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von 09.08.2013

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Von Andreas Rüttenauer und Markus Völker

 

Seit fast zwei Jahren wird Reklame auf Fotos im taz-Ressort „Leibesübungen“ verpixelt, also unkenntlich gemacht. Die Verpixelung ist mittlerweile zu einem Markenzeichen der „Leibesübungen“ geworden. Die Sportredaktion ist der Meinung, dass parasitäre Werbung im Sportteil einer Zeitung nichts zu suchen hat, jedenfalls nicht in der taz.

 

Magdalena Neuner ist voller Werbung. Die taz verpixelt sie jetzt. Foto: Reuters
Nächste Woche werden unsere Leser endlich erfahren, wer Magdalena Neuner sponsort. Foto: Reuters

 

Gemeint ist das kostenlose Abdrucken von Werbeinhalten, für die die taz keinen Cent bekommt. Das ist nicht nur widersinnig, das widerspricht auch ökonomischen Grundsätzen. Oder anders: Wären Unternehmen wie Bayer, Adidas oder Siemens bereit, in Firmenblättern, auf Kongressen oder anderswo kostenlos Werbung für die taz zu machen? Eben.

 

Doch damit ist jetzt Schluss. Für eine Woche. Sieben Tage lang zeigt die Sportredaktion der taz Fotos ohne verpixelte Trikot- oder Bandenwerbung.

 

Was das soll? Ganz einfach: Wir behandeln in dieser Woche Sportfotos wie Werbeanzeigen und stellen den Profiteuren, also der Telekom, Red Bull oder VW Rechnungen für ihre in die taz eingeschleuste Reklame zu. Wir orientieren uns dabei an den üblichen Anzeigenpreisen der taz – und sind gespannt, was passieren wird.

 

Danach sind wir wieder unseren Grundsätzen treu, denn es sollte nicht Aufgabe einer Zeitung sein, die mit kritischer Distanz über Sport berichtet, täglich kostenlose Werbung von Firmen ins Blatt zu heben, noch dazu von Unternehmen, die Milliarden umsetzen und sich nun wirklich eine dreispaltige Anzeige leisten könnten.

 

Bis jetzt dürfen Unternehmen in fast allen deutschen Zeitungen via Sportfoto kostenlos inserieren. Es wird von den Redaktionen und Verlegern geduldet. Was sich hier eingebürgert hat, ist nichts anderes als Werbepiraterie von Firmen, die sich das leisten können.

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http://blogs.taz.de/hausblog/2013/08/09/sportwerbung-taz-setzt-verpixelung-aus/

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kommentare

  • …da musste ich doch mal schmunzeln, die 3 Streifen von dem Sportartikelhersteller A. wurden in dem Beispielbild doch kostenlos mit abgedruckt….

  • Oooha, wenn das alle machen würden, also das verpixeln, würden die Unternehmen aber keine Sportler mehr sponsern. Die werden das Geld aber sicher brauchen, schließlich kosten Equipment und Co. eine Menge Geld.
    Bezahlt ihr die dann? Schließlich ist es ja in eurem Interesse Berichte über Sport zu veröffentlichen.

  • Lassen es die Lizenzen, die ihr für die Bilder erwerbt, überhaupt ein Bearbeiten zu? Der Sport finanziert sich über Werbung. Dann werdet ihr demnächst eben mehr dafür zahlen müssen, wenn sich das großflächig durchsetzt durchsetzt.

  • Und dass im Falle eines Wegfalls der Werbung in den Medien die Sportler in erster Linie die Leidtragenden sind, kommt euch jetzt nicht in den Sinn?
    Natürlich ist sich jeder selbst der Nächste, aber ganz ehrlich:
    Falls sich so eine Vorgehensweise durchsetzen würde, wäre doch zum Beispiel die Bundesliga (und ich rede nicht von Vereinen wie dem FCB, sondern eher Dynamo, Jahn oder Augsburg), für viele Vereine nicht mehr erschwinglich und damit tot. Ganz abgesehen von den Einzelsportlern die sich über diese Werbung eben ihren Sport finanzieren müssen.

