Täter für die ihm zur Last gelegte Tat verurteilt werden sollte.

    Es stimmt, dass Beleidigung in diesem Land strafbewehrt ist. Die Pilger haben sich allerdings dafür entschieden, keine Strafanzeige zu stellen, sondern sich beim Presserat zu beschweren. Der Presserat ist ein Selbstkontrollorgan der Presse, er ist also nicht staatlich und kann niemanden wegen Beleidigung zu einer Strafe verurteilen.

  24. Muhahaha, ich hab mich köstlich amüsiert. Danke! :-D

    Was heißt denn da Polemik? Er bringt doch Argumente und die Wortwahl ist nicht einmal ansatzweise so derb wie neben der Wortwahl die Ansichten und Machenschaften der Kirche in auch nur einem einzigen Monat, geschweige denn der letzten 2000 Jahre!

    Auch das immer wiederkehrende Argument “er heißt Yücel, also hat er was mit (dem kleinen Bruchteil der) Steinewerfern zu tun (die es bei der Kirche in gleicher Weise gibt und gab, nur daß man sie bis vor gar nicht so langer Zeit halt auf dem Scheiterhaufen verbrannt hat, weil dem Nachbarn was nicht gepasst hat und er halt mal was von Zauberei erfunden hat)”, ist doch sowas von an den Haaren herbeigezogen, im Gegensatz zu seinen absolut bewiesenen Argumenten, die der Herr Papst ja sogar eben selbst propagiert.

    Des weiteren – da bin ich mir aber grad nicht 100% sicher – hat Herr Yücel sehr wohl auch schon gegen Probleme der hier als faule Ausrede herangezogenen und angeprangerten Völker und deren – meiner Ansicht nach genauso überflüssigen und schädlichen – Religion(en) geschrieben.

    Also ich fands (wie bisher immer von ihm) klasse! :-D

    Falls ihr Geld braucht, dann trete ich gern endlich aus der Kirche aus und überweis euch das, was mich ansonsten dieser Märchenverein jeden Monat kostet.

  25. Offenbar hat kaum eine/er der Kommentatoren/innen den fraglichen Artikel überhaupt gelesen. Der ist zwar polemisch, aber keineswegs denunzierend. Obwohl ich überzeugter Katholik bin, kann ich ganz gut mit diesem Text leben. Vieles, z.B. die abstrusen Erwartungen an den neuen Papst, die durch die Presse gingen, finde ich sehr fein beobachtet und witzig entlarvt. Lob für den Autor!

  26. Bitte schreiben Sie mal einen Artikel wie der Schmutzfink aus Islam usw. sich aufregen würde, wenn Islam, Allah, Mohammed u.Co. so behandelt würden.

  27. @ tazmüller:
    Du hast vollkommen Recht.
    Der Yücel, auf den Du per Link verweist, ist allerdings ein anderer Yücel.
    Die plärrende taz-Krawallschachtel ist wesentlich älter, Jahrgang 1973. Ich möchte jetzt keine Links angeben und im Grunde halte ich es für das Beste, diese Person nicht ernst zu nehmen oder am besten gleich zu ignorieren.

    Ob die taz nun eine öffentlich Rüge des Presserats bekommt oder nicht ist denen vermutlich egal, vielleicht würden sie sich darüber sogar freuen.
    So etwas generiert öffentliche Aufmerksamkeit, was wollen sie mehr?
    Ich muss mich fragen, ob ich mich wirklich weiterhin mit einem Medium beschäftigen möchte, das sich offenbar solch fragwürdiger Art von “Journalismus” verschrieben hat. Vermutlich nicht. Ich möchte nicht zur Finanzierung von so etwas beitragen.

  28. „Sam says: Ich lese immer wieder mal die onlne-taz (meist in der mobilen Fassung). Daher habe ich den Artikel im Original nicht gesehen …“
    Tipp: In dem einführenden Kommentar oben ist mit einem Link unter dem Text „Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab” auf den Originalartikel vom 15.3.2013 verwiesen >>> http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2013/03/15/a0033

  29. Pingback: Deniz Yücel | Elias Schwerdtfegr (beta)

  30. Ich lese immer wieder mal die onlne-taz (meist in der mobilen Fassung). Daher habe ich den Artikel im Original nicht gesehen, aber was hier daraus zitiert wird überschreitet eindeutig die Grenze des guten Geschmacks. Pressefreiheit ist ein hohes Gut, guter (journalistischer) Stil und kultivierte Umgansformen aber ebenso! Dieses Niveau der Polemik hätte ich jetzt eher in der Bild vermutet und mein Ansehen der Taz befindet sich gerade im freien Fall. Als Protestant sehe ich den Papst und die institutionelle katholische Kirche zwar äußerst kritisch, aber zu so einer Entgleisung kann ich nur sagen: “Dieser Artikel ist mir was wert” und zwar mindestens ein halbes Jahr “jetzt nicht”…

