15.05.2012 von Helmut Höge
“…die Pyramiden Ägyptens schaukeln mit dem Ganzen und in sich. Selbst die Beständigkeit ist bloß ein verlangsamtes Schaukeln.” (Michel de Montaigne)

3 franz. Poller in der Stunde zwischen Hund und Wolf
Im Verlag Association A haben Peter Birke und Max Henninger 12 Beiträge aus “Sozial.Geschichte Online” veröffentlicht, u.a. von Karl Heinz Roth, Kristin Carls und Silvia Federici, die sich mit den “Krisen-Protesten” weltweit befassen. Das beginnt mit einem Beitrag von Helmut Dietrich über “Die tunesische Revolte als Fanal”. Andere Autoren der Aufsatzsammlung thematisieren die Proteste in Griechenland, Spanien, Deutschland und den USA sowie die zweite Generation der Bauernarbeiterinnen im heutigen China.
Daneben sind in der letzten Zeit noch mehrere “Sonderhefte” erschienen, die sich mit den Arabischen Aufständen – ein Jahr danach – befassen:
Z.B. von der “Zeitschrift für den Orient – Zenith” – “Was vom Arabischen Frühling bleibt”, ferner von der Le Monde Diplomatique, vom… weiter lesen
03.05.2012 von Helmut Höge

Social Seeds – in der Natur:
Pressemeldung – 2. Social Seeds PflanzenTAUSCHmarkt in den Prinzessinnengärten -
Sehr gerne möchten wir Sie zu unserem PflanzenTAUSCHmarkt am kommenden Samstag einladen. Beste Grüße. Britta Pichler

Social Seeds – in der Kultur:
Dirk Teschner vom Ostberliner “telegraph” schickte dazu folgende Pressemitteilung:
“THIS IS OUR ACTION SPACE”
Kaum große Namen – der Star dieser Biennale heißt Politik. art-Korrespondent Kito Nedo unternimmt einen ersten Rundgang durch die okkupierten KunstWerke in der Berliner Auguststraße:
“Was machen Kuratoren? Die siebte Berlin-Biennale versucht die Antwort mal anders. Denn Voina, die anarchistische Künstlergruppe aus St. Petersburg und assoziierten Ko-Kuratoren der Biennale, bezeichnet das Leben im Untergrund als Teil ihrer kuratorischen Praxis. Das ist neu und experimentell. Mit Ausstellungsmanagement beschäftigen sich die Kunstaktivisten hingegen nicht, das sei, so steht es in einem zu Beginn der Großausstellung verteilten Statement, einfach sinnlos: “Ausstellungen schaden der… weiter lesen
22.04.2012 von Helmut Höge
Sigmund Freud erhoffte sich eine Überwindung des Opfers durch Verinnerlichung, “Natur” muß überwunden werden. Wilhelm Reich und nicht wenige 68er-Feministinnen gingen davon aus, dass im Matriachat Natur und Kultur – ohne Märtyrer – versöhnt werden. (Wolfgang Dreßen “Handbuch der Moral für den Bürgerstand”, abgedruckt in “Der ‘Fall’ Wilhelm Reich”, Frankfurt 1997)

Sterbende Amazone 1

Sterbende Amazone 2
Märtyrersterben – so oder so
Auf der Bonner Hardthöhe erläuterte uns 1998 ein Bundeswehr-Major die neue NATO-Verteidigungsdoktrin: “Sie ist nicht mehr nach Rußland hin angelegt, die russischen Soldaten haben inzwischen die selbe Einstellung zum Krieg wir wir auch – sie wollen nicht sterben! Außerdem ist die Stationierung von Atomwaffen in Ungarn und Polen z.B. so gut wie gesichert, es geht eigentlich nur noch darum, wie viel wir dafür zahlen müssen. Ganz anders sieht es jedoch bei den Arabern aus, mit dem Islam. Deswegen verläuft die neue Verteidigungslinie jetzt… weiter lesen
13.04.2012 von Helmut Höge
“Orientkämpfer”
“Der Libyer war noch bleicher denn zuvor und verfolgte, beide Fäuste auf die Terrassenmauer gestützt, mit starrem Blick etwas am Horizont. Spendius beugte sich vor und entdeckte endlich, was jener betrachtete. Ein goldner Punkt rollte in der Ferne im Staub auf der Straße nach Utika. Es war die Radnabe eines mit zwei Maultieren bespannten Gefährts. Ein Sklave lief an der Spitze der Deichsel und hielt die Tiere an den Trensen. Auf dem Wagen saßen zwei Frauen. Die Schöpfe der Tiere standen nach persischer Sitte kammartig hoch zwischen den Ohren unter einem Netz von blauen Perlen. Spendius erkannte die Insassen. Er unterdrückte einen Aufschrei.” (Gustave Flaubert, “Salambo”)