  • Reichlich naiv/lebensfremd. Kein Mensch zwingt euch Sportfotos mit Werbung zu drucken/veröffentlichen. Das ist eure eigene unternehmerische Entscheidung.
    Wie wärs denn ich veröffentliche ein Bild von mir auf einer Website, wie ich die TAZ lese. Darf ich euch dann auch eine Rechnung für Werbung zukommen lassen? Und wieviel zahlt ihr pro Bild, das scheint ja eine prima Einkommensquelle zu sein (Kopfschüttel)

  • Anstatt sich über die Sponsorenwerbung aufzuregen, die ein Teil der Vereinbarung der Sportler ist, dessen Leistungen ohne diese Unterstützung kaum möglich wäre, solltet ihr einfach andere Fotos nehmen. Es ist schon witzig sich an Bilder zu bedienen oder diese gar selber zu machen und anschliessend über dessen Inhalte zu monieren.

    Wenn ihr als Verlag hinter den Sprotlern steht die ja ein Teil eurer Einnahmen durch ihre Aktionen – über die ihr berichtet – generieren solltet ihr einfach ein bisschen mehr Sportlergeist zeigen.

  • „Bis jetzt dürfen Unternehmen in fast allen deutschen Zeitungen via Sportfoto kostenlos inserieren.“

    Das stimmt so nicht. Die Unternehmen haben die Werbung bezahlt, nur eben nicht an euch.

  • Gute Aktion! Mich nerven Bilder auch in denen vor lauter Werbung der Sportler kaum noch zu sehen ist oder auch dieses sofortige „Hochreißen“ der Skier zB beim Skisprung usus geworden ist. Klar müssen Sportler von Werbung leben, aber es kann auch dezent sein und eure Argumentation finde ich völlig richtig.

  • Und wenn ich das nächste mal ein Bild in meinem Blog veröffentliche, in dem zufällig ein Foto einer rumliegenden taz ist, dann schicke ich der taz ne Rechnung?

  • Das stimmt so nicht ganz.
    Die Unternehmen haben durchaus für die Werbung gezahlt: Allerdings nur pauschal an die Sportler und deren Berater. Diese müssen das nun natürlich weiterverteilen!

    Die Taz müsste sich also nur dem Pendant der Gema in diesem Bereich anschließen und schon werden die Tantiemen auch an sie ausgeschüttet.

    Oder so.

  • Eine extrem tolle Idee mit dem Experiment. Freue mich schon auf den Abdruck oder zumindest einzelne Zitate der Antworten der Firmen… sofern die überhaupt auf die Rechnungen antworten werden.

    Bitte dokumentiert das unbedingt auch auf Papier im Ressort der Leibesübungen.

  • Ich finde die Verpixelung selbst parasitär. Ihr greift die Inhalte ab (=den Leser interessierende Sportberichterstattung), ohne den Sport zu unterstützen. Die Sponsorengelder (die natürlich vor allem für mediale Aufmerksamkeit bezahlt werden) fließen ja nicht in die Taschen von Funktionären, sondern kommen dem Spitzen- und Breitensport zugute. Gerade für Randsportarten, wo nicht tausende zahlende Zuschauer zu den Events strömen, wäre die Ausweitung der Verpixelung auf andere Medien ein harter finanzieller Schlag.

    • Seltsam, ich hätte vermutet, dass die Berichterstattung über den Sport Werbung für den Sport ist und ihn unterstützt. Letztlich muss Trikotwerbung als das betrachtet werden, was sie ist: Werbung auf dem Trikot. Sichtbar für die Leute, die das Trikot betrachten, z.B. im Stadion. Solange andere Medien, z.B. auch Fernsehsender, nicht anteilsmäßig beteiligt werden, sollten sie die Trikots und Bandenwerbung ausblenden, wie es die taz ja auch macht. Der einwöchige Test ist ein Versuch, den Unternehmen klar zu machen, dass sie nur sponsern, weil sie die kostenlose Verteilung über andere Kanäle einkalkulieren und sich diese anderen Kanäle für diesen Missbrauch durchaus wehren können.

      Leider verpixeln nicht grundsätzlich alle Medien die Werbung, die nicht bei ihnen in Geld ankommt. Weshalb eigentlich nicht?

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