Gerichtsentscheidung: taz muss Thilo Sarrazin Entschädigung zahlen

Nach einem am Freitag veröffentlichten Urteil des Berliner Landgerichts (27 O 183/13) muß die taz dem Ex-Bundesbanker und SPD-Politiker Thilo Sarrazin eine Entschädigung von 20.000 Euro zahlen. Zudem darf wegen Verletzung des Persönlichkeitsrecht eine am 6. November 2012 veröffentlichte Kolumne über Sarrazin nicht weiter verbreitet oder veröffentlicht werden. Der Artikel enthielt nach Gerichtsangaben unter anderem die Formulierung:

 

„Buchautor Thilo S., den man, und das nur in Klammern, auch dann eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen darf, wenn man weiß, dass dieser infolge eines Schlaganfalls derart verunstaltet wurde und dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten“.

 

Dagegen hatte Sarrazin geklagt. Der frühere Berliner Finanzsenator steht seit dem Erscheinen seines Bestsellers „Deutschland schafft sich ab“ (2010) in der öffentlichen Kritik. In dem Buch hatte er Überfremdungsängste aufgegriffen. Die Entscheidungsgründe des Gerichts liegen noch nicht vor. Die taz prüft Rechtsmittel gegen die Entscheidung.

 

Kommentare (48)

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  2. Dennis könnte einen Teil selbst bezahlen.

    • Hier im Gerichtsprotokoll steht, dass gegen Deniz Yücel ein Strafbefehl erlassen wurde: http://blogs.taz.de/hausblog/2013/08/20/sarrazin-vs-taz-der-prozess/

      Die Staatsanwaltschaft hat also offenbar gegen ihn ermittelt, vielleicht aus eigenem Antrieb, vielleicht wegen einer Strafanzeige, die vielleicht von einem Dritten kam, vielleicht auch von Sarrazin selbst, das alles erfahren wir dort nicht. Zur Zahlung eines Strafbefehls ist der Straftäter persönlich verpflichtet.

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  4. Ekelhaft. Also, dass ein (gelöscht) wie Sarrazin allen ernstes noch die Opferrolle zugestanden und eine Entschädigung zugesprochen wird. Für Beleidigungen, die er sich ja wohl auch in dieser Drastigkeit redlich verdient hat.
    Wer Parolen über Judengene und sich wild vermehrende dumme Ausländer verbreitet, gehört (gelöscht). Jetzt kassiert er noch weil man ihn danach beschimpft.

    Ich habe zwei Beleidigungen aus diesem Kommentar gelöscht – Sebastian Heiser

    • Sarrazin ist gewiss keine Zierde der Gesellschaft, aber in die Opferrolle hat Deniz Yücel ihn erst durch seine wüste Beschimpfung gebracht, die nun wirklich gar nichts mit seinen rassistischen Thesen zu tun hat. Man wünscht seinem politischen Gegner nicht den Tod, das ist finsterstes Mittelalter.

      Abgesehen von dieser zivilisatorischen Selbstverständlichkeit ist es keine gute Idee, jemanden wegen seiner Physiognomie anzugehen – mir fallen da ganz schnell die NS-Rassengesetze ein. Wer sich mit solchen Mitteln an jemandem reibt, der mit ähnlich kruden Thesen am rechten Rand wildert, pupst doch in die gleiche Hose.

      • Sehr gute Antwort, brauch ich nix weiteres zu sagen. Das ist scheinbar ein allgemeines Problem, was der Grossteil der Menschen heutzutage bei vielen Themen nicht hinbekommt: Differenzierung, Logik, Rationalität, Vernunft. Bei Sarrazin gibt es doch inhaltlich (also anhand seiner Aussagen/Texte) soviele objektive Angriffspunkte, da ist persönliche Diffamierung ein unnötiges Eigentor, dass ihm nur in die Hände spielt. So kann er auf diese Entgleisung verweisen und mit „das wird man wohl doch noch sagen dürfen / Tabus müssen angesprochen werden“ Karte immer beim Publikum punkten (denen leider oft das nötige Hintergrundwissen fehlt).

