30.10.2009 von Helmut Höge

So sieht ein versenkbarer Poller quasi von unten aus. Photo: nauticexpo
“Von hier aus ins Imgaginäre und wieder zurück” (ein Projekt der NGBK)
“Die Werbung überzieht das Land flächendeckend – wie früher die Stasi,” titelten einige Ostjournalisten nach der Wende in einem “Zeit-Magazin”, das daraufhin Ärger mit dem Zentralrat der deutschen Werbewirtschaft bekam.
Auf dem U2-Bahnsteig des Berliner U-Bahnhofs Alexanderplatz errang die “friedliche Revolution 89″ jedoch eine werbefreie Zone. Der Kreuzberger Kunstverein NGBK durfte diese Freiflächen dann mit Lottogeldern und Kunst “bespielen”. Aber kürzlich war damit Schluß. Gerade diesen hochfrequentierten Ort (3000 Menschen pro Stunde) wollte die BVG bei rückläufigen Werbeeinnahmen als IA-Standort für Firmenreklame nutzen. Die Kunst wurde auf ein totes Gleis – der U10 – abgeschoben. Dabei handelt es sich um eine z.T. noch fiktive Linie einschließlich Bahnhöfe zwischen Rathaus Steglitz und Innsbrucker Platz, die einmal bis Weißensee geführt werden soll. Auf dem U-Bahnhof Schloßstraße verläuft sie… weiter lesen
29.10.2009 von Helmut Höge

Der Heizer

Meinungsbildung auf dem Weg in die Mittagspause vor dem Verwaltungsgebäude, in dem sich die Kantine befindet.

Pausenecke in der “Stanze”.

“Die DDR-Bürger sind noch naiv, die meinen, wenn sie in die Medien kommen, dann ändert sich schon was”. (Treuhandmanager Dr. Wolf)

Der Betriebsratsvorsitzende verläßt geschlagen den Betrieb – und dann springt auch noch sein Auto nicht an.

Zu Hause sortiert er erst einmal seine “Briefmarkensamlung”.

Im mit dem “Begrünungsgeld” vom Senat üppig ausgestalteten Hinterhof wird unter der skobalitüberdachten Laube weiter politisiert, Hartmann bereitet sich dort auf seine PDS-Kandidatur vor.

Die letzte öffentliche Versammlung auf dem besetzten Betriebsgelände interessiert kaum noch jemanden.
Einige gemalte Arbeiter-Porträts:











“Letzter Arbeitstag”
29.10.2009 von Helmut Höge

Dem Pförtner kommen Zweifel am Arbeitskampf

Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende diskutiert vor dem Verwaltungsgebäude mit zwei Leuten aus dem Versand.

Eine Lagerarbeiterin will von dem ganzen Selbstverwaltungs- und Medienrummel nichts wissen.

Der nicht-freigestellte Betriebsrat Edgar an seiner Blistermaschine.

Eine Ecke in der Metallwerkstatt.

Die Sitzungsecke in der Metallwerkstatt.

Die Geheimabteilung, wo aus billigen Varta-Batterien durch Umettiketierung teure Belfa-Batterien gemacht werden.

Zwei Frauen an einer Verpackungsmaschine

Eine Arbeiterin am Prüftisch.

In der Lagerhalle.

Der taubstumme Gärtner fegt das aus dem kleinen Park auf dem Werksgelände vor die Kantine gewehte Laub zusammen.

Ein Arbeiter füllt neue Batteriehülsen nach.

Eine der Maschinenhallen.
27.10.2009 von Helmut Höge
Aus Anlaß des 20. Jahrestages der Abwicklung der DDR und vor allem seiner Wirtschaftsbetriebe hier die Texte zu den in den vorangegangenen blogs eingestellten Photos vom Gerätebatteriewerk Belfa und seiner Belegschaft. Am Anfang der taz-Berichterstattung stand eine kurze Nachricht:
(5.6.92) Der Betriebsrat der »Berliner Akkumulatoren Elemente Fabrik« (BAE Belfa Gerätebatterien) wehrt sich gegen die beabsichtigte Kündigung von weiteren 100 Mitarbeitern. In einem offenen Brief an die Treuhand-Vorsitzende Birgit Breuel heißt es, man sei nicht bereit, ein »drittes Mal wie Schafe zur Schlachtbank zu gehen«. Nach zwei Kündigungswellen 1990 und 1991 stehen derzeit noch 173 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste, die meisten allerdings mit Kurzarbeit Null. Vor der Wende waren hier fast 500 Personen beschäftigt.
Der Betriebsratsvorsitzende Peter Hartmann wirft der Treuhand vor, seit der Wende keinen Pfennig in den Betrieb investiert zu haben: »Man hat uns regelrecht verhungern lassen.« Hintergrund sind die jüngsten Verkaufsgespräche der Treuhand. Nachdem kürzlich… weiter lesen
27.10.2009 von Helmut Höge

