vonDonata Künßberg 13.08.2014

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Donnerstag, 7. August, 18:00 Uhr im taz-Café. Menschen drängen sich um eine Gerätschaft, die aussieht wie eine riesige, silberne Salatschleuder – was ist da los? Seit über einem Jahr leben drei Bienenvölker auf dem Dach der taz. Nun wurden Interessierte eingeladen, beim Schleudern des allerersten Honigs dabei zu sein. Honig_taz_cafe

 

Melanie Röck, hauptberuflich Imkerin in Berlin und Susanne Knechten, Bienenbetreuerin der taz, führten das Prozedere Schritt für Schritt vor und beantworteten unterdessen allerhand Fragen zur Stadtimkerei, dem Brutverhalten der Bienen und zum Handel mit Honig. Wer weiß schon, dass der im Supermarkt erhältliche Honig meist Importware ist? Wie verhält es sich eigentlich mit den verschiedenen Aufgaben der einzelnen Bienen im Bienenvolk? Sprechen die sich ab? Werden die männlichen Bienen wirklich im Winter aus dem Stock geworfen? Wie oft werden Imker gestochen? „Wer sich um Bienen kümmert, muss geduldig sein. Innere Unruhe geht gar nicht – das spüren die Bienen sofort“, sagt Susanne. Eine kontemplative Stimmung scheint sich auch auszubreiten, als die ersten Handgriffe an der Wabe vorgenommen werden. Jeder kann mithelfen. Mit einem Werkzeug, das an eine große Gabel mit vielen Zinken erinnert, wird vorsichtig die Wachsschicht von der Wabenoberfläche abgehoben. „Das Wachs kann man auch kauen“, erklärt Melanie, „das ist gut für die Zähne.“ Verwunderlich – das Wachs verhält sich im Mund wie ein Kaugummi. Und schmeckt, wegen der Honigtropfen daran, köstlich.

 

Apropos köstlich – „Melanie, was ist dran an dieser Geschichte vom Gelée Royale?“ „Es schmeckt bitter – und entgegen der Annahme, dass das Gelée der Bienenkönigin vorbehalten ist, bekommt jede Biene ein bisschen davon. Aber eben nur ein bisschen.“ Honig_Schaben2Nach dem Entdeckeln werden die Waben geschleudert, in dem silbrigen Ungetüm, das tatsächlich nach dem gleichen Prinzip funktioniert wie eine Salatschleuder. Die Waben werden eingehängt, man betätigt die Schleuder mit einer Handkurbel, es darf nicht nicht zu stark gedreht werden, sonst schleudert man die filigrane Wabe direkt mit aus dem Rähmchen, aber auch nicht zu schwach, denn sonst kommt kein Honig raus. Wenn man danach das Ventil am unteren Ende der Schleuder öffnet, fließt der Honig goldfarben ab. Eine zähflüssige Kostbarkeit. Die Reste aus den entleerten Waben bekommen die Bienenvölker zurück, damit kein Tröpfchen des Honigs verlorengeht. Alle kosten vom frisch geschleuderten Honig; der Geschmack erinnert an Karamell, was an der Vielfalt der Tracht liegen mag, und es kommen einige Aromen noch dazu.

Der Honig, der hier geschleudert wird, ist ein klassischer Mischblütenhonig und stammt von allen möglichen Blüten, die der Berliner Sommer im Umkreis von 4 Kilometern rund um die Rudi-Dutschke-Straße hervorbringt. Da blühen Linden, Ahorn, Robinie und vieles mehr. Melanie sagt: „In der Stadt blüht immer irgendwas, was die Bienen sammeln können“, und Susanne: „Auch der Lavendel von den Beeten vorm Springer-Haus sind sicher da drin.“ Der Honig wird direkt in kleine Gläschen abgefüllt, darauf steht „Honig vom taz-Dach, Berlin Kreuzberg“. Alle freuen sich über die wunderschöne Farbe, viele nehmen ein Gläschen gegen eine Spende mit. Anders als in landwirtschaftlichen geprägten Gegenden, in denen die Blütentracht von einer immer mehr monokulturell geprägten Landwirtschaft abhängt, finden die Tiere in Städten fast ganzjährig Nahrung. Auch ist es in der Stadt im Schnitt immer ein paar Grad wärmer, was die Zeit verlängert, in der die Bienen sammeln können. Und der Stadthonig ist sauber. Man findet keine Schwermetalle darin, die werden von den Bienen selbst herausgefiltert. Immer mehr Städter entdecken, dass die Imkerei ein Hobby ist, das hier wunderbar funktioniert. honigschleudergruppeDerzeit gibt es etwa 600 Imker und Imkerinnen in Berlin, die meisten haben nur wenige Bienenvölker.

Melanies Bienen leben in der Nähe des Botanischen Gartens und in Steglitz neben der S-Bahn. Ihren Honig kann man übrigens über BerlinerHonig beziehen, die Imkergemeinschaft, die den Honig von kleinen Imkern Berlins und aus dem Berliner Umland vertreibt. BerlinerHonig zahlt faire Preise für den Honig, – und sie haben übrigens auch dafür gesorgt, dass es überhaupt Bienen auf dem taz-Dach gibt. Den Honig vom taz-Dach gibt es übrigens leider nicht zu kaufen. Wir werden ihn demnächst als Dankeschön an die Menschen vergeben, die sich finanziell am neuen taz-Haus beteiligen.  Dazu mehr in Kürze.

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http://blogs.taz.de/hausblog/2014/08/13/honig-vom-taz-dach-nur-keine-ungeduld/

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