    • @ Sebastian Heiser zur Anmerkung: „Ich habe zwei Beleidigungen aus diesem Kommentar gelöscht“ – Mensch, hätten Sie das beim Deniz auch gedurft, wären Sie jetzt mein Held ;-)

  5. Derjenige, der derart über Sarrazin geschrieben hat, kann eigentlich nur ein Arschloch sein. Seit dem werfe ich keinen Blick mehr in die Taz. Dieser Schreiberling hat eine gehörige Tracht Prügel verdient.

    • Was ist das für ein Kommentar? Meine sehr ablehnende Haltung gegenüber dem Artikel habe ich weiter unten kund getan, aber jetzt mit pyhsischer Gewalt zu kommen, ist echt völlig daneben. Du versteht auch nix, wa.

  6. Pingback: Sarrazin vs. taz – Der Prozess | taz Hausblog

  7. Ja, es gibt so viel, was zum Thema Sarrazin gesagt werden könnte, aber Ihr lasst jemanden ran, der ein paar Beleidigungen stammelt, die mir selbst im Suff nicht über die Lippen kämen.
    Das und dieser unsägliche Missbrauch des Briefes von Frau Holofernes um an Geld ausgerechnet vom Spinger-Verlag zu kommen, haben mich bewogen mein Abo zu kündigen und künftig lieber die Schülerzeitung von der Hauptschule unseres Dorfes zu lesen.
    Die haben da einfach mehr Anstand und sind näher am Journalismus dran.

    • Ja, es gibt so viel, was zum Thema Sarrazin gesagt werden könnte. Deshalb haben wir seit der Veröffentlichung seines Buches „Deutschland schafft sich ab“ bis heute genau 561 Artikel geschrieben, in denen es um ihn geht. Dieser eine Artikel ist nicht repräsentativ für unsere Berichterstattung über Sarrazin.

      • Von Ihnen leichthin als „nicht repräsentativ“ abgetan, könnte es für viele andere DER Grund dafür sein, sich endgültig von der taz abzuwenden.

        Möglicherweise haben viele den Eindruck, hier in überspitzter Form auf das gestoßen zu sein, was die taz mittlerweile kennzeichnet:
        Journalistischer Anstand wird allzu oft auf dem Altar des primitiven Populismus geopfert.

        Was vermutlich nicht nur bei mir das schier übermächtige Bedürfnis auslöst, sich die Seele aus dem Leib zu kotzen.

  8. Recht hat herr Sarrazin, es ist sehr peinlich sich auf die gleiche Stufe zu stellen, jedoch erbärmlich anderen Leuten den Tod zu wünschen, aber das hab ihr geschafft, 20000 Euro sind viel zu wenig für so eine Ungeheuerlichkeit von einer renommierten Zeitung.
    Ihr solltet euch schämen dagegen Rechtsmittel zu prüfen.

  9. Liebe Leute von der taz, der nächste Schritt ist offensichtlich, auch wenn er euch schwer fällt:

    Ihr müßt euch angemessen entschuldigen.

    Klar, entschuldigen bei Sarrazin, aber mit diesen indiskutablen Sprüchen habt ihr euch dies selbst eingebrockt.
    Die unten angeführte „Entschuldigung“ des Autors ist selbstgerechte, arrogante Kacke. Eine „Entschuldigung“, die dem Geschädigten praktisch von der Seite noch einen (oder mehrere) Hieb(e) mitgibt, ist in diesem Falle ein Zeichen dafür, dass man entweder bockig ist oder nix verstanden hat.

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  14. … und die Prüfung der Rechtsmittel ergibt hoffentlich, dass sich die taz ihres Verstandes bedient. Die festgesetzte Entschädigungssumme ist offensichtlich angemessen. Nebenbei: Es ist nicht nur teuer, sondern vor allem argumentativ unklug, scheinbar Gleiches mit Gleichem zu vergelten – so bescheuert die Sarrazin-Thesen auch sind.