Noch mal von vorne (siehe die ersten BELFA-Photos im blog vom 19.10.09): Hier posieren der Betriebsratsvorsitzende des Gerätebatteriewerks BELFA und seine Stellvertreterin ohne ihre Belegschaft un d ohne ihren zum Verkaufsstand umgerüsteten Ferienwohnwagen im Hintergrund für zwei “stern”-Journalisten, die über ihren “Hungerstreik – verbunden mit einer Protestproduktion” einen Artikel veröffentlichen wollten.

Hier versammelt sich die Belfa-Belegschaft, bzw. das was die Treuhand noch von ihr übrig gelassen hat, vor dem Fabriktor – für den “Spiegel”.

Im Beisein ihres IG-Metall-Sekretärs geben einige Arbeiter anschließend der Lokalpresse Interviews

Zwei Hungerstreikende

Diskussion unter den Hungerstreikenden

Nebenan, in der Kantine diskutiert der Betriebsrat u.a. mit einigen Sympathisanten aus der ostdeutschen Betriebsratsinitiative. Der Belfa-Betriebsrat Hajo (in der Mitte) sollte sich im Verlauf des Arbeitskampfes als “Verräter” entpuppen. Der BR-Vorsitzende Hartmann (links neben ihm stehend) und seine Stellvertreterin, “die Königin” (rechts neben ihm sitzend) machen auf dem Photo ein… weiter lesen
27.10.2009 von Helmut Höge

Sehen-Erkennen-Wissen, wo es lang geht-Poller, photographiert von Peter Grosse
Ein Jahr bevor der Theatererweiterer Christoph Schlingensief an Krebs erkrankte (und darüber dann ein Buch veröffentlichte), drehte Cordula Kablitz-Post einen Dokumentarfilm über das Verhältnis von Leben und Kunst bei Christoph Schlingensief – mit dem Titel “Die Piloten”. In einer Sequenz geht es darum: “Sein Vater liegt ganz real im Sterben. Und auch dies wird in eine mediale Inszenierung überführt: Schlingensieff streichelt in der Talkshow die Hand eines Schauspielers, der seinen Vater darstellt. Nach der Sendung ist er vom Gedanken an den sterbenden Vater, aber auch über den Zynismus seiner Inszenierung zu Tränen erschüttert. Er weint. Ein Moment größter Wahrhaftigkeit. Doch Schlingensief schaut mit verheulten Augen ins Objektiv und sagt: ‘Ja das ist ja jetzt auch Scheiße. Mit der Kamera ist das auch nicht echt’.” (Polar, Heft 2/2009 – “Ohne Orte”)
Schlingensief will beides: die Widerspiegelungstheorie sozusagen beim Wort nehmen –… weiter lesen
25.10.2009 von Helmut Höge

“Dies als Mahnung an meine Hausmeister-Kollegen,” schreibt der Photograph Peter Grosse.
Der holländische Primatenforscher Frans de Waal hat viel dafür getan, zu beweisen, dass bei den sozial lebenden Tieren (einschließlich des Menschen) der “Egoismus” etwas Sekundäres ist – eben weil sie und wir die Einsamkeit schlecht ertragen, mit unserer Fähigkeit zu Empathie und Mitleiden (die nicht christlich, sondern evolutionär erworben ist). Anders ausgedrückt – mit Alexander Kojève, der hierin Hegel folgt: Das konstituierende Moment bei der Bildung unseres Selbstbewußtseins ist die Anerkennung. Wer nicht anerkannt wird ist sozial tot – und bald auch wirklich. Das gilt für alle in Gemeinschaften lebenden Tiere, mindestens der “höheren” – die durchaus ein Bewußtsein ihrer selbst haben, wie Frans de Waal nicht müde wird zu betonen.
Dass dagegen die Moral nur eine Firnis sein soll – über nackte Interessen, bezeichnet er abfällig als “Fassadentheorie”. Als darwinistischer Biologe (ein Pleonasmus schon fast… weiter lesen
23.10.2009 von Helmut Höge