  31. Der Hitlerjunge stammt vom britischen Boulevard, wo er anläßlich der Ernennung Kardinal Ratzingers zum Papst in Marsch gesetzt wurde.Also originell ist Herr Yürzel dem Anschein nach überhaupt nicht. Zwar habe ich keine Gewissheit ob Herr Yürzel bei der britischen Haudrauf-Presse abgekupfert hat, aber mit aboluter Sicherheit weiß ich, dass Herr Yürcel
    über den gegenwärtigen Oberhirten der katholischen Christenheit,
    nicht in dessen Heimat ob aeiner Vergangenheit recherchiert hat. Dazu fehlt ihm als TAZ-Schreiber einfach das nötige Kleingeld. Völlig unverständlich ist mir, dass dieser geistlose Artikel von der moderaten Frau Pohl ins Blatt gehoben wurde.

  32. Ich finde den Artikel typisch für die taz. Auf der katholischen Kirche kann ohne Konsequenzen befürchten zu müssen herumhacken und Beledigungen aussprechen. Ich würde gerne mal erleben, was passiert, wenn Herr Yücel einen solchen Beitrg über den Islam schreiben würde. Das traut sich der Yücel garantiert nicht, weil er ganz genau weiß, was auf ihn zukommt.
    .

  33. Hallo,
    Entzieht dem Schreiberling Yücel den Job!

  34. Ich bin sicher kein Freund des Katholizismus und lese auch gerne gelegentlich (nicht immer aber ab und an) die ‘taz’.
    Trotzdem bin ich der Meinung, dass Sie sich mit diesen Äußerungen ziemlich ins Abseits manövriert haben. Persönliche Beleidigungen sind mit Sicherheit nicht von der Pressefreiheit abgedeckt.

    Diese Vulgärausbrüche zeugen nicht gerade von menschlicher Achtung Dritten gegenüber – und das von einem Redakteur, dessen Name vermuten lässt, dass er einer Kultur nahe steht, die in Glaubensfragen nicht unbedingt zimperlich manövriert – die schon anfängt ‘Zeter und Mordio’ (im wahrsten Sinne der Wörter) zu schreien, wenn nur ein Zeichenstift ihrem Glauben in die Quere kommt.
    Selbst wenn diese Nähevermutung nicht zutrifft, muss so etwas bedacht werden, wenn ein solcher Artikel veröffentlicht wird – vor allem, wenn sich Ihr Redakteur selbst so Leid tut, wie man diesem Artikel entnehmen kann >>> http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-falsche-tuerke

    Vielleicht sollte die Chefredaktion mal ihrer Aufgabe nachkommen und die schlimmsten Entgleisung vorregulieren – und wenn denn trotzdem das Kind im Brunnen liegt, mal ein Wort der Entschuldigung finden statt eines Versuchs der Rechtfertigung für etwas, das in einem Presseorgan – welcher politischen Ausrichtung auch immer – einfach nicht zu rechtfertigen ist, solange die eigene Glaubwürdigkeit gewahrt werden soll!

    PS: Zitat: “… Sie haben sich daher mit ihrer Beschwerde an den Presserat gewandt. Von dort droht der taz nun im schlimmsten Fall eine öffentliche Rüge.”
    Und dafür rühmen Sie sich auch noch, obwohl Beleidigung in unserem Land strafbewehrt ist? Das ist auch mit linker Gesinnung nicht mehr zu rechtfertigen?

  35. Pingback: Herzallerliebst, dieser Herr Yücel von der TAZ › By Horst Schulte › Netzexil

  36. Schon klar. Alles, auch die schlimmste Hetze, ist durch die Meinungsfreiheit abgedeckt. Solange man nicht selbst von solchen Schmutzfinken aufs Korn genommen wird. Habt Spaß!

  37. Lächerlicher Artikel! Meinungsfreiheit kennt beim Beleidigen der Katholischen Kirche keine Grenzen. Bei anderen Themen wie Islam (ja richtig Yülcan) hört Meinungsfreiheit schon bei berechtigter Kritik an!

    Aber wer diese Aufmerksamkeit braucht, bitte. Einige von euch brauchen dicke BMWs und andere solche populistisch schlechten Artikel. Arm sind diese Leute alle gleich.

  38. Hallo, ach so schlauer Christoph.

    Dann definiere doch mal bitte ganz trennscharf die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Volksverhetzung.

    Was ist mit Aussagen wie “Alle Männer, die Christoph heißen und im taz-Blog herumkritzeln, sind Schwachköpfe, dürfen sich deshalb nicht fortpflanzen und müssen kastriert werden.” oder “Männer dürfen Frauen jederzeit vergewaltigen, sind eh alles blöde Schlampen und haben es nicht besser verdient.”?
    Und wie sieht’s aus mit “Der Holocaust hat nie stattgefunden, alles Propagandalüge.”?

    Meinungsfreiheit? Volksverhetzung?
    Aber Du wirst uns sicher gleich aufklären…

  39. Das ist doch echt ein schlechter Witz. Meinungsfreieheit will die kath. Kirche uns doch auch noch nehmen.