    • Die Sarrazin-Thesen machen Menschen wütend. Auch einen Kurt-Tucholsky-Preisträger. Wie schon Martin Reichert in seinem lesenswerten Artikel über die Homophobie in Russland schreibt, kann Ohnmacht und Hilflosigkeit in Wut münden.

        • Ja und Wut ist emotional. Emotionen führen zu mehr Fehlern. Mehr Fehler richten nicht nur bei journalistischer Arbeit Schaden an.

          Können alle selbst ausprobieren. Mal mit sehr guter Laune ein Gebrauchtwagen (-rad) kaufen gehen. Schwupps, unter den Tisch gehandelt. Geht auch mit anderen Emotionen. Liebe macht blind. Sich in Rage/Wut reden und so weiter. Besser kühlen Kopf bewahren.

  15. Der Artikel geht unter die Gürtellinie – und da kommt er auch her. Deniz Yücel versucht sich schon länger als kleiner Broder der taz zu profilieren; ein Umstand, der mich auch schon länger ärgert, weil seine unnützen Pöbeleien jedes politische Bemühen der linken tageszeitung konterkarieren.

    Nun wird’s auch noch teuer. Zu den 20.000 Ocken kommen ja noch die Kosten des Verfahrens, je nach Streitwert legt die taz mindestens noch 5.000 Euronen drauf. Im Klartext: der beleidigende Satz des Deniz kostet mal eben die Einlagen von 50 Genossen! Deren Freude kann ich mir lebhaft vorstellen.

    Mit dem Kopf hat Deniz sich dafür entschuldigt, was ihm zehn Tage zuvor aus der Hose gekrochen ist, aber es ist nicht die einzige Entschuldigung, die nötig wurde. Das Schema zieht sich durch sein Pöbelwerk, dass ich nicht an einzelne Entgleisungen glauben mag.

    Deniz‘ Fanclub reicht bis in die Chefredaktion, die ihn bereits mehrfach raushauen musste. Vielleicht erhofft frau sich durch ihn eine Steigerung der Auflage, aber wenn ich die Kommentare zu seinen Artikeln richtig deute, gehören seine Fans nicht gerade zum politischen Kernpublikum der taz.

    Gut, zu einem geistigen Brandstifter wie Sarrazin fällt auch mir wenig Schmeichelhaftes ein, aber so ein Populist muss doch bitte politisch bekämpft werden. Gerne kann man ihn auch der Lächerlichkeit preisgeben, persönliche Verunglimpfungen jedoch sind nach meinem Selbstverständnis auf der anderen Seite der Rudi-Dutschke-Straße zuhause.

    Springer hat genügend Knete, die taz hingegen kommt ein Deniz Yücel teuer zu stehen. Mit den Kosten für eine völlig unnötige Beleidigung hätte man gute journalistische Arbeit finanzieren können – nach Haustarif über ein Jahr lang. Vielleicht wäre es besser, Deniz den Wechsel der Straßenseite nahezulegen. Broder ist schon da.

  16. Als ich den entsprechenden „Kommentar“ über Sarrazin gelesen habe, dachte ich zuerst, dass ihn die Pressestelle von Erdogan verfasst hätte. Die Taz sollte sich in den nächsten Monaten unbedingt zurückhalten, was Belange von Behinderten oder schwerkranken Menschen angeht. Jede diesbezügliche Aktivität kann nur als Satire betrachtet werden. ich würde mir wünschen, wenn Sarrazin auch noch eine Privatklage gegen den Autor hinzu fügt, denn schäbig kann man besagten Kommentar nicht mehr nennen. Das speziell die taz die Terminologie lebensunwerten Lebens verwendet, ist unentschuldbar. Fast noch schlimmer ist, dass sich die taz anscheinend noch immer nicht entschuldigt hat, was eigentlich noch dreister und abstoßender ist. Über diesen „Kommentar“ muss man nichts sagen, er hat sich mit besagtem Kommentar selbst gerichtet.