Da wo der Hammer hängt. Photo: Peter Grosse
“Erst seit der Wiedervereinigung ist wieder Klassenkampf möglich,” behauptete Heiner Müller. Man kann es drehen und wenden wie man will, Klassenkampf ist nur ein anderes Wort für Bürgerkrieg, meinte Rosa Luxemburg – zur SPD hin, die auf das erste nicht ganz verzichten wollte, das letzte jedoch aufs Schärfste ablehnte.
Derzeit findet “es” auf unterstem Niveau statt – seitdem die neoliberale Reaktion mit der sogenannten Dritten Industriellen Revolution und vollends nach dem Zusammenbruch des Sozialismus an den Drücker kam.
Die SZ läßt einen Juristen zu Wort kommen, der über die jüngsten Entlassungen von Arbeiterinnen, weil sie angeblich zwei Pfandbons für sich behalten bzw. sechs Maultaschen eingesteckt hatten, urteilt: “Wer in der Firma klaut, soll es wenigstens zugeben – oder der Vertrauensbruch muß unweigerlich zur Kündigung führen”. Ähnlich urteilte zuvor der FAZ-Rezensent der neuen “Undercover”-Reportage von Günter Wallraff “Aus der schönen neuen Welt”,… weiter lesen
22.10.2009 von Helmut Höge
Ein utopisches Projekt – abgewickelt
800 Jahre lang wurde im Mansfelder Land zwischen Eisleben und Aschersleben Bergbau betrieben. Über 3000 Schächte gruben die Bergarbeiter dort in die Erde und zweieinhalb Millionen Tonnen Kupfer förderten sie dabei zu Tage. Bis zum Ende der DDR waren im VEB Mansfeld Kombinat und in den umliegenden Betrieben 13.000 Menschen beschäftigt.
2000 heißt es in einer Reportage des “Freitag” über die Region: “Noch nie in der 800-jährigen Bergbaugeschichte war das Gebiet so tot wie heute. Junge Leute verlassen die Stadt, gehen über den Harz in den anderen Teil Deutschlands. In manchen Monaten beträgt die Arbeitslosigkeit bis zu 50 Prozent.”
2005 schickte dagegen die ARD ihren Altreporter Fritzt Pleitgen ins Mansfelder Land, um dort doch wenigstens einige “Erfolgsgeschichten” aufzuspüren: “So baut ein Winzer auf einer Braunkohlenhalde ertragreich Wein an. Das Werk MKM mit 1000 Mitarbeitern hat sich die modernste Kupferfertigung der Welt zugelegt. Die… weiter lesen
21.10.2009 von Helmut Höge

Die ungewöhnlichsten Poller habe ich zuletzt auf der kroatischen Halbinsel Peljesac um den Ort Orebic
herum gesehen, schreibt der Kunsthistoriker Hansdieter Erbsmehl zu diesen Photos, am Ufer gegenüber der Insel Korcula hatten sich früher Kapitäne ihren Altersruhesitz errichten lassen, unmittelbar am Wasser, inmitten subtropischer Gärten mit Palmen und Zitrusgewächsen. Zu jedem dieser Häuser, von denen wir eines in der Nachsaison für wenig Geld mieteten, gehörte offenbar ein eigener Anlegeplatz mit einem dieser völlig überdimensionierten pollerartigen Gebilde. Sie sind ungewöhnlich schön, viele sind aufwändig und liebevoll aus Stein gehauen, demselben Werkstein, aus dem die teils einfachen, teils imposanten Häuser errichtet sind. Ich hatte erst gar verstanden, um was es sich handelt. Denn sehr große Schiffe würden hier niemals festmachen können, dazu bräuchte es viel mehr von diesen eingelassenen Steinen, außerdem ist das Wasser nicht tief genug. Es gab aber nur jeweils einen davon an jedem der zahlreichen kurzen Kais… weiter lesen