vonAnn-Kathrin Liedtke 17.09.2018

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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„Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende, der Journalismus lebt im Netz weiter.“ Ein Satz, der in den vergangenen Wochen für Aufregung sorgte und durch die Medien wanderte. taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch hatte in der Mitgliederinfo der taz Genossenschaft das sogenannte „Szenario 2022“ vorgestellt, das die Zukunft der taz im digitalen Zeitalter diskutiert.

Auf einer Pressekonferenz der taz am 17. September im Neubau in der Friedrichstraße 21 legte Ruch nun die Zahlen zu einem möglichen Ende der papiernen Ausgabe der taz vor. Anlass für das Szenario: Die Abonnements der gedruckten Ausgabe sinken seit Jahren konstant. Gleichzeitig nehmen die Kosten für den Vertrieb und den Druck zu – Faktoren, die die Zeitung nur bedingt beeinflussen kann. Zeit also, um sich auf ein hypothetisches – wenn auch nicht zwingendes – Ende der Papierausgabe vorzubereiten.

In Ruchs Szenario wird die taz unter der Woche ab 2022 nicht mehr als Print-, sondern als E-Paper-Ausgabe erscheinen. Damit würde der aus 30.486 Abonnements erzielte Umsatz von 15,85 Mio. Euro (im Jahr 2017) entfallen – gleichzeitig mit den Druck- und Vertriebskosten. Der Erlös im Jahr 2022 würde sogar steigen, wenn 20.000 Wochenend-Print-Abos, 20.000 kombinierte Wochenend-E-Paper-Abos und 20.000 reine E-Paper-Abos verkauft würden und sich die Einkünfte durch „taz zahl ich“ weiter gut entwickelten.

Kein Arbeitsplatzsparprogramm

Das freiwillige Bezahlmodell der taz hebt Ruch als besondere Chance hervor. „Der Trend geht im Allgemeinen zurück zum digitalen Abo. Daher ist unser Ansatz, das Online-Angebot weiterhin frei zu lassen, besonders interessant“, sagt der Geschäftsführer. „taz zahl ich zeigt vor allem, dass die taz auch weiterhin auf die Solidarität der Leserinnen und Leser bauen kann, denn auch die junge Menschen im Internet unterstützen uns.“

Das Szenario 2022 arbeitet mit den Angeboten, die die taz bereits heute bietet – es wurden keine neuen Produkte erfunden, keine Preissteigerung der Abos mit eingerechnet. Mitarbeiter*innen, die von einer Einstellung der Papier-taz besonders betroffen wären, sollen in dem Prozess mitgenommen werden: „Das ist kein Arbeitsplatzsparprogramm.“

Dass ein Transformationsprozess schon längst im Gange ist, machen die stellvertretenden Chefredakteurinnen Barbara Junge und Katrin Gottschalk deutlich. Die taz App wird stetig weiterentwickelt, zwei neue SEO-Stellen helfen, die taz im Netz auffindbarer zu machen und die Reichweite zu stärken. Und auch der Neubau der taz bietet für einen digitalen Wandel bessere Möglichkeiten: Durch einen Mediaraum können künftig Podcast- und Videoprojekte stärker vorangetrieben werden.

Der taz Journalismus bleibt derselbe

Im Jubiläumsjahr der taz beginnt mit dem Umzug in das neue Haus eine neue Dekade in der Geschichte der Zeitung. Es ist das letzte große taz-Projekt für den Geschäftsführer, der Ende 2019 nach 42 Jahren als Geschäftsführer in Rente gehen wird. „Wir müssen uns keine Sorgen machen, dass wir im neuen Haus in Schönheit sterben“, schließt Ruch.

abo

10 Wochen die digitale taz und am Samstag die gedruckte taz am Wochenende lesen und dazu den Atlas der Globalisierung erhalten.