    • Es gab sehr wohl eine Entschuldigung, und zwar von Deniz Yücel selbst, stand am 16. November 2012 in der taz:

      ZITAT ANFANG

      Klarstellung

      In meiner Kolumne „Besser“ in der taz vom 6. 11. 2012 habe ich unter der Überschrift „Das ist nicht witzig – Ausländer brauchen Schutz. Seinen Schutz“ geschrieben: „So etwa die oberkruden Ansichten des leider erfolgreichen Buchautors Thilo S., den man, und das nur in Klammern, auch dann eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen darf, wenn man weiß, dass dieser infolge eines Schlaganfalls derart verunstaltet wurde und dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten.“

      Am 7. 11. 2012 wurde diese Darstellung dahingehend berichtigt, dass Thilo S. keinen Schlaganfall erlitten habe. Weiter hieß es dazu: “Seine rechte Gesichtshälfte ist gelähmt, weil ihm 2004 ein gutartiger Tumor an einem Nerv des Innenohrs entfernt wurde. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.”

      Es soll Leser gegeben haben, welche die Darstellung in der Kolumne vom 6. 11. 2012 so verstehen, als wünsche ich dem bekannten Buchautor Thilo S. den Tod oder eine schlimme Krankheit, oder als belustige ich mich über körperliche Leiden des Mannes. Das Gegenteil wollte ich ausdrücken: Ich wollte zeigen, dass jeder – ob gebildet, bildungsschwach oder ungebildet, ob nach Verständnis des S. intelligent oder weniger intelligent, ob mit “besonders qualifikatorischem Potenzial ausgestattet” oder nicht – Respekt beanspruchen kann, das Recht hat, Kinder zu bekommen, das Recht hat zuzuwandern etc.

      Ich stelle aber klar, dass ich jedem ein möglichst langes Leben frei von Krankheit wünsche, gerade auch erfolgreichen Buchautoren, Letzteren allein schon deshalb, weil sie damit die Chance gewinnen, etwas dazuzulernen und von Irrtümern abzulassen. Soweit ich also missverstanden worden bin, entschuldige ich mich ausdrücklich.

      ZITAT ENDE

      • Zu einer Entschuldigung gehört nach meinem Verständnis die Bekundung des Bedauerns über eine eigene Fehlleistung. Doch weder ein Bedauern, noch das Eingeständnis einen Fehler gemacht zu haben, ist in diesem Text enthalten. Stattdessen lese ich den Versuch die Deutungshoheit über den misslungenen Text zurückzugewinnen und eine verkokste Entschuldigungsformulierung, die an der Sache glatt vorbeigeht. Es bleibt der Eindruck, dass der Autor seinen Fehler nicht erkennen will und stattdessen auf die Rezeption bei den Lesern verweist, für die er sich dann bei dem angegriffenen Hr. Sarrazin entschuldigt. Welcher Hochmut!

      • Ja, das hat Deniz Yücel sicher geschrieben – aber sind Sie sicher, dass ihm der Text nicht von Frau Pohl, dem Justitiar oder gar von beiden diktiert wurde? ;-)

        • Wie könnte da jemand sicher sein, aber ich wüßte auch nicht, warum ich es annehmen sollte. Auszuschließen ist nichts, aber aus dem Nichts hervorgezauberte Vermutungen sind meine Sache nicht.

      • Diese Klarstellung ist lächerlich, denn eine solche respekt Zuweisung findet nicht statt, der text enthällt nur zwei Dinge, estens er belächelt und diffamiert Schwerkranke und er wünscht einem menschen wenn auch auf subtilere Weise den Tod.

  17. Ein absolut widerlicher Kommentar! Ich bin und war nie Fan von der „taz“, aber wie so etwas Menschenverachtendes unzensiert in Druck gehen kann, ist mir unverständlich und beweist einmal wieder, wie blind viele Leute auf dem eigenen – linken – Auge sind.