T.E.Lawrence – Orient-Mimikry
Im Gegensatz zu den englischen – wie z.B. T.E.Lawrence – sind die deutschen “Orientkämpfer” relativ unbekannt geblieben. Schon vor dem 1. Weltkrieg waren das in der mit Deutschland verbündeten Türkei, damals noch ein (osmanisches) Kolonialreich, 70… weiter lesen
10.04.2012 von Helmut Höge

Ägyptische Kaninchen

Dürer-Hase
In Ägypten gibt es Kaninchenfarmen und Kaninchen-Fellexporteure, sie kommen jedoch nicht wie die Katzen von dort, sondern wurden angeblich vor 1500 Jahren zuerst in Frankreich domestiziert. Auch scheinen sie gegen den Kairo-Virus immun zu sein, nicht jedoch gegen den Myxomatose-Virus, mit dem man z.B. die vor rund 150 Jahren in Australien und Neuseeland eingeführten Kaninchen bekämpft.
Auf Wikipedia heißt es dazu: “Im Verlauf eines epidemischen Zyklus, an dessen Beginn meist ein hochvirulenter Virusstamm steht und eine Sterblichkeit von bis zu 100 % nach sich zieht, kommt es zunehmend zu milderen oder atypischen Verläufen durch Abschwächung und Anpassung des Virus an die Wirte. Das ursprünglich aus Südamerika stammende Myxomatosevirus ist in ganz Mitteleuropa verbreitet. Die nord- und südamerikanischen Kaninchenarten (Baumwollschwanzkaninchen) zeigen nur geringe oder gar keine Krankheitserscheinungen und stellen ein natürliches Erregerreservoir dar. Feldhasen sind für das Myxomatosevirus nur wenig empfindlich. Selbst bei hohem… weiter lesen
26.03.2012 von Helmut Höge

Cluster 1
Das Gegenteil von einer Kairo-Virusinfektion sind Cluster-Metastasen
Das anglo-amerikanische Wort “cluster” wird von Wikipedia mit „Traube“, „Bündel“, „Schwarm“, „Haufen“ übersetzt. Über “Schwärme” gibt es mittlerweile im Deutschen zig Diplom- und Doktorarbeiten, sogar einen Bestseller. Über den “Haufen” dagegen nur ein paar abfällige Bemerkungen – u.a. von Mao tse tung: in bezug auf das vorrevolutionäre China und seine Völker sprach er von einem “Haufen Sandkörner”. Neuerdings wird die Clusterbildung von oben forciert – wobei die Initiatoren (Politiker und Unternehmer/Investoren) von Public-Private-Partnership (PPP) sprechen.
Gegenüber PPP und Cluster-Bildung hatte sich beizeiten bereits der der Ethnologe Claude Lévy-Strauss für ein Denken und Planen auf “authentischem Niveau” ausgesprochen: Weil diese Gesellschaft die Individuen auf auswechselbare Atome reduziere und sie zugunsten des Profits zentraler, anonymer Gewalten enteigne, dürfe man gerade jetzt nicht mehr das “Niveau des Authentischen” verlassen. Und dieses existiere nur in “konkreten Beziehungen zwischen Einzelnen: Auf authentischem Niveau liegt z.B.… weiter lesen
21.03.2012 von Helmut Höge
“Ich will aus meiner Mördergrube kein Herzchen machen.” (Max Hoelz)

Aus Syrien meldete dpa gestern:
Einen Tag nach den heftigen Gefechten in der Hauptstadt Damaskus haben Regierungstruppen nach Angaben von Aktivisten erneut die Protesthochburgen Syriens unter Beschuss genommen. Dabei seien am Dienstag mindestens neun Menschen ums Leben gekommen, die meisten in Al-Rastan und dem Al-Chalidija-Viertel in Homs, wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Auch in der Provinz Hama habe es Angriffe der Armee von Präsident Baschar al-Assad gegeben.
Damaskus, wo sich am Vortag in einem Nobelviertel Rebellen und Assad-Soldaten Kämpfe geliefert hatten, war am Dienstag massiv abgesichert. Meldungen aus Syriensind wegen der vom Regime erhobenen Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf auch der Opposition in einem offenen Brief an den Syrischen Nationalrat (SNC) und anderen Aktivisten schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Dazu gehörten Entführungen, Inhaftierungen und Folter… weiter lesen
07.03.2012 von Helmut Höge