Ob man die Leser*innen bei diesem Wandel also einfach mitnehmen kann? Viele, das zeigte sich auch auf der Generalversammlung der taz Genossenschaft, hängen sehr an einer gedruckten Ausgabe. Doch eine digitale Zeitung habe auch ihre Vorteile, erklärt Gottschalk. Das E-Paper habe neben ökologischen Aspekten den Vorteil, dass man die taz immer und überall lesen könne. Der taz Journalismus bleibt schließlich derselbe – egal, wie man ihn konsumiert. „Die Genossen sind Ultras, was die Beziehung zu ihrer Zeitung angeht“, ergänzt Chefredakteur Georg Löwisch. Viele stünden vor allem hinter den Inhalten der taz, nicht nur hinter dem Papier.

„Außerdem“, schließt Ruch „Einen Vorschlag gibt es bereits, um das Rascheln am Frühstückstisch zu erhalten. Für das E-Paper wird es ein Blätter-Geräusch geben.“

Von ANN-KATHRIN LIEDTKE, taz Blogs

Fotos: Karsten Thielker

Die Arbeit der taz braucht es heute genauso wie vor 40 Jahren. Die Frage ist: Haben wir die Weichen in Richtung Zukunft richtig gestellt? Im Innovationsreport haben MitarbeiterInnen der taz untersucht, was es braucht, um weiterzumachen.

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kommentare

  • Ich habe den Wechsel vom PrintAbo zum DigiAbo vor 4 Wochen vollzogen, durchaus mit anfänglicher Skepsis, da der tägliche Kaffee und die Papierzeitung für mich immer zusammen gehörten. Doch ich bin inzwischen begeistert. Kaffee und Tablet passen auch sehr gut.

  • die taz hat zig abonnentenkampagnen machen müssen, weil der PLEITGEIER_GALGEN, produziert durch die hohen druckosten, sie erpressbar bis zumgeht nicht mnehr gemacht hat. die arbeit in der druckerei ist entftemdete ausbeutung, selbst in der maschoinindustrie dafür.
    sowenig bedürfnisorientierung als orientierungswissenmedium in eiger sache isz schon seltsam.
    wiso dioe taz nich an linken sozialen netzewrken investiet 6 darauf orientiert, wo dsa linkr konsumgeld erherblich effektiver, vernetzzendrm informativer, und ökonomisch dauegthaft solider in den einnahmen käme,
    is wohl eoonstruktzreel versat am linke strukturentscheidungsfrage.
    du vor facebook,google etc-. NEID ganz GRÜN gemacht hat, so als politsche alternative.flagschiff zeitung.
    sich is ds unlogusvhgewesen – isa verrat fast immer!

    sogar die gewrkdschat hat ihr druckzenrum verkauft…

    sagt mal.,warum wrdern mreinmkommentare onlin mit o.k. erscheint gleich angenommen & dann doch einkassiert??

  • Sollte die taz die Print-Version ganz oder teilweise (Werktags) einstellen, wird sie mich als Abonnenten verlieren – ich halte nun einmal nichts vom digitalen Lesen. Im Übrigen kann ich der Kommentatorin Lea nur zustimmen.

  • Leider wurde in Jann-Luca Zinsers Bericht über die geno-Versammlung gar nichts über die Kontroversen print/digital berichtet, dabei haben die dort den meisten Raum eingenommen (sein Artikel lässt sich nicht direkt kommentieren).

    „Das E-Paper habe neben ökologischen Aspekten den Vorteil,…“ ist für eine stv. Chefredakteurin an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Die Digitalisierung verschlingt Unmengen an Energie, Smartphones sind ökolgisch die Pest. Da ist print als nachwachsender Rohstoff nicht schlechter.

    Ansonsten werden schlußendlich die LeserInnen bestimmen, wo die Reise hingeht. Ich gehe davon aus, dass es einen festen Stamm an PrintleserInnen weiterhin geben wird (ich erinnere an Buch/E-Book).

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