  18. Wären Masern preiswerter gewesen als ein Schlaganfall?

  19. Statt Rechtsmittel prüfen sollten sie lieber den Autor dieser entgleisung raus schmeißen.
    Gegen die TAZ ist Bild ein seriöses Nachrichten magazin

  20. Wenn „die taz“ (wer auch immer das ganz konkret sein soll) nun wirklich Rechtsmittel einlegen will, kann ich „der taz“ nur zurufen:
    Schämt Euch!!

    Yücel ist – wie fast immer – mit seinem Text deutlich über’s Ziel (=berechtigte Kritik an der Person Sarrazin) hinausgeschossen und nun bekommt die taz endlich die wohlverdiente Quittung dafür.
    Vielleicht wäre es an der Zeit, daraus Lehren und Konsequenzen zu ziehen und sich ausnahmsweise einmal nicht wie ein kleines beleidigtes Kind mit Hilfe von „Rechtsmitteln“ aufzuführen.

    Lasst es einfach gut sein. Es ist nicht notwendig, dass noch mehr Geld (daran mangelt es der taz doch quasi immer, nicht wahr?) aus purer Selbstgerechtigkeit und Lernresistenz in den Sand gesetzt wird.

    Für Wims Schamgefühle habe ich sehr viel Verständnis. Ich bin heilfroh, doch nicht selbst taz-Genossin geworden zu sein.
    Es muss höchst schmerzlich sein, Geld investiert zu haben, in der Hoffnung und dem Glauben, Gutes damit bewirken zu können, um
    dann hilflos zusehen zu müssen, wie genau das Gegenteil passiert.

    Fragt Euch mal, ob ihr das Vertrauen eurer Genossin wirklich verdient habt. Ich finde nicht.

    • Ganz und gar nicht, Justice! Niemand ist davor sicher, Fehler zu machen. Wieviel weniger kann ich Fehlerlosigkeit von einer ganzen Redaktion erwarten? Dieser Text und seine Folgen beschämen, schmerzen und ärgern mich, aber es ändert nichts an meiner Unterstützung für die TAZ. Enttäuschungen sind ein Teil des Weges zum Ziel.

      • Richtig, Wim! Natürlich ist niemand davor, sicher Fehler zu machen. Allerdings sollte auch niemand davor sicher sein, aus Fehlern zu lernen. Und genau daran hapert es bei der taz.
        Jetzt schauen sie sich doch an, wie es in diesem Fall gelaufen ist – leider nur ein Beispiel von vielen.
        Ja, die taz hat einen Fehler gemacht. Jetzt hat musste sie dafür bezahlen.
        Durch schlichte Feststellung „Die taz prüft Rechtsmittel gegen die Entscheidung.“ wird mehr als deutlich demonstriert, absolut gar nichts aus diesem Fehler gelernt zu haben.
        Aufgrund dieser erstaunlichen und höchst bedauerlichen Lernresistenz und Uneinsichtigkeit wird aller Voraussicht nach weiteres Geld für sinnlose juristische Streiterein verpulvert.

        Ich möchte taz nicht mehr unterstützen. Zwar hatte ich vor einiger Zeit damit geliebtäugelt, Genossin zu werden, doch es waren insbesondere Texte Yücels, die mich letzlich davon abgehalten haben.
        Ich hatte tatsächlich Zweifel an meiner Entscheidung dagegen. Die sind dank dieser Angelegenheit verschwunden.

        Eine Frage noch an Sie:
        Sie schreiben, Enttäuschungen seien ein Teil des Weges zum Ziel. Was genau ist für sie das Ziel?
        Für mich ist bei der taz momentan kein journalistisches Ziel erkennbar sondern nur das Ziel, in Zeiten des Niedergangs klassischer Printmedien zu überleben. Mir persönlich reicht das nicht.

        • Es ist ganz einfach. Ich unterstütze die Tageszeitung wegen ihrer Ausrichtung.

          *Einen deutlicheren Fokus auf soziale Fragen in unserem Land finde ich in keinem anderen Print-Medium diess Landes.

          *Dazu das ausdrückliche Interesse an Auslandsberichterstattung aus den politischen und sozialen Brennpunkten dieser Welt, tatsächlich mit identifizierbaren Korrespondenten und ohne den sonst allgegenwärtigen wirtschaftlichen Bezug.