Mehringhof (1)
Im Babylon Mitte fand am 17.2., am Tag der lybischen Befreiungsfeier, eine ungewöhnliche Veranstaltung statt: Gezeigt wurde ein Film der Fernsehjournalistin Nicole Nagel: “Win or Die: Voices Of The Libyan Revolution”. Die Regisseurin war auf eigene Rechnung während der Kämpfe gegen das Gaddafi-Regime nach Benghasi geflogen, hatte dort etliche Rebellen interviewt und war dann mit ihnen gen Tripoli gezogen, wobei sie mitunter der Front sehr nahe gekommen war. In der Diskussion nach dem Film bezeichnete sie sich als Adrenalin-Junkie. Der Kinosaal war fast zur Hälfte mit Exil-Libyern gefüllt, von denen nicht wenige in den Kämpfen verwundet worden waren. Sie kamen in Rollstühlen und auf Krücken. Ob des erfolgten Sieges der Rebellen waren sie jedoch ausgesprochen guter Laune, zumal der Film von Nicole Nagel die Siegesstimmung bereits zeigte. Eins ums andere Mal wiederholte das libysche Publikum im Kinosaal die im Film geäußerten Parolen und Forderungen, was aus der… weiter lesen
01.03.2012 von Helmut Höge

Poller nützen – Poller schützen. Photo: Peter Loyd Grosse
“Kunst-Revolte” – eine tagelange Veranstaltung
Das Problem bei all den Veranstaltungen, die jetzt über und zu den “Arabischen Aufständen”, der “Arabellion” oder dem “Arabischen Frühling” stattfinden, ist: Die Referenten – westliche Arabienexperten, -kenner und arabische Intellektuelle – sind immer noch “optimistisch”: Zumindest ihre – persönliche – “Freiheit” und ihr Wirkkreis hat sich infolge der arabischen Revolten erheblich erweitert. Die ägyptische Filmemacherin Amal Ramsis sagte es im Berliner “Instituto Cervantes” auf der Eröffnungsveranstaltung einer “arabischen Frauenfilmreihe” so: “Es sind viele Dinge in Kairo erreicht worden. Die Revolution hat uns [Filmemacherinnen] einen Dienst erweisen. Jetzt wollen alle unsere Filme, die vor 2011 gedreht wurden, sehen. Ich habe an 15 Festivals über den Arabischen Frühling teilgenommen, überall wurden die Filme gezeigt.”
Dabei ist sich Amal Ramsis im Klaren, dass “die Konterrevolution gesiegt hat” – mindestens in ihrem Land, und dass diese – die… weiter lesen
26.02.2012 von Helmut Höge

U-Poller. Photo: Peter Loyd Grosse
Im Kino Babylon Mitte wurde der Film einer jungen deutschen Regisseurin über den Kampf der libyschen Rebellen von Benghasi bis Tripoli gezeigt “Win or Die” – im Beisein von etwa 80 Libyern, von denen nicht wenige im Rollstuhl saßen bzw. auf Krücken liefen, was sie als Veteranen des libyschen Volksaufstandes erkennbar machte. Und im Mehringhof fand gerade eine Veranstaltung einer Kölner “Projektgruppe” namens “Horreya” über den ägyptischen Aufstand statt: “Horreya – The Revolution has just begun” (Bericht folgt). Dazu hatte man vier Aktivisten vom Tahrirplatz eingeladen: Drei Ägypter aus verschiedenen sozialen Schichten Kairos und eine Deutsche, die drei Jahre in der Stadt gelebt hatte. Die Diskussionsveranstaltung findet am Dienstag, den 28.2. in Bremen und dann am 1.3. in Köln ihre Fortsetzung. Die Veranstalter, deren Diskussionstour vom Jugendclub Courage Köln unterstützt wird, hoffen damit, “dass Feuer der Revolution auch ein bißchen in dieses Land… weiter lesen