          *Die konsequente politische Ausrichtung nach „links“ (Auch wenn wir trefflich streiten könnten, was das heute noch sein mag). Die meisten anderen Medien schwimmen mittlerweile in einem für mich kaum zu lokalisierenden Spektrum der Mitte. Impulse kommen von dort nicht mehr bei mir an.

          Kurz gefasst: Ich unterstütze die Stimme im deutschen Zeitungsbetrieb, die andere Schwerpunkte setzt als 90% der anderen überregionalen Medien.

          Ich teile die in der taz veröffentlichten Ansichten eher selten, aber sie bieten eine Reibungsfläche, von der es nach meiner Auffassung in diesem Land viel zu wenig gibt.

          Ob mir Denis Yücel mit seinen Texten dann Freude macht oder mich ärgert, tangiert mich mit Blick auf das große Ganze nur periphär.

  21. Ich schäme mich als Genossenschaftsmitglied der taz für diesen menschenverachtenden Text. Viel mehr als eine Entschädigung in Geld würde ich eine persönliche öffentliche Entschuldigung des Autors bzw. der taz-Redaktion für diese Verunglimpfung erwarten. Das würde Haltung zeigen, besonders wenn es so schwer fallen würde, wie sicherlich gegenüber Herrn Sarrazin. Ich setze mal voraus, dass es dazu noch nicht gekommen ist.

  22. Erschreckend und zugleich erhellend, dass die Terminologie lebensunwerten Lebens ausgerechnet in der taz wieder auftaucht. Um den Begriff „Menschenkarikatur“ in einer deutschen Zeitung gedruckt zu sehen, muss ich normalerweise schon weit zurückblättern. Aber diesmal hat das „Kampfblatt“ taz ja bereits diesen Job übernommen.

  23. *Schandkolumne

    Vor erneut wiederkehrender Wut über diesen „Autor“ Mely Kiak, hat sich ein Fehler eingeschlichen!

    • So weit ich weiß, ist der Autor der taz-Kolumne, um die es hier geht, Deniz Yücel. Er hat sich in seiner Kolumne auf den Text von Mely Kiyak aus der Berliner Zeitung bezogen (was er nicht hätte tun sollen) und dann (zur Erklärung?) weiter „gedichtet“, dass Herr Sarrazin einen Schlaganfall hatte (was falsch ist) und ihm dann noch einen Schlaganfall gewünscht (was menschenverachtend ist). Diese Art von Grenzüberschreitungen in der taz (ich erinnere an Kapielskis „gaskammervoll“ über eine Berliner Diskonacht) ist nur noch psychologisch zu erklären. Was bewirkt, dass Menschen, die sich entschieden haben, links und menschenfreundlich zu leben, anscheinend davon so angespannt werden, dass sie als Kompensation dann mal richtig die andere Seite rauslassen müssen? Erschreckend!

    • Der Text war nicht von der Autorin Mely Kiyak.

  24. Vollkommen richtige Entscheidung, mein Lob an das Gericht. Diese Schankkolumnel hätte niemals veröffentlich werden dürfen!

  25. Ich denke das musste wirklich nicht sein! Dabei sollten Sie auch Ihren „Zensoren“ – die mich kürzlich „verwarnt“ haben, mal die Relation (Ihre eigene) vor Augen halten, bloss weil ich einem fiesen, fettgefressenen Arbeitgeberanwalt „ein paar junge Tschetenen“ nachhause schicken wollte. TsTs!

  26. Egal, wie man zu Sarrazin und seinen Thesen steht, Ihre Art , körperliche Gebrechen menschenverachtend als Argument zu gebrauchen ist widerwärtig. Ekelhaft, ein Grund mehr Ihr Blatt nicht zu unterstützen.

  27. „…denn früh schon in uns allen brennt, das, was man den Faschismus nennt…“ Hanns-Dieter Hüsch, ca. 1984.Ihren Kommentar hier eingeben